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Formel 1: Ferrari präsentiert den neuen Boliden

Die geplante Präsentation fiel einem Schneechaos zum Opfer und der neue Wagen entspricht optisch nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal. Trotzdem ist man bei Ferrari optimistisch, dass man mit dem F2012 endlich zurück in die Erfolgsspur finden kann und Sebastian Vettel den WM-Titel abjagen kann.

Irgendwie wirkte es wie ein Fehlstart in die Saison für Ferrari. Denn eigentlich hätte das Team seinen Rennwagen für die neue Saison 2012 vor einer Hundertschaft von Journalisten und geladenen VIPs auf der hauseigenen Strecke in Fiorano enthüllen wollen. Doch die heftigen Schneefälle, die Norditalien derzeit fest im Griff haben, durchkreuzten die Pläne der Scuderia gewaltig. Schneeketten sind nicht einmal als Sonderzubehör vorgesehen gewesen.

Statt den F2012, wie üblich bei Ferrari nach seinem Baujahr benannt, also feierlich im Rahmen einer großen Zeremonie zu präsentieren, mussten die Verantwortlichen umdisponieren. So fand die Enthüllung in deutlich nüchternerem Stil - ohne Schnittchen und Prosecco - dann auch nur via Pressemitteilung und Bildergalerie auf der Homepage statt.

Enzo Ferraris Erfolgsgeschichte begann auch mit Schneetreiben

"Ich hoffe, dass uns diese Umstände Glück bringen“, versuchte Ferrari-Boss Luca di Montezemolo laut repubblica.it der erst am Vortag entschiedenen Planänderung doch noch etwas positives abzugewinnen. Schließlich habe einst auch der legendäre Firmengründer Enzo Ferrari unter ähnlichen Bedingungen das Licht der Welt erblickt.

"Als er geboren wurde, gab es ein derartig heftiges Schneetreiben, dass seine Mutter nicht in die Stadt hatte laufen können, um ihn ordnungsgemäß anzumelden. Das schaffte sie dann erst den Tag drauf“, erläuterte di Montezemolo. Angesichts der späteren Erfolgsgeschichte des Unternehmers aus Sicht der Teamleitung vielleicht gutes Omen.

Denn ein Erfolg wird sehnsüchtig erwartet, seit Fernando Alonso vor zwei Jahren die WM-Führung und den fast sicher geglaubten Titel nach einer falschen Boxen-Strategie noch an Sebastian Vettel verloren hatte und das Team auch in der letzten Saison mit Platz vier für Alonso und dem sechsten Rang von Massa deutlich hinter den Erwartungen geblieben war.

Altes Fahrerteam, neue Nase für das Auto

Das Fahrerteam der Vorsaison, Fernando Alonso und Felipe Massa, darf sich auch 2012 versuchen und bekommt dafür den unter Führung des neuen Technikchefs Pat Fry entworfenen F2012 zur Verfügung gestellt. Optisch ist man ganz neue Wege gegangen, Schönheitspreise dürfte der neue Ferrari wohl keinen gewinnen.

"Das Auto ist definitiv anders, denn es stellt in Sachen Designphilosophie einen klaren Bruch mit der Vergangenheit dar", erklärte Stefano Domenicali laut motorsport-total.com und präzisierte: "Es ist nicht so hübsch, denn die vom technischen Reglement diktierte Form lässt nicht viel Spielraum. Aber wir hoffen, dass es zumindest wirklich schnell ist - und das ist es doch, was zählt."

So fällt vor allem die neue Frontform mit einem Höcker beim Übergang vom Chassis zur Spitze des Autos auf. Die krumme Nase sei, so di Montezemolo, den für alle Teams geltenden technischen Vorgaben geschuldet. "Er sieht wirklich aggressiv aus", meinte Massa. Aber nicht nur die Front, praktisch jedes Teil des Wagens wurde überarbeitet und soll nach Aussagen des Teams auch effizienter gemacht worden sein. Wirklich gleich geblieben ist nur die rote Farbe.

Der Druck auf die Scuderia ist groß

Und der typische Ferrari-Anspruch. Denn das Team mit dem sich aufbäumenden Pferd im Logo will endlich zurück an die Spitze."Wir haben die Grundlagen geschaffen, um erfolgreich zu sein“, ist sich di Montezemolo sicher und erhöhte den Druck - vor allem auf die Nummer zwei Massa."Er muss sich rehabilitieren nach einem nicht sonderlich positiven Jahr. Aber wir sind zuversichtlich, dass er das kann. Der Wagen und auch die Reifen kommen seinem Fahrstil entgegen.“

Massa nahm die Herausforderung an. "Es ist für mich und das gesamte Team ein wichtiges Jahr, ein Siegerjahr", sagte er laut motorsport-total.com. "Wir wollen kämpfen und Weltmeister werden, aber ich glaube an mich, an das Team und an dieses Auto. Wir wollen Rennen gewinnen und so oft wie möglich auf dem Podium stehen. Ich habe wirklich das Gefühl, dass es gut laufen kann, und ich möchte gut in die Saison starten - und sie natürlich auch gut beenden."

Bleibt aus Sicht der Scuderia zu hoffen, dass sie beim Teststart in einer Woche beziehungsweise dem Saisonstart in einem Monat nicht erneut ihre ganzen Planungen über den Haufen werfen müssen und dass sich der rote Flitzer trotz aller optischen Häßlichkeiten dann wenigstens als schnell entpuppt.

Auch Force-India mit Entenschnabel

Wie geplant ging derweil die Präsentation des neuen Sahara-Force-India-Teams im birtischen Silverstone über die Bühne. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt posierten Nico Hülkenberg sowie sein Stallkollege Paul di Resta und Ersatz Jules Bianchi vor dem neuen VJM05, benannt nach Rennstallmitbesitzer Vijay Mallya.

Auch bei diesem Auto sieht die Nase eher gewöhnungsbedürftig aus. Die Front erinnert mit seinem markanten Höcker auf der Höhe der Vorderräder entfernt an einen Entenschnabel. Angetrieben wird das Auto wie im Vorjahr von einem Mercedes-Motor.

Mit dem neuen Wagen will Force India den Anschluss an die Top-Teams weiter verringern. In der vergangenen Saison hatte das indische Team den sechsten Platz in der Konstrukteurswertung belegt. Für Hülkenberg geht es nach einem Jahr als weitgehend beschäftigungsloser Ersatzfahrer in den Rennen wieder darum, auf sich aufmerksam zu machen.

Der ehemalige GP2-Pilot wurde nach seinem Jahr als Testpilot bei Force India befördert. Der 24-Jährige, der 2010 für Williams sein Premierenjahr in der Königsklasse des Motorsports absolviert hatte, übernahm dabei den Platz von Adrian Sutil.

sportal.de / sportal

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