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1. Bundesliga Bayern schlagen Köln in Unterzahl


Fünf Verteidiger hatte der 1. FC Köln in München auf dem Rasen. Und nach einem Platzverweis gegen Franck Ribéry waren die Gäste auch insgesamt in der Überzahl. Davon merkte man aber überhaupt nichts, denn Bayern gewann so souverän, als hätten die Kölner zu acht gespielt.

Als Franck Ribéry nach einer halben Stunde die Nerven verlor und dafür vom Platz gestellt wurde, stand es noch 0:0 zwischen Bayern München und dem 1. FC Köln. Doch in Unterzahl spielten die Münchner so souverän weiter wie zu elft.

Nachdem Mario Gomez die Bayern kurz nach der Pause in Führung gebracht hatte, gelang es den Gästen nicht, den Schalter auf Offensive umzulegen. Stattdessen kassierte die Elf von Stale Solbakken sogar noch zwei weitere Gegentore durch David Alaba und Toni Kroos und darf sich über den Endstand von 3:0 bei niemandem beschweren.

Der FC Bayern begann das Spiel mit der selben Startelf wie in Stuttgart. Stale Solbakken hingegen bot die Erkrankung seines Mittelfeldspielers Martin Lanig ein passendes Alibi, um mit Kevin McKenna einen weiteren Abwehrspieler aufzubieten. So lief der FC allen Ernstes mit einer Fünferkette à la Nordkorea auf.

Köln und Pyeongyang - Brüder im Geiste

Die Ambitionen der Kölner schienen sich, vielleicht vernünftigerweise, auf den Gewinn eines Punkts und die Fortsetzung ihrer ungeschlagenen Serie in der Münchner Arena zu beschränken. So durfte Bayern rund 75 Prozent Ballbesitz akkumulieren, ohne dass sich die Gäste zu eigenen Offensivaktionen durchringen konnten. Keeper Michael Rensing war in der ersten Spielhälfte der Kölner mit den meisten Ballkontakten. Mit Abstand.

Dabei interpretierte der FC seine realsozialistische Grundordnung durchaus linientreu, der zusätzliche Abwehrmann McKenna sorgte dafür, dass das Verschieben der Kette wesentlich unfallfreier abging als man das von Köln in dieser Saison in Auswärtsspielen schon gesehen hatte. Solbakkens in marineblau angetretenen Profis bildeten meist eine Wand, die so undurchdringlich schien wie die Haka-Formation der All Blacks, was nicht an mangelnder Münchner Initiative lag sondern schlicht und einfach an der Vielzahl der Kölner, mit denen der Trainer den Platz um den eigenen Strafraum geflutet hatte.

Stichwort Vielzahl: Nach einer guten halben Stunde änderte sich das Verhältnis noch mehr zu Ungunsten der Bayern, als Franck Ribéry eine Ampelkarte kassierte, die ihm eine Erwähnung in der Serie "Die dümmsten Verbrecher der Welt" einbringen könnte. Nach einem Luftkampf mit Henrique Sereno zu Boden gegangen, sprang der nicht einmal gefoulte Münchner, vielleicht von einer Bemerkung des Abwehrspielers provoziert, wie vom Geißbock gebissen auf und deutete einen Kopfstoß an.

Ribérys Bärendienst - für Köln?

Nach einem kurzen Gerangel zeigte der umsichtige Schiedsrichter Guido Winkmann beiden Kontrahenten Gelb, und damit hätten es alle Beteiligten bewenden lassen können. Nicht jedoch Ribéry, der, von McKenna nicht zu beruhigen, erneut auf Sereno losging und ihn an den Hals fasste. Man hat in Edgar-Wallace-Filmen schon schlimmere Würgemale gesehen, aber direkt nach der Verwarnung ließ Ribéry dem Unparteiischen keine andere Wahl als den Feldverweis.

Der war nicht unbedingt das Beste, was dem FC passieren konnte, denn zuvor hatte die Nordkorea-Taktik (wer die Mittellinie überquert, wird erschossen) eigentlich gut funktioniert. Bayern war so ermattet gewesen, dass selbst Präsident Uli Hoeneß auf der Tribüne gähnte. Sogar dem Spielball war nach einem Freistoß von Daniel van Buyten die Luft ausgegangen.

Da Köln aber seine 5-4-1-Formation nicht öffnete, konnten die Bayern mit neuem Schwung aus der Kabine kommen, drohten sie doch nie, bei gegnerischem Ballbesitz in Unterzahlsituationen zu geraten. Kurz nach Wiederanpfiff hatte Thomas Müller dank einer Flanke von Toni Kroos die Kopfballchance zur Führung, und in der 48. Minute stand es dann verdientermaßen 1:0. Geromels Fehlpass wurde von Anatoliy Tymoschchuk schnell genutzt mit einem Pass auf Müller, der schneller als Ammar Jemal war und Mario Gomez einsetzte. Der hatte keine Mühe damit, sein 16. Saisontor in der Bundesliga zu erzielen.

Alaba kam, sah und spielte

Im direkten Anschluss nahm Jupp Heynckes, der nun den taktischen Vorteil hatte, Müller herunter und brachte mit David Alaba eine vermeintlich defensivere Absicherung. Der Österreicher dachte aber gar nicht daran, nur zu verteidigen, und Kölns linke Seite zwang ihn auch nicht dazu. So konnte Alaba sich immer wieder mit großer Spielfreude in die Kombinationen einschalten - was neben einer guten Vorbereitung auch zum 2:0 in der 63. Minute führte.

Nach einer von Lahm kurz ausgeführten Ecke flankte Kroos von links, und Alaba konnte aus kurzer Distanz zur Entscheidung vollstrecken. Denn dass das 2:0 die Entscheidung war, davon waren die meisten der 69.000 Stadionbesucher überzeugt. Zu Recht. Zwei Minuten vor dem Ende legte der umtriebige Alaba noch für Kroos auf, der sogar zum 3:0 traf.

Nach sechs Sekunden Nachspielzeit pfiff Winkmann wenig später ab. Haben wir ihnen zahlreiche Chancen der in Überzahl wie ein Löwe kämpfenden Geißböcke fieserweise vorenthalten? Nein. Köln ging nicht mit fliegenden Fahnen unter, sondern mit stehenden Mauerbestandteilen. Wenn es geklappt hätte, legitim. So aber letztlich eine Niederlage nicht nur für den FC, sondern auch für Solbakkens taktisches Konzept.

Daniel Raecke

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