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1. Bundesliga: Bundesliga-Check - VfB Stuttgart

Der Kapitän streicht die Segel, dem Vizekapitän wird das Misstrauen ausgesprochen und dennoch spricht man beim VfB Stuttgart von ruhigen Gewässern, in denen man segelt. Wir haben uns die Situation um Neu-Kapitän Serdar Tasci, den abgewatschten Cacau und einen Neuzugang mit viel Potenzial angeschaut.

Der VfB hat eine wechselhafte Hinrunde hinter sich. Aus den letzten acht Bundesliga-Spielen vor der Winterpause holten die Schwaben nur einen Sieg. Trainer Bruno Labbadia ist dennoch zufrieden. "Deswegen wird mir nicht angst und bange. Wir haben immerhin die beste Vorrunde seit vier Jahren gespielt. Unser absolutes Ziel bleibt, eine stabile Saison zu spielen.“ Ob dem VfB eine stabile Saison, oder ein Rückrundendesaster bevorsteht, beantworten wir in unserem Check.

Falschester Satz aus dem Sommer-Check

"Die Achillesferse ist und bleibt allerdings die Abwehr“, schrieben wir im August des letzten Jahres. Doch nach der anfänglichen Verletzungsflut im Abwehrbereich entwickelte sich die Abwehr des VfB zu einem kompakten Verbund. Mit nur 20 Gegentoren stellt der VfB die fünftbeste Defensive der Liga. Drei Punkte verdienen dabei Erwähnung. Die Leistungssteigerung von Torwart Sven Ulreich ist ein Gewinn für die Defensive des VfB. Eine weitere erfreuliche Personalie ist Neueinkauf Francisco Maza, der eine beachtliche Debütsaison abliefert.

Der Mexikaner hat sich in Abwesenheit der verletzten Georg Niedermeier und Matthieu Delpierre als verlässlicher Partner von Serdar Tasci in der Innenverteidigung gezeigt. Noch wichtiger scheint aber das Gesamtverhalten des Stuttgarter Defensivverbundes zu sein. Auch der extrem zweikampf- und laufstarke William Kvist war eine sinnvolle Verstärkung und sorgt im defensiven Mittelfeld dafür, dass der VfB dem Gegner wenig Räume bietet.

Größte Enttäuschung

Für viel Unruhe sorgte Cacau. Der deutsche Nationalspieler war im letzten Jahr zum Vizekapitän gewählt worden. Nachdem sich Kapitän Delpierre verletzte, wurde Cacau dauerhaft zum Mann mit der Binde. Doch der Stürmer präsentierte sich oft eigensinnig auf dem Platz und ging seinen Mitspielern zudem durch sein Gemecker und ständige abfällige Gesten auf die Nerven. Wenn ein Spieler sich so verhält und dazu in ein Leistungsloch fällt, fehlen ihm die Argumente. Nur vier Tore gelangen Cacau, dazu ein mäßiger sportal.de-Notenschnitt von 3,8.

Die Konsequenzen erwarteten Cacau im Wintertrainingslager in Belek. Bei der Wahl des neuen Mannschaftsrats wurden Serdar Tasci, Christian Gentner, Georg Niedermeier und Matthieu Delpierre bestätigt, für Cacau gingen nicht genug Stimmen ein. Sogar Martin Harnik, der Cacau zuletzt Eigensinnigkeit vorgeworfen hatte, bekam mehr Stimmen. Cacau nach dem Misstrauensvotum in einer Stellungnahme auf der Homepage: "Ich bin natürlich schon etwas enttäuscht, dass ich nicht mehr in den Mannschaftsrat gewählt wurde, aber nichtsdestotrotz werde ich auch in Zukunft auf und neben dem Platz Verantwortung übernehmen."

Trainers Bruno Labbadia sprang für seinen Stürmer in die Bresche. "Cacau ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, auch ohne ein Amt", so der Trainer. "Nun kann er sich wieder mehr auf sich und seine Leistung konzentrieren. Ich bin mir sicher, dass er eine gute Rückrunde spielen und dann im Sommer zur EM fahren wird. " Labbadia bestimmte Tasci zum neuen Kapitän, da sich Delpierre zunächst voll auf seine eigene Leistung und den Kampf um einen Stammplatz konzentrieren will.

Hoffnungsträger

Der Wechsel des japanischen Verteidigers Gotoku Sakai zum VfB Stuttgart wurde bereits vor Weihnachten bekannt. Der 20 Jahre alte linke Außenverteidiger ist zunächst ausgeliehen, der VfB besitzt aber eine Kaufoption für ihn. "Man hat gesehen, welche Dynamik er hat. Dazu kommt sein unheimlich gutes Passspiel mit dem linken wie rechten Fuß", lobte Coach Labbadia den 20-jährigen Juniorennationalspieler. Ein weiterer Hoffnungsträger ist schon länger vor Ort - Julian Schieber.

Der Stürmer war zu Saisonbeginn verletzt, brauchte lange, um wieder in die Spur zu finden. Im Training, sagt er, "habe ich eigentlich ein tolles Gefühl". Jedoch: "Ich bin ein Spieler, der von der Dynamik lebt. Die muss ich mir erst wieder erarbeiten", so der 22-Jährige laut Stuttgarter Zeitung. Allerdings arbeitet der VfB Stuttgart an einer Verpfllichtung von Srdjan Lakic, was Schiebers Chancen auf Spielpraxis nicht verbessern würde. Keine Hoffnung verbindet man in Stuttgart mit Pavel Progrebnyak, dessen Vertrag im Sommer ausläuft und nicht verlängert wird. 

Prognose

Im Sommer schrieben wir: "So wird dem VfB ein Jahr der Konsolidierung im gesicherten Bundesliga-Mittelfeld nicht erspart bleiben. Die Schwaben landen am Ende auf Platz 8.“ Auf genau diesem Platz stehen sie derzeit. Ein eventuell neuer Stürmer und der endlich genesene Julian Schieber werden die Variationsmöglichkeiten im Angriff erhöhen. Ob Neuzugang Gotoku Sakai die Probleme auf links lösen wird, muss man abwarten. Für die ebenfalls nicht optimal besetzte rechte Abwehrseite soll Timothy Chandler in der nächsten Saison geholt werden. Viele Planungen sind beim VfB mittelfristig angedacht. Bis dahin gilt, Platz acht bleibt ein realistisches Ziel.

Michel Massing 

sportal.de / sportal

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