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Formel-1-Rennen in Bahrain: Ecclestone erwägt Absage

In anderthalb Wochen wollen die Formel-1-Teams eigentlich ihren Tross nach Bahrain schicken. Die jüngsten Entwicklungen im Wüstenstaat bereiten allerdings Sorge.

Von Klaus Bellstedt

Seit Tagen kreisen die Gedanken von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nur um die eine Frage: Lass ich meine Jungs am 13. März zum Auftakt der neuen Formel-1-Saison beim Grand Prix von Bahrain an den Start gehen oder nicht? Der Wüstenstaat wird von Unruhen erschüttert. Fünf Menschen kamen dabei zu Tode, über 200 Demonstranten wurden verletzt. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. Soll man in einem Land, in dem sich die Bevölkerung nach dem Vorbild von Tunesien und Ägypten für Reformen stark macht und dafür niedergeknüppelt wird, wirklich Autorennen fahren? Ecclestone ist skeptisch.

"Wenn sich die Lage bis Mittwoch nicht beruhigt hat, werden wir das Rennen wahrscheinlich absagen müssen", sagte Ecclestone dem "Daily Telegraph". Die Antwort auf die Frage, ob der Grand Prix unter den derzeitigen Bedingungen im Land stattfinden könne, laute Nein. Der Formel-1-Chefvermarkter hat bereits mit Bahrains Kronprinzen Scheich Salam bin Hamad Al Chalifa über die Situation gesprochen, in den nächsten Tagen soll ein weiteres Treffen stattfinden. "Im Moment sollte man keine Reise planen", sagte er. "Wir werden unser Auge auf die Dinge haben und schnell eine Entscheidung treffen", so Ecclestone weiter. Nach weiteren Gesprächen mit den Teamchefs der Rennställe will der 80-Jährige nächste Woche endgültig entscheiden, ob die Saison in der Königsklasse wie geplant am 13. März in Bahrain starten kann.

Hinweise auf gezielte Aktionen

Formel-1-Legende Niki Lauda ist Bernie Ecclestone derweil zur Seite getreten. Der Ex-Weltmeister hat dem Formel-1-Start in Bahrain eine klare Absage erteilt. "Es geht in diesem Land um Demokratie", so Lauda in der "Bild". "Es wäre falsch, wenn plötzlich eine Sportveranstaltung in die Proteste hineinplatzt und eine Plattform bietet. Der Sport muss sich da raushalten." Unterstützung bekommt Lauda von Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der klarstellt: "Die Sicherheit unserer Mitarbeiter steht über allem." Zusammen mit dem Internationalen Automobilverband FIA, dem Formula One Management FOM und der Teamvereinigung FOTA würden alle Rennställe vor den geplanten Tests und dem Rennen "präzisere Erkundigungen einholen", kündige Haug gegenüber der DPA an. "Dazu werden die relevanten Behörden eingeschaltet werden."

Die Absage der beiden Rennen der Motorsport-Nachwuchsklasse GP2 an diesem Wochenende in Bahrain nähren die Zweifel am geplanten Saisonauftakt der Formel 1. Kurz nachdem das GP2-Training auf dem Bahrain International Circuit um einen Tag verschoben worden war, erfolgte die komplette Absage. Am Donnerstag waren die am Kurs stationierten Mediziner für Notfälle in die Krankenhäuser in Manama abberufen worden, teilte die Rennserie auf ihrer Homepage mit. Laut einem Bericht von "422race.com" hatten einige Fahrer per Unterschrift versucht, die Absage der beiden GP-2-Rennen zu erwirken. In den Unterkünften in Manama sollen Teammitglieder und Piloten die Schüsse auf den Straßen gehört haben. Es gibt wohl auch Hinweise darauf, dass gezielte Aktionen im Umfeld der Formel 1 geplant sind, zumal die Königsfamilie am Rennstall McLaren beteiligt ist.

Kein Ersatztermin

Falls nun auch das Formel-1-Rennen am 13. März ausfallen muss, wird es aller Voraussicht nach keine Ersatzveranstaltung zum selben Zeitpunkt geben. Die logistischen Probleme seien einfach zu groß, sagte Virgin-Teamchef John Booth und sprach damit im Namen aller Rennställe. "Ein Teil unserer Fracht für Bahrain wurde bereits vor einem Monat auf ein Schiff verladen. Ein Großteil davon ist unerlässlich, damit die Autos überhaupt fahren können." Sollte das Rennen in Bahrain nicht stattfinden, würde die Saison dann wohl erst am 27. März in Melbourne beginnen. Es scheint so, als komme in den nächsten Wochen viel Arbeit auf Bernie Ecclestone zu.

mit DPA

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