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FORMEL 1: Prost, Herr Frentzen!

Heinz-Harald Frentzen ist nicht zu beneiden. Kaum hat er beim französischen Rennstall Prost eine Bleibe gefunden, geht sein Arbeitgeber endgültig Pleite.

Das Formel-1-Team des viermaligen Weltmeisters Alain Prost ist endgültig am Ende. Das Handelsgericht in Versailles sprach die Liquidation des französischen Rennstalls aus. Die Investoren hätten keine ausreichenden finanziellen Garantien vorlegen können. Das Gericht gewährte Prost zur Abwicklung noch eine Galgenfrist von 15 Tagen. »Das Scheitern steht fest«, sagte Prost, der sich mit versteinerter Miene nur kurz den Medien zeigte.

Neuer Anlauf bei Arrows

Damit scheint auch klar, dass Heinz-Harald Frentzen wieder ohne Team dasteht. Der Mönchengladbacher fuhr seit August 2001 nach seiner Entlassung bei Jordan für die »Blauen« und wollte dies auch, trotz anderer Angebote, in der nächsten Saison weiter tun. Voraussetzung für seine Prost-Zukunft seine aber klare, finanzielle Verhältnisse, hatte Frentzen mehrfach erklärt. Um die nächste Saison nicht als Zuschauer verbringen zu müssen, wird Frentzen nun wohl ein Angebot des Arrows-Rennstalls annehmen, das ihm schon seit mehreren Wochen vorliegt.

Über 30 Millionen Euro Schulden

Das Handelsgericht in Versailles hatte im November ein Sanierungsverfahren für das finanziell schwer angeschlagene Unternehmen eingeleitet und einen Zwangsverwalter eingesetzt. Die Schulden des im vergangenen Jahr 300 Angestellte umfassenden Teams sollen 30,5 Millionen Euro (knapp 60 Millionen Mark) betragen. Immer wieder war von potenziellen Investoren bzw. Sponsoren aus dem arabischen Raum oder dem Formel-1-Umfeld die Rede, die das Team unterstützen bzw. ganz übernehmen wollten.

200 Beschäftigte werden entlassen

Doch das Gericht befand am Montag, dass kein glaubwürdiger Rettungsplan vorgelegt worden sei und die Garantien insgesamt nicht ausreichen würden. Deshalb habe auch der Zwangsverwalter darauf verzichtet, noch einmal in Berufung zu gehen, hieß es. Die beiden kommenden Wochen würden für die Abwicklung benötigt, um die Sachwerte wahrscheinlich gegen Gebot zu verkaufen. Das Prost-Team von etwa noch 200 Beschäftigen werde entlassen, man suche jedoch nach Lösungen für die einzelnen Mitarbeiter.

Prost gründete sein eigenes Team im Februar 1997. Allerdings blieb der erhoffte Erfolg bislang aus. Im Vorjahr belegte der Rennstall des 46 Jahre alten Franzosen in der Konstrukteurs-Wertung mit lediglich vier Punkten nur den neunten von elf Plätzen. Prost hatte seine Fahrer-Karriere 1993 nach dem Gewinn seines vierten WM-Titels mit Williams-Renault beendet. Mit 51 Siegen in 199 Rennen war er bis zum Vorjahr, als Michael Schumacher diese Bestmarke übertraf, der erfolgreichste Pilot.

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