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Ehemaliger Bundesliga-Schiri: Babak Rafati: "Es gibt in jeder Mannschaft drei bis vier schwule Spieler"

Sechs Jahre lang war Babak Rafati Bundesliga-Schiedsrichter. Er sagt, dass es in jeder Mannschaft mehrere homosexuelle Spieler gibt - und glaubt, dass sich die großen Stars gemeinsam outen müssten.

Babak Rafati

Babak Rafati war von 2005 bis 2011 Bundesliga-Schiedsrichter

Babak Rafati weiß, wie groß der Druck im Profifußball werden kann. In einem Interview mit der Schweizer Zeitung "Blick" hat der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter über seinen Suizidversuch im Jahr 2011 gesprochen. Er beschreibt darin eindrücklich, welche Versagensängste ihn plagten, wie groß das Tabu Depressionen im Fußball noch immer ist. Und er spricht auch über ein anderes Tabu-Thema, mit dem bisher kein aktiver Spieler an die Öffentlichkeit gegangen ist: Homosexualität.

Rafati ist heute Autor, hält Vorträge über Druck- und Stressmanagement und berät als Mental Trainer auch Bundesliga-Profis. In dem Interview wird er gefragt, ob er schwule Fußballer kenne. Ja, sagt Rafati, er kenne schwule Fußballer und Schiedsrichter in der Bundesliga. "Es gibt in jeder Mannschaft drei bis vier Spieler. Und viele müssen sich mit einer Frau hinsetzen, Küsschen hier, Küsschen da – dabei haben sie gar keine Lust auf die Dame." Er glaubt, dass große Stars mit dem DFB vorangehen müssten. "Wenn sich zwei pro Verein und drei aus der Nationalmannschaft hinstellen würden zusammen an einer Pressekonferenz, dann käme man mit Wucht. Ich als einzelner kann nicht viel bewirken."

Suizidversuch vor Köln-Spiel

In den Jahren zwischen 2005 und 2011 hatte Rafati zahlreiche Bundesligapartien geleitet. Am 19. November 2011 versuchte er in einem Kölner Hotel, sich das Leben zu nehmen. Als er mittags nicht zu einer Besprechung mit seinen Assistenten auftauchte, suchten ihn diese und fanden ihn mit aufgeschnittenen Pulsadern vor. Rafati hätte an dem Tag eigentlich das Spiel 1. FC Köln gegen Mainz 05 pfeifen sollen. Die Partie wurde abgesagt, die Zuschauer, die schon im Stadion waren, wurden nach Hause geschickt.

Rafati hatte dem stern gegenüber später große Vorwürfe gegen seine ehemaligen Vorgesetzten beim DFB erhoben, vor allem gegen Schiedsrichterchef Herbert Fandel. Er habe nur "Kälte" und "Unerbittlichkeit"  durch diesen erlebt, so der ehemalige Schiri. Nach seinem Suizidversuch pfiff Rafati nie wieder ein Bundesligaspiel. Im Jahr 2012 heiratete er seine langjährige Freundin Rouja, die ihm während seiner Erkrankung beistand.

car
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