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Prozess gegen Formel-1-Boss: Ecclestone-Anwalt will Bestechungsvorwurf aushebeln

Die Verteidigung von Bernie Ecclestone will die Bestechungsvorwürfe gegen den Formel-1-Boss entkräften. Die entscheidende Frage: War Ex-BayernLB-Manager Gribkowsky ein Staatsdiener oder Geschäftsmann?

Die Verteidiger von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone wollen den Vorwurf der Anklage in einem zentralen Punkt entkräften. Rechtsanwalt Sven Thomas äußerte am Freitag in einem Antrag vor dem Landgericht München erhebliche Zweifel daran, dass der Banker Gerhard Gribkowsky ein öffentlicher Amtsträger im Sinne des Strafgesetzes war. Davon geht die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage aus, da Gribkowsky Angestellter der bayerischen Landesbank war.

Thomas argumentierte aber, die Beteiligung der Landesbank an der Formel 1 falle kaum unter die Aufgaben einer öffentlichen Anstalt, deren Ziel das Gemeinwohl und der Aufbau und Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region sein müsse. Das gesamte Geschäft der Formel 1 sei aber in England gewesen.

"Diese Rennstrecken liegen bekanntlich nicht in Bayern." Für den Prozess ist die Frage von großer Relevanz, da das Strafgesetz für die Bestechung eines öffentlichen Amtsträgers bis zu zehn Jahren Haft vorsieht. Für die Bestechung im geschäftlichen Verkehr sind es bis zu fünf Jahre Haft, zudem ist der Vorwurf enger gefasst.

Zeugen nähren Zweifel an Ecclestone-Aussage

Unterdessen haben zwei Zeugen Zweifel an den Aussagen des Formel-1-Chefs genährt. Die beiden früher mit dem Fall befassten Staatsanwälte sagten am Freitag vor Gericht aus, Ecclestone habe kein plausibles Motiv für seine Zahlungen an den früheren BayernLB-Vorstand Gribkowsky genannt. Die Behauptung, er sei von Gribkowsky erpresst worden, habe Ecclestone in den Vernehmungen nicht belegen können.

"Es ist zu keiner Zeit wirklich greifbar gewesen, wie diese Drohung ausgesehen haben könnte", sagte der frühere Staatsanwalt Martin Bauer am zweiten Verhandlungstag des Prozesses. Ecclestone habe lediglich von dem Gefühl gesprochen, Gribkowsky könne ungemütlich werden. "Wir haben versucht das herauszuarbeiten, aber es ist uns nicht genauer gelungen", erklärte Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl. Beide Beamte haben den Fall an Kollegen abgegeben, weil sie mittlerweile auf andere Stellen gewechselt sind.

Hintergrund des Gerichtsverfahrens ist der Ausstieg der Bayerischen Landesbank aus der Rennserie vor acht Jahren. Ecclestone soll laut Staatsanwaltschaft Gribkowsky bestochen haben, damit dieser den Formel-1-Anteil dem von Ecclestone gewünschten Investor CVC zuschanzte. Unbestritten ist, dass Gribkowsky auf Betreiben des Sportmanagers 44 Millionen US-Dollar erhielt.

dho/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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