Formel 1 Toyota droht mit Rückzug


Die Auseinandersetzung in der Formel 1 um die Einsparmöglichkeiten wird heftiger: Jetzt hat Toyota angedroht, sein Engagement zu beenden, wenn der Einheitsmotor komme. Außerdem bangen die Rennställe wegen der Finanzkrise um Sponsoren.

Im Milliarden-Zirkus Formel 1 wird der Kampf um Einsparungen immer mehr zum entscheidenden Faktor für die Zukunft der Königsklasse. Eine Woche vor dem Saisonfinale in Brasilien mit dem Titel-Showdown zwischen Lewis Hamilton und Felipe Massa denkt Toyota inmitten des Streits um die Einführung eines kostensenkenden Einheitsmotors über einen Ausstieg aus der Formel 1 nach. Die Debatte um Sparmaßnahmen schwelt hinter den Kulissen weiter, zudem bangen die Rennställe wegen der weltweiten Finanzkrise um Sponsoren. "Alle Parteien müssen jetzt einsehen, dass wir die Formel 1 nur zeitgemäß aufstellen, wenn alle Parteien zusammenarbeiten", warnte Renault-Teamchef Flavio Briatore in der "Welt am Sonntag".

"Jedem ist klar geworden, dass die Formel 1 nur überleben kann, wenn alle überleben", sagte der Italiener. In dieser Saison hatte sich bereits das Super-Aguri-Team wegen finanzieller Probleme aus der Formel 1 zurückgezogen. Nach Informationen des Fachmagazins "auto, motor und sport" prüft nun auch der japanische Autobauer Toyota sein weiteres Engagement. Der Arbeitgeber des deutschen Piloten Timo Glock soll darüber nachdenken, das hohe Budget für die Formel 1 von 2011 an für eine Rückkehr in die Le-Mans-Serie zu verwenden. "Unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen ist es unwahrscheinlich, dass wir Formel 1 und Le Mans parallel machen. Es läuft auf ein Entweder-Oder hinaus", wurde Rennleiter Tadashi Yamashina zitiert.

Toyota kritisiert den Einheitsmotor scharf

"Wir würden gerne nach Le Mans gehen", sagte der Japaner weiter. Die endgültige Entscheidung hänge am Budget. Der in Köln-Marsdorf beheimatete Toyota-Rennstall, der 2002 in die Formel 1 eingestiegen war, gehörte jüngst zu den schärfsten Kritiker des von Automobil-Weltverbandschef Max Mosley und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone geforderten Einheitsmotors. "Wenn in der Formel 1 der Einheitsmotor kommt, dann steigen wir sicher aus", bekräftigte Yamashina. Auch andere Hersteller wie Mercedes und BMW hatten sich gegen einen standardisierten Antrieb ausgesprochen.

Briatore zufolge steht in diesem Streit aber eine Einigung bevor. Statt eines Einheitsmotors rechne er mit einem "Triebwerk, das unter dem Gesichtspunkt der Kosten über bestimmte Entwicklungsgrenzen nicht hinausgehen wird", erklärte Briatore. Beim Getriebe sei eine ähnliche Lösung zu erwarten. Den Privatteams solle die Technik "zu einem vernünftigen Preis" verkauft werden. Schon bei einem Treffen zwischen Mosley und Vertretern der Teamvereinigung Fota in der Vorwoche in Genf hatte sich abgezeichnet, dass andere Lösungen für Einsparungen in der sündhaft teuren Formel 1 gefunden werden könnten. So sollen Motoren von 2009 an drei statt zwei Rennen halten müssen.

"Endlich haben alle verstanden, dass wir etwas tun müssen", befand Williams-Geschäftsführer Adam Parr in einem Interview mit dem Internet-Fachportal "autosport.com". Zusätzliche Sorgen könnten der Formel 1 aus Sicht des Briten aber durch eine drohende weltweite Rezession entstehen. "Nur ein Idiot würde sich heutzutage bei irgendetwas sicher sein", meinte Parr.

Christian Hollmann und Jens Marx/DPA DPA

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