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Karriere und Druck: Wenn Ehrgeiz krank macht: Ex-Schiedsrichter Babak Rafati über die Ursachen seiner Depressionen

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati hat sich in dem sozialen Netzwerk Xing zu seinen schweren Depressionen geäußert. Er sagt, dass er selbst verantwortlich gewesen sei - und spricht ein grundsätzliches Problem an.

Babak Rafati sagt, dass er selbst verantwortlich für seine Depressionen war

Babak Rafati sagt, dass er selbst verantwortlich für seine Depressionen war

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Der 19. November 2011 war ein Samstag, ein ganz normaler Bundesliga-Spieltag stand an. Babak Rafati sollte die Partie zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05 pfeifen, aber er erschien nicht im Stadion. Seine Assistenten eilten in das Hotel und fanden ihren Kollegen in seinem Zimmer: Er hatte einen Selbstmordversuch unternommen, die Hilfe kam gerade noch rechtzeitig und Rafati überlebte.

Rafati hatte es bis zum Fifa-Schiedsrichter geschafft, der sich Woche für Woche vor Zehntausenden Zuschauern beweisen musste und am Ende für seine sich häufenden Fehler hart kritisiert wurde. Der Suizidversuch war ein Wendepunkt in seinem Leben. Er bekannte sich zu seiner Krankheit und machte eine Therapie. Seitdem versucht der 48-Jährige in Vorträgen und als Mentaltrainer aufzuklären, wie sich Depressionen, die durch Stress im Beruf entstehen, vermeiden lassen.

Ehrgeiz und ein falsches Selbstbild machten ihn krank

Auslöser für die schwere Krise waren Depressionen, die wiederrum durch den Stress und Leistungsdruck ausgelöst wurden, schreibt Rafati in einem Beitrag für das Karrierenetzwerk Xing. Er beschreibt, dass ihn der Leistungsdruck krank gemacht habe. Auch seine Vorgesetzten hätten ihren Anteil daran gehabt: "Der Fußball hatte damit nichts zu tun. Aber die Attitüde meiner Vorgesetzten. (…) Meine Vorgesetzten kritisierten mich oft vor versammelter Mannschaft. Sie machten mich klein."

Das Problem, sagt Rafati, seien aber strenggenommen nicht die Vorgesetzten und ihr Verhalten, sondern der eigene Ehrgeiz und das Selbstbild. Ist man ehrgeizig und zieht seinen Selbstwert nur aus den Erfolgen im Beruf, wird es schwierig, sobald der Erfolg ausbleibt. Das war bei Rafati der Fall. Er machte Fehler und wurde dafür hart kritisiert: "Meine Erwartungen an mich selbst und die damit einhergehenden Existenzängste waren immens. (…) Schließlich hielt ich dem Druck nicht mehr stand. Ich wurde depressiv. Er habe sich selbst "klein" gemacht. Wäre er nicht so abhängig vom Erfolg gewesen, "hätten andere ihn auch nicht so verletzen können", schreibt Rafati in aller Offenheit. Er sagt aber auch, dass er damals für keinen Rat zugänglich gewesen wäre. Seine Depressionen waren unvermeidlich.

Babak Rafati: Man muss sich selbst besser verstehen

Für Menschen mit derartigen Problemen im Beruf hat er deshalb einen Ratschlag: Man müsse sich "selbst, die Zusammenhänge, die Motive, die Ursachen und auch die Menschen um uns herum besser" verstehen, so "lassen wir uns nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen". Zu oft würden wir stattdessen eine "schlechte Führung unserer Chefs an den Pranger" stellen. Sinnvoll sei es zudem, Strategien im Umgang mit Stress im Beruf zu erlernen.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Dieter Bohlen und Daniel Küblböck 2003 auf einer Pressekonferenz. 

tis
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