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Australian Open: "Kohlis" Fight bleibt unbelohnt

Philipp Kohlschreiber lieferte dem Weltranglisten-Zweiten Rafael Nadal einen grandiosen Fight - und schied bei den Australian Open doch aus. Auch für einen anderen Deutschen war in der dritten Runde nach einer tollen Vorstellung Schluss.

Philipp Kohlschreiber muss bei den Australian Open die Koffer packen. Trotz einer couragierten und starken Leistung in der dritten Runde scheiterte "Kohli" an Titelverteidiger Rafael Nadal. Der Tennisprofi aus Augsburg unterlag dem Spanier vor 15.000 begeisterten Zuschauern in der Rod Laver Arena mit 4:6, 2:6, 6:2, 5:7. Nach genau 3:30 Stunden nutzte Nadal seinen ersten Matchball zum Sieg. Kohlschreiber musste damit erneut die Überlegenheit des Weltranglistenzweiten anerkennen. Schon vor drei Jahren lieferten sich beide Spieler an gleicher Stelle ein ähnlich hochklassiges Duell, das ebenfalls der Mallorquiner für sich entschied.

"Es waren viele gute Ansätze da. Aber am Ende hat er seine Klasse gezeigt und gar keine Fehler mehr gemacht", sagte Kohlschreiber, der in Melbourne zweimal in der Runde der besten 16 stand. Er selbst leistete sich 58 Fehler und damit 20 mehr als sein Gegenüber und gab nach dem 3:30 langen Match zu: "Das ist natürlich zu viel. Da muss man nicht drumrumreden." Dabei brachte der Weltranglisten-26. auch den dritten Linkshänder nacheinander mit konzentriertem Spiel an den Rand der Verzweiflung. Nadal musste alle Register ziehen.

Der 26-jährige kämpfte nicht nur, sondern präsentierte dem Mallorquiner immer wieder die richtige Antwort auf dessen kraftvolle Schläge. Wie knapp die Partie war, verdeutlichte der letzte Satz, in dem Kohlschreiber zum 4:4 ein Rebreak gelang. Davis-Cup-Sieger Nadal zeigte Wirkung, aber nur kurz. Dann nahm er seinem Kontrahenten erneut den Aufschlag ab und brachte den fünften Sieg im fünften Vergleich sicher nach Hause. "Es hat trotzdem Spaß gemacht. Und es macht Mut, wenn man auch solchen Spielern Paroli bieten kann", sagte Kohlschreiber und ärgerte sich über die verpassten Chancen.

Mayer verliert gegen del Potro

Vor Kohlschreiber war bereits Florian Mayer ausgeschieden. Auch der Bayreuther zeigte bei seiner 3:6, 6:0, 4:6, 5:7-Niederlage gegen den argentinischen US-Open-Sieger Juan Martin Del Potro eine ganz starke Leistung. Der 26-Jährige wird sich nach seinem Erfolg in Melbourne in der neuen Weltrangliste wieder den Top 50 nähern. Damit ist beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres von den deutschen Männern nur noch Tommy Haas im Feld. Der 31-Jährige tritt am Samstag um 19.00 Uhr (9.00 Uhr MEZ) gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga an.

"Ich bin noch völlig durcheinander", sagte Mayer nach seiner prächtigen Vorstellung, der nur der krönende Abschluss gefehlt hatte. "Einerseits bin ich sehr stolz auf meine Leistung, andererseits aber auch enttäuscht, weil ich die große Chance nicht genutzt habe." Es war mehr drin für den 26-Jährigen, der nach seinem Durchhänger vor zwei Jahren endlich auf dem Weg ist, ein kompletter Tennisprofi zu sein. Vor allem im zweiten Satz spielte er überragend, meinte später aber bescheiden: "Das hat del Potro ganz geschickt gemacht. Er hat den Satz laufen lassen und so getan, als habe er Armschmerzen."

Diese Attitüden seien es, die ihm die besten der Zunft voraus haben. "Er konzentriert sich auf die wichtigen Punkte und lässt die anderen einfach weg", meinte der Weltranglisten-60.,der sich im vorigen Jahr um 283 Plätze verbessert hatte. "In der Kabine haben mich viele beglückwünscht und gesagt, dass ich nun endgültig zurück bin." Das Tingeln auf der Challenger-Tour ist vorbei. "Jetzt mache ich zwei Wochen Pause und spiele dann in Rotterdam und Memphis."

Überraschung bei den Damen


Eine Riesenüberraschung gab es bei den Damen. Kim Clijsters, die US- Open-Siegerin aus Belgien, ging gegen die Russin Nadia Petrova in der dritten Runde unter und schied mit einer 0:6, 1:6-Packung aus. "Ich war komplett von der Rolle", sagte die ratlose 26-Jährige. Die Revanche mit Justine Henin für das verlorene Melbourne-Finale 2004 ist geplatzt. Die 27-jährige Henin, die zu Beginn des Jahres ihre Karriere nach 20-monatiger Pause fortgesetzt hat, bezwang die Russin Alisa Kleybanowa 3:6, 6:4, 6:2 und zog ins Achtelfinale ein.

DPA/SID/feh

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