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Formel-1-Qualifying: Vettel verpatzt die letzte Chance

Unter extrem schwierigen Wetterbedingungen hat Formel-1-Pilot Sebstain Vettel die letzte WM-Chance verspielt. Beim Qualifying zum Großen Preis von Brasilien schied der Red-Bull-Pilot bereits nach der ersten Runde aus und startet von weit hinten. Die Pole gewann Rubens Barrichello.

Das war's: Im Regenchaos von São Paulo sind die letzten WM-Hoffnungen von Sebastian Vettel praktisch untergegangen. Als sich Lokalmatador Rubens Barrichello unter dem tosenden Jubel seiner brasilianischen Fans die Pole Position in der mit fast drei Stunden längsten Qualifikation der Formel-1-Geschichte sicherte und damit seine eigenen WM-Chancen verbesserte, war der Heppenheimer am Samstag bei widrigen Wetterbedingungen längst ausgeschieden. "Ich habe heute meinen Freischwimmer gemacht, bin mehr geschwommen als gefahren", klagte der 22-Jährige nach dem für ihn schnell beendeten und völlig chaotischen Rennen um die Startplätze für den Großen Preis von Brasilien.

Zuvor war er mit dem Helm auf dem Kopf tief frustriert schnurstracks ins Motorhome seines Red-Bull-Rennstalls gestapft. Als 16. hatte er im strömenden Regen auf dem 4,309 Kilometer langen Kurs in Interlagos nicht den Sprung in die nächste Runde geschafft. Umso ärgerlicher: WM-Spitzenreiter Jenson Button, auf den Vettel 17 Punkte aufholen muss, zeigte Nerven und blieb als 14. ebenfalls vorzeitig auf der Strecke. "Die erste Session war okay. Im zweiten Abschnitt waren wir einfach langsamer", meinte der 29-Jährige. "Jenson hat einen Fehler gemacht", rügte Teamchef Ross Brawn.

Barrichello machte es im zweiten Brawn-Mercedes besser: "Rubinho, Rubinho" skandierten die Zuschauer. Noch nie konnte Barrichello, der 15 Punkte auf Button aufholen muss, auf seiner Strecke in Interlagos gewinnen. "Ich bin sehr glücklich", meinte der 37-Jährige.

Sensationell auf Startplatz drei schaffte es Adrian Sutil aus Gräfelfing im Force India hinter Vettels Teamkollege Mark Webber. Nico Rosberg geht im Williams-Toyota als Siebter an den Start. Nick Heidfeld war wie Vettel im ersten Abschnitt baden gegangen.

"In den Runden, die ich hatte, ging nicht viel. Zum Schluss war dann einfach zu viel Wasser auf der Strecke", beschrieb Vettel sein Dauerregen-Dilemma. Seine WM-Hoffnungen sind vor den beiden letzten Saisonläufen nur noch theoretischer Natur. Denn: ein Sieg und ein zweiter Platz wären Pflicht. Zuspruch in der bitteren Stunde bekam Vettel umgehend von Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug: "Für Sebastian tut mir es außerordentlich leid - ein Jammer - aber es war bestimmt kein Fahrerproblem. Kopf hoch - solche Rückschläge machen einen sehr Guten nur noch besser."

Nur ein Wunder und mögliches Nervenflattern von Button kann den eigentlich als "PS-Rainman" gerühmten deutschen Piloten nun noch retten. "Ich hoffe, dass das Wetter im Rennen ein bisschen verrückt spielt und uns noch nach vorn spült", sagte Vettel. Für den Grand Prix an diesem Sonntag sind die Wetteraussichten auf jeden Fall nicht besser als für den Samstag, an dem es über der brasilianischen Metropole blitzte und donnerte.

Vettel versuchte, im ersten Zeitabschnitt so schnell wie möglich auf Touren kommen. Die Gefahr, dass die Session immer wieder unterbrochen würde, war groß. Nach nicht einmal fünf Minuten verhängten die Rennkommissare ein vorläufiges Fahrverbot, als sich Giancarlo Fisichella mit seinem Ferrari drehte und stehen blieb. Zu diesem Zeitpunkt lag Vettel noch auf Platz 1 - von allerdings nur sieben Piloten, die eine gezeitete Runde absolviert hatten. Nachdem das Safety Car die Piste geprüft und für wieder befahrbar befunden hatte, ging es weiter. 14 Minuten dauerte die Pause insgesamt.

Der Regen ließ zumindest etwas nach, die Zeiten der Fahrer wurden besser. Als Vettel sich dann anschickte, seine schnelle Runde zu drehen, steckte er aber im Verkehr fest. Die vor ihm fahrenden Autos wirbelten Gischt-Fontänen auf. "Wenn man da nicht mit einem normalen Straßenwagen fährt, wird man immer Probleme haben", meinte der Red- Bull-Mann. Und dann nahm der Niederschlag wieder zu. Vettel versuchte es, musste aber schon alle Fahrkünste aufbieten, um den Boliden überhaupt auf dem 4,309 Kilometer langen Kurs zu halten. Es nützte nichts. Ende, Aus.

Jens Marx, DPA / DPA

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