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Formel 1: Die Vorschau auf den Grand Prix von Monaco - Wie einst Olivier Panis

Monaco ist Kopfkino statt Highspeed. Niedrige Durschnittsgeschwindigkeit, doch die engen Gassen lassen die Geschwindigkeiten spürbar werden. Wer den Tanz auf dem Gummi derzeit am besten beherrscht und warum Olivier Panis nur ein einziges Mal in seiner Karriere - in Monaco - siegen konnte, verraten wir in unserer Vorschau.

Monaco ist eng, kurvenreich und gefährlich. In unserer Vorschau auf einen der legendärsten Kurse der Formel 1-Geschichte berichten wir über schwere Unfälle und Eintagsfliegen. Wir spielen eine neue Runde Reifenroulette und sagen Ihnen, warum der Überraschungssieger von Barcelona in Monaco beste Chancen hat, aber Kimi Räikkönen der "bessere" Sieger wäre.

Das Flair von Monaco - Kopfkino statt Highspeed

Eigentlich ist Monaco die langsamste Formel-1-Strecke. Das bedeutet, die Strecke, mit den geringsten Durchschnittsgeschwindigkeiten (knapp 150 km/h). Doch durch die engen Gassen ist Monaco gefühlt eine der schnellsten Strecken. "Monaco ist ein besonderer Ort. Es ist vermutlich der Grand Prix, bei dem das Empfinden für die Geschwindigkeit am größten ist, besonders in den ersten Runden am Donnerstagmorgen", so Jenson Button laut motorsport-total.com.

In Monaco gilt, wer den meisten Abtrieb und die beste Traktion herstellen kann, der kommt am schnellsten durch den Parcours. Für die Teams ist Monaco eine schwierige Aufgabe. "Monaco ist die am wenigsten berechenbare Rennstrecke im Kalender. Der Kurs ist kaum zu simulieren, weder die Asphaltverhältnisse noch die Streckenführung, die keiner permanenten Rennstrecke der Welt ähnelt. Kein Team weiß im Vorfeld wirklich, ob dieser Stadtkurs dem eigenen Auto liegt oder nicht. Als Fahrer setzt man sich gerne unter Druck, weil dies ein besonderes Rennen, mit vielen besonderen Gästen ist. Fast jeder Fahrfehler endet in der Leitplanke", so Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger laut autobild.de.

"Formel 1 fahren in Monaco ist wie Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer“, sagte einst Nelson Piquet über den seit 1929 ausgetragenen Stadtkurs, der seit 1950 zum Formel 1-Zirkus gehört. Der erfolgreichste Hubschrauber-Pilot war Ayrton Senna. Der Brasilianer konnte sechs Mal im Fürstentum gewinnen. Nur knapp dahinter, mit fünf Siegen, Michael Schumacher und Graham Hill, der ebenfalls fünf Siege in Monaco feierte. Im letzten Jahr hieß der Sieger Sebastian Vettel, der in einem turbulenten Rennen, das durch zwei Safety-Car-Phasen und eine Rennunterbrechung geprägt war, seinen ersten Sieg im Fürstentum feierte.

Eintagsfliegen und kuriose Sieger

Monaco ist nicht nur der Kurs der Seriensieger Senna, Schumacher und Hill, auch die Eintagsfliegen schwirren um den Stadtstaat, wie um eine pralle Fruchttorte. Der Franzose Maurice Trintignant konnte nur zwei Formel 1-Siege in seiner Karriere feiern, beide in Monaco. Sein Landsmann Jean-Pierre Beltoise gewann nur ein einziges Formel 1-Rennen – in Monaco und dann sind da ja noch die verrückten Siege von Jarno Trulli und Olivier Panis. Der historischen Reihenfolge nach:

Das Regenrennen 1996 ging in die Geschichte ein

Der Franzose Olivier Panis bestritt im Laufe seiner Karriere 158 Grand-Prix-Rennen, gewinnen konnte er nur eines, das von Monaco '96. Panis startete in seinem Ligier JS43 von Platz 14 aus in das Rennen. Damon Hill lag bei schwierigen Regenbedingungen in Führung, doch sein Rennwagen hatte einen Getriebeschaden und so schied der Führende in der Fahrer-Wertung aus.

Michael Schumacher war schon in Runde eins in die Leitplanken gefahren. Jean Alesi schied ebenfalls führend mit einem Aufhängungsschaden aus. Mit Panis, Coulthard und Herbert erreichten letztlich nur drei Piloten das Ziel. Damit war Monaco 1996 das Rennen mit den wenigsten Piloten, die das Ziel erreichen konnten in der Geschichte der Formel 1 und der einzige Titelgewinn des Olivier Panis. 

2004: Explosionen, Rauch und ein einmaliger Held

Ähnlich erging es Jarno Trulli im Renault. Jenson Buttons Teamkollege Takuma Sato hatte damals einen guten Start erwischt, doch sein Motor explodierte und begann stark zu qualmen, dadurch verursachte Sato einen Massencrash. Giancarlo Fisichella krachte in das Heck von David Coulthard. Fisichella landete kopfüber auf der Leitplanke, ohne sich zu verletzten. Als nächster krachte Fernando Alonso beim Überrunden im Tunnel in die Leitplanken und das Safety-Car kam auf die Strecke.

Das Feld folgte dem Safety-Car und Schumacher wollte im Tunnel die Bremsen aufwärmen, doch das hatte Juan Pablo Montoya übersehen und krachte dem Ferrari-Piloten ins Heck. Schumacher schied aus und nur neun Fahrer sahen die Zielflagge. Trulli startete 252 Mal in der Formel 1 und gehört damit zu den Fahrern mit den meisten Grand-Prix-Starts. Einen Sieg konnte er nur einmal feiern, 2004.

Die Gefahren des Monaco GP

Diese zwei Geschichten zeigen: Monaco und Unfälle, das gehört zusammen. Kurz gesagt: Monaco hat Flair, Monaco ist spektakulär, aber Monaco ist auch sehr gefährlich. Die Strecke entspricht nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards in der Formel 1. "Ich warne immer wieder, dass dieses Rennen nicht mehr zeitgemäß ist", sagt der ehemalige Formel 1-Pilot Ralf Schumacher laut motorsport-total.com.

Die Liste der folgenschweren Unfälle ist dementsprechend lang. Der tragischte Unfall fand am 7. 1967 statt. Bandini lag mit seinem Ferrari an Position zwei, als sein Wagen am Ausgang der Hafenschikane von der Strecke abkam und gegen einen mit Strohballen gesicherten Poller prallte. Der Wagen fing Feuer, durch das auslaufende Benzin und die Strohballen entwickelte sich ein großer Brand. Bandini konnte erst nach drei Minuten aus den Flammen befreit werden und starb drei Tage später an den schweren Verbrennungen. Strohballen als Streckenbegrenzung wurden daraufhin abgeschafft.

1994 war der Ausgang des Tunnels, die schnellste Stelle der Strecke, Schauplatz eines folgenschweren Unfalls. Der Sauber-Pilot Karl Wendlinger verlor die Kontrolle über seinen Boliden und krachte seitlich in die Streckenbegrenzungen. Der Österreicher stieß durch die niedrigen Cockpitbegrenzungen mit dem Kopf an das Hindernis und lag mit erheblichen Hirnprellungen anschließend 19 Tage im Koma. 1995 startete er genesen einen neuen Versuch in der Formel 1, konnte aber an seine Leistungen vor dem Unfall nicht anknüpfen und gab die Formel 1 auf, blieb dem Motorsport aber erhalten. Die Hafenschikane wurde nach diesem Crash besser gesichert und am Cockpit wurde ein seitlicher Kopfschutz Vorschrift.

Überholen ist in Monaco fast unmöglich, die Strecke ist sehr eng. Obwohl es enorme Verbesserungen der Sicherheitsvorkehrungen gab, ist sie weiterhin ein Risiko-Rennen. "Es grenzt an Ironie, dass wir all die Jahre erfolgreich für mehr Sicherheit auf den Rennstrecken gekämpft haben und dann freiwillig in Monaco fahren", erklärte Michael Schumacher dazu laut auto-motor-und-sport.de.

Das Reifenmonopoly geht weiter

Die verrückte Saison mit fünf verschiedenen Siegern lässt viele Experten ratlos zurück. In einem Punkt sind sich aber alle einig. Der Casus Knaxus liegt im Gummi. Die Reifen sind das Glücksrad der Formel 1 und in Monaco könnte erneut am Arbeitsfenster gedreht werden.

"In Monacofahren wir zum ersten Mal in dieser Saison mit der superweichen Pirelli-Mischung. Darauf freue ich mich", erklärte Jenson Button die Großwetterlage bei der rennwöchentlichen Reifenschau auf motorsport-total.com. "Sicher werden wir das Wochenende mit der weichen Mischung beginnen, doch wenn wir dann zum ersten Mal die superweichen aufziehen, wird sich das Auto komplett anders anfühlen. Wie immer wird es faszinierend zu entdecken sein, wie sich die Reifen verhalten übers Wochenende - vor allem an einem Ort, an dem das Qualifying entscheidend ist. Ich freue mich auf diese Herausforderung", so Button.

Qualifying das eigentliche Rennen?

Das Qualifiying entscheidend? Das galt in den letzten Jahren mehr, als in diesem Jahr, aber auch in dieser Saison haben drei von fünf Piloten, die die Pole holten, auch das Rennen gewonnen (Rosberg, Vettel, Maldonado). Dabei ist das Setup einmal mehr von entscheidender Bedeutung. "Das Setup für Monaco ist sehr schwierig, weil sich die Strecke sehr schnell verändern kann, und dies macht den Fahrern sehr schwer zu schaffen, weil sie ihre Autos nicht richtig verstehen. Man muss ein gutes Setup finden, das genügend Traktion bietet, aber das auch das den modernen Formel-1-Autos angeborene Untersteuern so gut wie möglich vermeidet. Dieses Problem tritt besonders in langsamen Kurven auf", erklärt Ingenieurslegende Pat Symonds.

Auch Teamchef Frank Williams hält den Parcours für enorm anspruchsvoll, dabei hat er allerdings eher die Leistungen der Fahrer im Sinn. "Der Straßenkurs von Monaco bedeutet für die Fahrer eine nicht endende Aneinanderreihung von Schwierigkeiten: scheinbar endlose Leitplanken, eingeschränkte Sicht durch die engen Visiere und wechselnd nach innen und nach außen hängende Kurven. Es ist offensichtlich, weshalb dieser Kurs eine besondere Herausforderung ist." Nicht ohne Grund gelten Fernando Alonso und Lewis Hamilton, die wohl talentiertesten Fahrer im Feld, als Favoriten. Allerings taucht nach dem Barcelona Grand Prix nun ein neuer Name im Favoritenfeld auf: Pastor Maldonado.

Die "zehn" Favoriten und Maldonado

Einzig und allein die Tatsache, dass der Williams-Pilot das letzte Rennen gewonnen hat, macht ihn noch nicht zum Favoriten. Es gibt zwei Gründe, warum die Experten Maldonado gute Chancen zurechnen. Zum einen ist er Monaco-Spezialist und hat auch vor seiner Formel 1-Zeit in Monaco mit sämtlichen Klassen gewinnen können. Zum anderen die exzellente Traktion des Williams für den Venezulaner.  "Wenn der Williams wirklich eine so gute Traktion hat, dann fährt der Maldonado in Monte Carlo Kreise um alle anderen", glaubt Red-Bull-Berater Helmut Marko laut welt.de.

Für Nico Rosberg können sogar noch viel mehr Piloten in Erwartungshaltung sein. "Bislang gab es fünf verschiedene Sieger in fünf Rennen - und in Monaco besitzen mindestens zehn Fahrer Siegchancen", sagt Nico Rosberg. Wir würden uns über einen Sieg von Kimi Räikkönen freuen. Der Lotus-Pilot stand in dieser Saison schon zwei Mal auf dem Podest, aber nicht als Sieger. Außerdem wäre der sechste unterschiedliche Sieger im sechsten Rennen eine weitere Sensation.

Michel Massing 

sportal.de / sportal

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