VG-Wort Pixel

Diskussion um Schiedsrichter "Wie ein Maikäfer" – Ex-Referee Babak Rafati nimmt Bayern-Star aufs Korn

Babak Rafati verwarnt Kai Bülow vom TSV 1860 München mit einer Gelben Karte
Im November 2011 pfiff Babak Rafati seine letzte Bundesliga-Partie. Nach einem Suizidversuch zog er sich zurück und arbeitet heute als Mentaltrainer.
© Eibner-Pressefoto / Picture Alliance
Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati hat in einem Podcast Bayern-Star Joshua Kimmich mit einem Maikäfer verglichen. Zudem warf er dem DFB vor, seine Referees zu vernachlässigen.

Am Rande der aktuellen Diskussion um Gewalt gegenüber Fußball-Referees hat Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati den Deutschen Fußball-Bund (DFB) angegriffen. Im Podcast "kicker meets DAZN" gab er dem Dachverband eine Mitschuld daran, dass seine früheren Kollegen in Deutschland einen derart schlechten Ruf haben. "Wir dürfen bloß keine Fehler machen", so der 49-Jährige. Das ändere die Haltung zur ganzen Sache und gehe zu Lasten von Großzügigkeit und Toleranz. Schuld daran ist seiner Meinung nach auch der DFB.  Der Schiedsrichterbereich werde wahnsinnig vernachlässigt. "Es gibt dort Null Komma null Persönlichkeitsentwicklung", beklagt Rafati in dem mehr als einstündigen Gespräch.

Rafati: "Wir Schiedsrichter sind wie eine Sekte"

"Wir müssen mit unseren Fehlern an die Öffentlichkeit", findet Rafati und vergleicht die Schiedsrichter in Deutschland mit einer Sekte, die "bloß nichts nach außen geben will". Zudem stößt dem 2011 zurückgetretenen Unparteiischen die kleinliche Spielleitung im deutschen Profifußball auf. "Wir pfeifen jeden Mist weg und wundern uns dann, wenn diese Zweikämpfe international nicht abgepfiffen werden."

Das wirkt sich – so sieht es zumindest Rafati – in der Champions- oder Europa-League auch auf die Spieler der Fußball-Bundesliga aus. Joshua Kimmich zum Beispiel falle ganz oft in internationalen Spielen, kriegt den Freistoß nicht und muss dann wie ein Maikäfer hinterherlaufen. Rafati ist davon überzeugt, dass daran auch die kleinliche Linie der Bundesliga-Schiris Schuld ist. Via Twitter lobten User die Aussagen und Einblicke Rafatis in sein früheres Leben. "Wer wissen will, was bei den deutschen Schiedsrichtern in den Profi-Ligen falsch läuft, sollte bitte den aktuellen #KMDPodcast mit Babak Rafati hören. Sehr informativ", schreibt ein User. Ein anderer ergänzt mit einem Augenzwinkern: "Respekt! Er sollte mal seine aktiven Kollegen schulen."

Rafati litt unter Depressionen

Rafati ist gelernter Bankkaufmann – arbeitet inzwischen aber als Mentaltrainer und hält Vorträge zu Präventionsstrategien bei Burnout und Mobbing. In den Fokus der Öffentlichkeit geriet der Niedersachse mit persischen Wurzeln vor etwa acht Jahren. Am 19. November sollte er die Bundesliga-Partie zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 leiten. Er erschien jedoch nicht im Stadion. Seine Assistenten fanden ihn wenig später in seinem Hotelzimmer. Dort soll er versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Rafati litt, das wurde später bekannt, unter Depressionen und begab sich danach in medizinische Behandlung. Im Mai 2012 trat er als Schiedsrichter zurück. 2014 und 2015 kehrte er für die Abschiedsspiele von Ailton und Dede noch einmal auf den Rasen zurück.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen ist auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention abrufbar.

Quelle:Twitter, "Kicker"

js

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker