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Schumacher-Aus bei Mercedes Jetzt ist gut, Schumi!


Michael Schumacher bekommt keinen neuen Vertrag mehr bei Mercedes. Das muss nicht das Aus für ihn in der Formel 1 bedeuten. Aber es sollte. Ein Plädoyer für Schumis Weg in den Ruhestand.
Von Klaus Bellstedt

Das Aus von Michael Schumacher bei Mercedes, es kommt nicht überraschend. In Singapur, am vergangenen Sonntag, krachte der Rekordweltmeister kurz nach der ersten Safety-Car-Phase in den Toro Rosso von Jean-Eric Vergne. Es war ein peinlicher Unfall. Ein Fahrfehler, der eines siebenfachen Weltmeisters unwürdig war. Und er passierte aus der Sicht Schumachers zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Nämlich mitten hinein ins Theater um seine mögliche Ablösung bei Mercedes durch Lewis Hamilton. Der Crash von Singapur war für Schumacher bereits der dritte Vorfall dieser Art binnen eines Jahres. Der Ruf des Wiederholungstäters wurde dem 43-Jährigen bei Mercedes wohl auch zum Verhängnis. Singapur war der Anlass, die Gesamtperformance im dritten Jahr bei den Silberpfeilen seit dem Comeback 2010 ist aber die Ursache dafür, dass Schumacher keinen neuen Vertrag mehr beim deutschen Formel-1-Rennstall bekommt.

Nach drei Jahren Pause kehrte Schumacher 2010 in die Formel 1 zurück. Zuvor hatte der Kerpener zwischen 1991 und 2006 die Rekorde nur so purzeln lassen. Er war in dieser, seiner ersten Karriere, nur schwer zu stoppen. Er wurde sieben Mal Weltmeister, holte in 250 Rennen unglaubliche 91 Siege. Mercedes und Schumacher, nicht nur aus deutscher Sicht schien das die perfekte Verbindung für ein erfolgreiches Comeback in der Königsklasse des Rennsports. Aber daraus wurde nichts. Ein einziges Mal schaffte Schumacher in 52 Rennen einen Podiumsplatz, das war im Juni beim Grand Prix in Valencia als er Dritter wurde. Auch das laufende dritte Comeback-Jahr bei den Silberpfeilen steht unter keinem guten Stern. In Singapur, dem 14. Saisonrennen, kam er zum sechsten Mal in dieser Saison nicht ins Ziel. Von Erfolg war Schumachers Mercedes-Zeit, die nun am 25. November in Sao Paulo endet, nie geprägt.

Schumacher ist selber Schuld

Vor den Rennkommissaren gestand Schumacher nach seinem Unfall in Singapur Fehler ein. Er habe die Veränderung der Bremskraft seines Autos durch die vorangegangene Safety-Car-Phase unterschätzt, hieß in einer Mitteilung. Fehler sind Schumacher früher so gut wie nie unterlaufen. Deshalb war er bei der Konkurrenz auch so gefürchtet. Wie ein Roboter saß er im Cockpit und fuhr kalt bis ans Herz seine Siege ein – auch mal ohne Rücksicht auf das restliche Fahrerfeld. Schumacher war wegen seines Stils nie sehr beliebt in der Formel 1. Dem Rekordchampion war das immer egal. Dass Mercedes ihn jetzt nicht mehr haben will, weil er einfach zu schlecht ist, wird dem gnadenlosen Ehrgeizling Schumacher vermutlich nicht egal sein. Eher wird es ihn kränken.

Aber Schumacher ist auch ein bisschen selber schuld. Kurz nach seinem Rücktritt sagte er selbst einmal: "Die Formel 1 verändert sich ständig. Wenn du einmal raus bist, bist du raus." An diese Worte hat er sich bei seiner Rückkehr 2010 nicht erinnert. Denn die Formel 1 hat sich natürlich weiterentwickelt. Beinahe jedes Jahr gibt es neue Motoren, neue Regeln, neue Reifen - und jede Menge neue starke Konkurrenten. Schumacher, das ist die traurige Wahrheit, hat bei Mercedes den Anschluss verpasst. Und ihn auch nie wiedergefunden.

Rückkehr zu Ferrari? Bitte nicht!

Liegt es auch am Alter? Mit 43 fühlt man sich vielleicht noch wie Mitte 30. Aber wie lange kann man verhindern, daran zu denken, dass man in Wahrheit auf die 50 zugeht? Selbst wenn sich Schumacher physisch und mental fit wie eh und je fühlt, es reicht nicht mehr, das Limit der jüngeren Kollegen zu erreichen. Das haben die vergangenen drei Jahre bewiesen - und das sollte sich Schumacher bei seiner anstehenden Karriereplanung auch immer wieder ins Gedächtnis rufen. Das Aus bei Mercedes muss ja nicht zwingend das Aus für die Rennsport-Legende Michael Schumacher in der Formel 1 bedeuten. Es gibt sogar Fans, die auf seine Rückkehr zu Ferrari spekulieren. Aber das sind Hirngespinste. Die Scuderia hat ganz andere, jüngere Fahrer im Blickfeld. Für Schumacher ist am Ende der Saison die Zeit für den endgültigen Ruhestand gekommen. Sein Ruf steht auf dem Spiel.


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