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Argentinien-Trainer Maradona: Maradona mia!

Diego Armando Maradona war der wohl beste Fußballer der Welt. Aber er ist ein bemitleidenswerter Mensch. Die Berufung zum Nationaltrainer Argentiniens nützt nur seinem Ego - nicht aber der südamerikanischen Fußballnation.

Ein Kommentar von Axel Kintzinger

Europas Fußball kennt Kaiser (Franz Beckenbauer) oder Könige (Johan Cruyff), Argentinien aber verfügt über einen Heiligen: Diego Armando Maradona. Am Donnerstag wird er 48 Jahre alt, aber wer die Höhepunkte und Abstürze seiner Karriere betrachtet, kann auf die Idee kommen, sie reichten für mehrere Leben.

Der Kicker Maradona war ein Künstler und Könner, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Klein gewachsen und stets ein wenig pummelig, wurde er zum Größten seiner Zunft. In Italien, wo er in den 80er Jahren beim SSC Neapel zauberte und diesen Klub in ungeahnte Höhen führte, benennen sie noch heute Weinsorten nach ihm. Früher, als er noch spielte, tauften sie ihre Söhne auf seinen Namen.

Das ist aber noch nichts gegen Argentinien. Wann immer es Maradona schlecht geht - und dem Mann ging es in den vergangenen Jahren ziemlich oft sehr schlecht - unterbrechen die Fernseh- und Hörfunkkanäle des Landes ihre Programme, ist auf den Titelseiten der Zeitungen kein Platz mehr für andere Themen. Jahrelanger Drogenmissbrauch, Fettsucht, eine peinliche Fernsehshow und die noch peinlichere Nähe zu Venezuelas Präsidenten Hugo Chavez oder Kubas Langzeitdiktator Fidel Castro - nichts hat die Verehrung mindern können, die sie ihm in Argentinien entgegenbringen.

Das könnte sich demnächst ändern, und der Grund dafür ist ausgerechnet der Fußball. Also das, wovon Maradona mehr versteht als von allem anderen, mit dem er nach seiner Karriere in Berührung gekommen ist. Denn als Nationaltrainer wird auch Maradona an Ergebnissen gemessen werden - und der Weg der argentinischen Auswahl zur WM 2010 gestaltet sich schon jetzt recht schwierig. Sollte Maradona in der Qualifikation scheitern oder seine Mannschaft das Turnier in Südafrika früh verlassen, kann der Mann ins Exil gehen.

Keine Ahnung von modernem Training

Diego Armando Maradona: Seine Sicht auf den Fußball ist die eines FansDenn als Trainer bringt er keine Erfahrung mit. Das traf zwar auch auf Jürgen Klinsmann zu, der als Trainernovize eine limitierte deutsche Mannschaft bis ins Halbfinale der WM 2006 führte. Aber Klinsmann ist ein anderer Typ. Er ist lernbegierig und saugte in der Zeit nach seiner aktiven Karriere alles auf, was es weltweit an Neuem gab in Trainingslehre und taktischer Entwicklung. Maradonas Sicht auf den Fußball aber ist die eines Fans. Moderne Trainingsmethoden, zeitgemäße Personalführung - zu all dem war von ihm noch nie etwas zu hören. Der kleine Argentinier war außer auf dem Fußballplatz noch nie ein großes Licht, sein Heiligenschein verhinderte den Blick auf neue Erkenntnisse.

In Argentiniens Nationalmannschaft gilt ab jetzt: Der Star ist der Trainer. Das ist noch keinem Team gut bekommen. Vor allem dann nicht, wenn der Coach keine Ahnung hat. Von dieser Personalie profitiert nur der angeschlagene Verbandspräsident Julio Grondona. Er hat einen Heiligen verpflichtet - mehr geht sicher nicht, oder? Wenn das Projekt scheitert, wird es Maradona wieder sehr schlecht gehen. Auf Mitleid braucht er dann aber nicht mehr zu hoffen.

FTD

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