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Neue Karriere: Schumi II fährt für Mercedes

Für ein Cockpit bei den Siberpfeilen hatte es nie gereicht. Jetzt fährt Ralf Schumacher doch noch für Mercedes: in der DTM, in einem Gebrauchtwagen. Nach einer glücklosen Formel 1 Saison und seinem Rausschmiss bei Toyota, beginnt Schumi II eine neue Karriere. Und beweist dabei viel Mut.

Ralf Schumachers Umstieg ins Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) ist perfekt. Der ehemalige Formel-1- Rennfahrer aus Kerpen unterzeichnete bei Mercedes einen Einjahresvertrag mit gegenseitiger Option. "Das ist eine Herausforderung und wird nicht leicht", räumte der Bruder von Rekord- Weltmeister Michael Schumacher bei einer Telefonkonferenz ein. "Ich fange von Null an." Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug forderte, man müsse dem DTM-Neuling "eine gewisse Lehrzeit" zugestehen: "Wir machen keinen Druck, was die Ergebnisse anbelangt."

Ersatz für den zweifachen Weltmeister

Schumachers Wechsel in die populäre Rennserie hatte sich nach seinem Cockpit-Verlust in der Königsklasse und zwei erfolgreichen Tests im DTM-Silberpfeil schon seit Wochen abgezeichnet. Der Stuttgarter Konzern stand nach dem Ausstieg von Publikumsliebling Mika Häkkinen zudem unter einem gewissen Druck, ein neues Zugpferd bei der am 13. April in Hockenheim startenden Saison zu präsentieren. Der sechsmalige Grand-Prix-Gewinner Ralf Schumacher und seine schillernde Gattin Cora garantieren, Zuschauermagnete für die DTM zu werden.

Schumacher bestritt, dass sein Umstieg in die DTM und dort zudem in einen "Gebrauchtwagen" einem Abstieg gleichkomme: "Es wäre unfair, das so zu bezeichnen." Es handle sich um eine eigene Rennserie mit speziellen Anforderungen. "Es wird nicht funktionieren, dass ich als ehemaliger Formel-1-Fahrer jetzt sage: Ich zeig es euch allen", wies der 32-Jährige darauf hin, dass er eine gewisse Umgewöhnungsphase benötige. "Ich bin realistisch. Siege sind anfangs nicht drin", sagte er. "Ich muss mich auf den Hosenboden setzen und werde mich voll reinknien."

Haug rechnet mit hinterem Drittel

Mercedes setzt Schumacher bewusst in ein Vorjahresmodell, damit sich der "Lehrling" langsam an die DTM gewöhnen kann. "Trotz aller Formel-1-Erfahrung muss Ralf sich auf zweistellige Startplätze einstellen. Vielleicht landet er sogar im letzten Drittel", wies Haug auf die Leistungsdichte hin. "Im Rennen kann er dann von seiner Erfahrung profitieren."

Mercedes sieht die Verpflichtung als langfristiges Projekt an, sofern es wie erhofft läuft. Zugleich stellte Haug klar, dass mit der Unterschrift Schumacher die Rückkehr in die Formel 1 nicht verbaut sei. "Sollte es diese Möglichkeit geben, auch bei einem Konkurrenten, so lassen wir das zu", versicherte er. Derzeit spricht aber nichts für eine solche Chance. Toyota hatte Schumacher keinen neuen Vertrag angeboten; andere Teams hatten kein Interesse an dem als schwierig geltenden Piloten. So musste Schumacher nach elf Jahren notgedrungen seine Grand-Prix-Karriere 2007 beenden.

Kein Sonderstatus, kein Formel-1-Gehalt

Gegen den Rat seines Bruders Michael ("Ich glaube, wir haben nicht genügend Talent dafür. Das ist eine ganz andere Welt") entschied sich der sechseinhalb Jahre jüngere Schumacher für die Fortsetzung seiner Laufbahn in der DTM. "Das ist eine tolle Möglichkeit, Motorsport zu machen", sagte er.

Die gewaltigen finanziellen Einbußen schreckten den Multi-Millionär mangels lukrativer Alternativen nicht ab. Statt der geschätzten 13 Millionen Euro Jahresgehalt bei Toyota muss sich "Schumi II" nun mit rund einer Millionen begnügen. "Geld und Popularität á la Formel 1 spielen für mich nicht die erste Rolle", meinte er. "Ich will nur noch Sport, Spaß und Spannung." Haug erklärte: "Ralf fragte uns weder nach einem Formel-1-Bonus bei der Bezahlung noch nach einem Sonderstatus im Team."

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