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Formel-1-Skandal: Piquet Jr. erneut schwer belastet

Nelson Piquet Jr. hat mit seinen Aussagen einen der größten Formel-1-Skandale ausgelöst und sieht sich nun selbst schweren Vorwürfen ausgesetzt. Ein Nachfolger für den gefeuerten Renault-Sportchef Flavio Briatore steht unterdessen bereit. Außerdem bahnt sich ein spektakulärer Fahrerwechsel an.

Der frühere Renault-Chefingenieur Pat Symonds hat im Unfall-Skandal der Formel 1 dem früheren Piloten Nelson Piquet junior die Schuld zugeschoben. Der Brasilianer sei der erste gewesen, der die Idee zu einem fingierten Unfall gehabt habe, schrieb Symonds in einem Brief an den Automobil-Weltverband Fia.

Symonds: "Es scheint mir, dass in all den Erklärungen und Untersuchungen die ich gelesen habe, ein Punkt fehlt. Und das ist, dass die Idee zu dem Unfall komplett von Nelson Piquet junior stammt. Er war der Erste, der die Idee an mich herangetragen hat." Symonds hatte Renault ebenso wie Teamchef Flavio Briatore verlassen müssen, da die beiden als Drahtzieher des Unfall-Skandals beim Singapur-Grand-Prix 2008 gelten. Sie sollen Piquet junior zu dem Unfall aufgefordert haben, um dem Teamkollegen Fernando Alonso damit schließlich zum Sieg zu verhelfen. Während Briatore lebenslänglich gesperrt wurde, darf Symonds fünf Jahre nicht im Motorsport arbeiten.

Bob Bell übernimmt für Briatore

Unterdessen übernimmt der bisherige Technische Direktor Bob Bell die Nachfolge des auf Lebenszeit gesperrten Flavio Briatore bis zum Ende der Saison und wird Teamchef bei Renault. Das teilte der Formel-1-Rennstall am Mittwochabend mit. Der Brite wird bereits an diesem Wochenende in Singapur auf seinem neuen Posten tätig sein. Der bisherige Kommunikationsdirektor Jean-François Caubet übernimmt die Rolle des Geschäftsführers, die bislang ebenfalls von Briatore besetzt wurde. Zuletzt war über ein Engagement des viermaligen Weltmeisters Alain Prost als Renault-Teamchef spekuliert worden. Die interne Lösung könnte dem Team und dem 54 Jahre alten Franzosen mehr Zeit für eine Umstrukturierung geben, schrieb "Motorsport-Magazin.com" am Mittwoch.

Neben dem großen Skandal nimmt das Personalkarussel in der Formel 1 gegen Ende der Saison schon mächtig Fahrt auf. Vor allem Ferrari hält Ausschau nach einem neuen Fahrer. Die Entscheidung soll in wenigen Wochen fallen, doch Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat die Spekulationen um einen spektakulären Wechsel von Fernando Alonso zu den Roten schon jetzt weiter angeheizt. Während er sich auf Felipe Massa als einen der beiden Piloten des italienischen Formel-1-Teams für 2010 festlegte, wenn der Brasilianer aus gesundheitlicher Sicht wieder voll einsatzfähig ist, werde man daneben über die "beste Wahl nachdenken", sagte di Montezemolo am Mittwoch bei einer akademischen Feier in Florenz. "Wir werden in wenigen Wochen unsere Entscheidung fällen."

Das Ende für den "Iceman"?

Schon vor der noch laufenden Saison hatte es aus Maranello geheißen, man werde ein besonderes Auge auf Kimi Räikkönen werfen, immerhin Weltmeister mit der Scuderia im Jahr 2007. Doch der "Iceman" kann die Herzen der Tifosi seitdem nicht mehr so richtig erwärmen. "Montezemolo: Zukunft von Raikkönen ungewiss", titelte am Mittwoch bereits die Internetausgabe von "Tuttosport". Mehrmals wurde schon damit spekuliert, dass Räikkönen in den Rallye-Sport wechseln könnte. Nach dem schweren Unfall Massas Ende Juli hatte Ferrari Räikkönen sogar Grünes Licht für einen Einsatz bei dessen Heim-Rallye-WM gegeben.

Für einen Wechsel Alonsos von Renault zu Ferrari spricht einiges. Die meisten seiner Fahrerkollegen gehen ohnehin von dem Transfer des zweimaligen Champions aus, der nach einem Einjahres-Intermezzo bei McLaren-Mercedes wieder zu Renault zurückgekehrt war.

Mosley verurteilt Briatore auf das Schärfste

Vor rund zwei Wochen hatte di Montezemolo in Monza allerdings noch erklärt: "Seit zwei, drei Jahren gibt es diese Gerüchte. Kimi Räikkönen und Felipe Massa sind unsere Fahrer". Und nun? "Montezemolo öffnet Alonso noch mal die Türen zu Ferrari", titelte die Internetredaktion der spanischen Sportzeitung "Marca" am Mittwoch nach den jüngsten Aussagen des Ferrari-Bosses, der sich nicht zu Räikkönen bekannte.

Di Montezemolo legte sich vier Tage vor dem Großen Preis von Singapur nur noch auf Massa als einen der beiden Piloten fest. Der Brasilianer will im kommenden Jahr wieder fahren. Er war in der Qualifikation zum Großen Preis von Ungarn am 25. Juli schwer verunglückt. Nach zwei enttäuschenden Auftritten von Ersatzfahrer Luca Badoer verpflichtete Ferrari den Italiener Giancarlo Fisichella für den Rest der Saison.

FIA-Präsident Max Mosley hat unterdessen die Bewährungsstrafe gegen das Renault-Team verteidigt und den mutmaßlichen Drahtzieher Flavio Briatore aufs Schärfste verurteilt. "Renault wird bleiben. Briatore dagegen wird nicht mal mehr auf Besuch zur Formel 1 kommen dürfen", sagte der Chef des Internationalen Automobilverbandes in einem Interview edr "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "Warum bekam er "lebenslang"?", fragte Mosley mit Blick auf die Strafe für Briatore. "Ich glaube, wir mussten der Welt zeigen, dass jemand, der so etwas Schlimmes tut, keinen Platz mehr in der Formel 1 oder im internationalen Rennsport hat. Briatore war zu einhundert Prozent verantwortlich", meinte Mosley. Briatore hätte die Tat verhindern müssen.

DPA/SID/mak

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