FORMEL 1 Fotofinish: Rubens vor Michael ins Ziel


Rubens Barrichello gewinnt in Indianapolis den Großen Preis der USA und sichert sich damit den Titel des Vize-Weltmeisters. Für Ferrari schon jetzt die erfolgreichste Formel 1-Saison aller Zeiten.

Mit einem Sieg in letzter Sekunde über Dominator Michael Schumacher ist Rubens Barrichello zur Vizeweltmeisterschaft gefahren und hat Ferrari damit die erfolgreichste Formel-1-Saison aller Zeiten beschert. Der Brasilianer raste am Sonntag beim Großen Preis der USA in Indianapolis als Erster ins Ziel und kann auch beim Saisonfinale am 14. Oktober im japanischen Suzuka nicht mehr vom zweiten WM-Platz verdrängt werden. Dritter wurde der Schotte David Coulthard im McLaren-Mercedes. Schumacher führt vor dem Finale in Fernost mit 134 Punkten vor Barrichello (71) und Juan Pablo Montoya (47). Der Kolumbianer sicherte Williams-BMW den angepeilten 2. Platz in der Marken-WM - erstmals vor den Silberpfeilen.

»Wir haben einen Mordsspaß gehabt, da war aber nichts abgesprochen«, versicherte Barrichello, der 10/1000 Sekunden vor Schumacher ins Ziel raste. »Michael hat wohl einfach versucht, dass wir nebeneinander über die Ziellinie fahren. Ich muss Michael danken - zusammen haben wir alles gegeben und alles erreicht.« Schumacher nahm die Situation mit Humor: »Wir wollten vielleicht einen weiteren Rekord aufstellen - das knappste Finish«, sagte der Kerpener, der genau neben »Rubinho« über den Zielstrich fahren wollte. »Das hat nicht ganz geklappt.« Niki Lauda sah es ebenso: »Das ist in die Hose gegangen.«

130. 000 Zuschauer bestaunten die Formel 1 auf dem legendären Oval-Kurs der »Indy 500« - für den Sieg und neue Rekorde sorgten die übermächtigen »Roten«: Der fünfmaligen Weltmeister Schumacher kam zum 21. Mal in Serie ohne Defekt ins Ziel, schenkte seinem Teamkollegen auf der Zielgeraden aber den Sieg. »Da waren wir selber alle überrascht«, meinte Ferrari-Superhirn Ross Brawn.

Erstmals seit 1979 schaffte die Scuderia wieder das »Triple«: Damals war Jody Scheckter (Südafrika) Champion vor dem Kanadier Gilles Villeneuve und Ferrari Konstrukteurs-Weltmeister geworden. Mit den 16 Zählern aus Indianapolis kommen die Italiener auf 205 und durchbrachen als erstes Team seit Einführung der Marken-WM im Jahre 1958 die Schallmauer von 200 Punkten. Den bisherigen Rekord (199) hatten Ayrton Senna und Alain Prost 1988 als McLaren-Honda-Duo aufgestellt.

Räikkönens zehnter Ausfall in diesem Jahr

Einziger Aufreger am Start war das Duell der Williams-BMW-»Kollegen«: Ralf Schumacher schob sich vor Montoya auf Platz vier, doch aus dem Glück des Tüchtigen wurde in der nächsten Runde Pech. In einer Kurve rutschte »Schumi II« dem Kolumbianer in die Seite, beide Autos berührten sich, Schumachers Heckflügel flog auf und davon. Beim außerplanmäßigen »Not-Halt« verlor der Deutsche allein in der Box 69 Sekunden und musste seine Aufholjagd vom 20. und letzten Platz starten. Auch die letzte theoretische Chance, hinter seinem Bruder noch Vizeweltmeister zu werden, war dahin. Besonders bitter: Schon in der 21. Runde wurde Ralf von Michael überholt und landete schließlich unter »ferner fuhren« auf Platz 16.

Auch für Heinz-Harald Frentzen lief bei seinem vorzeitigen Sauber-Comeback noch nicht alles optimal. Der vom Brasilianer Felipe Massa übernommene Sitz konnte in aller Eile nicht mehr »maßgeschneidert« werden; auch das Auto war offenbar noch nicht perfekt abgestimmt. Zwei Mal landete der Mönchengladbacher im Kiesbett und im Ziel nur auf Platz 13 - weit hinter seinem Teamkollegen und »Stadtrivalen« Nick Heidfeld (9.). Der Finne Kimi Räikkönen musste seinen Silberpfeil in der 52. Runde offenbar mit Motorschaden abstellen - für den McLaren-Mercedes-Piloten bereits der 10. Aufall in diesem Jahr.

Derweil zogen die »Roten« unangefochten ihre Kreise. Schumacher, der zum sechsten Mal in dieser Saison von der Pole-Position gestartet war, hielt Barrichello zwar auf Distanz, doch der Brasilianer verlor nie den Kontakt zum Auto mit der Nummer 1. Nach 20 Runden hatte er nur 1,6 Sekunden Rückstand, Coulthard im Silberpfeil schon über 22 Sekunden. Auch nach dem zweiten Boxenstopp änderte sich nichts an der Spitze und an dem gewohnten Bild in der »Formel Langeweile«. Am Ende des Rennens der Rekorde hatte »Schumi« zwar seinen 64. Grand- Prix-Triumph vor Augen, ließ aber kurz vor der Ziellinie seinen brasilianischen Teamkollegen passieren.


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