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Niederlage gegen Teenie-Jungs Die merkwürdige Häme gegen Australiens Frauenteam

Enttäuschte australische Nationalspielerin: Nach einer Niederlage gegen ein Team männlicher Jugendlicher geht's mal wieder um die Grundsatzfrage. (Symbolbild)
Enttäuschte australische Nationalspielerin: Nach einer Niederlage gegen ein Team männlicher Jugendlicher geht's mal wieder um die Grundsatzfrage. (Symbolbild)
© Sebastian Widmann/DDPimages
Die Frauenfußball-Nationalelf Australiens verliert ein unbedeutendes Trainingsspiel gegen eine Auswahl männlicher Jugendlicher. Nicht mehr als eine Randnotiz. Trotzdem wird gleich wieder die Grundsatzfrage gestellt, ob Frauenfußball Sinn macht. Geht's noch?

Wie lange noch? Wie lange soll ich mich noch wundern, dass Frauen Fußball spielen? Dass der weibliche Teil der Menschheit ebenfalls den beliebtesten Sport der Welt betreibt? Und vor allem: Warum soll ich glauben, dass Frauen nicht für dieses Spiel geeignet sind?

Die Ursprünge des Frauenfußballs reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Nach der Vereinheitlichung der Spielregeln spielten Mädchen an englischen Schulen Fußball. Das war Anfang der 1860er-Jahre. 1894 folgte das erste britische Frauen-Fußballteam. Seither hat sich viel getan. Längst gibt es nationale Ligen, eine Champions League, Welt- und Kontinentalmeisterschaften werden ausgespielt, die Strukturen wurden professionalisiert. Und doch reicht nach all dieser Zeit eine hohe Niederlage der australischen Frauen-Nationalelf in einem unbedeutenden Testspiel gegen eine Truppe männlicher Jugendlicher immer noch aus, um am anderen Ende der Welt in den sozialen Medien Häme auszulösen und Frauenfußball grundsätzlich infrage zu stellen.

Frauenfußball: Physische Voraussetzungen fehlen?

"Frauen fehlt es einfach an den physischen Voraussetzungen für diesen Sport", kommentiert beispielsweise ein User auf der Facebook-Seite des stern die Meldung aus dem fernen Australien. Wie er darauf kommt? Schwer zu sagen. Es wird beinahe täglich widerlegt. 22 durchtrainierte Frauen, zwei Tore, ein Ball - das funktioniert. Selbstverständlich. Sind Fußballspielerinnen weniger athletisch als ihre männlichen Kollegen? Bestimmt. Um Athletik zu trainieren, treten sie ja gegen Männerteams an. Ist ihr Spiel weniger dynamisch? Wahrscheinlich. Ist es langweilig? Ansichtssache. Sollten Frauen deswegen aufhören, Fußball zu spielen? Natürlich nicht.

Bleibt die Frage: Warum bringen ausgerechnet Fußball spielende Frauen viele Fans derart gegen sich auf? Gibt es ähnlich vehemente Streitereien um Frauen-Handball, Frauen-Hockey, Frauen-Volleyball, Frauen-Tennis, Frauen-Eishockey etc.? Eher nicht, auf keinen Fall in dieser Vehemenz. Warum auch? Natürlich bleibt es jedem unbenommen, seine Meinung zu äußeren. Natürlich auch zu diesem Thema. Doch das einzig wirklich Merkwürdige am Frauenfußball ist diese sinn- und nutzlose Grundsatz-Diskussion.


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