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Nach Suizidversuch des Schiris: Schweinsteiger schrieb bewegenden Brief an Babak Rafati

Im November 2011 wurde das Bundesliga-Spiel Köln gegen Mainz abgesagt, weil Schiedsrichter Babak Rafati kurz zuvor versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Nun hat er über die schwere Zeit damals geredet - und von einem bewegenden Brief erzählt, den ihm Bastian Schweinsteiger schrieb.

Bastian Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger hat sich auch außerhalb des Platzes als einer der Großen seines Sports gezeigt

Am 19. November 2011 war alles angerichtet für das Spiel des 1. FC Köln gegen Mainz 05. Die Mannschaften waren angereist, die ersten Zuschauer erreichten das Stadion. Um 13.30 Uhr wollten Schiedsrichter und Assistenten eigentlich wie immer die Spielleitung besprechen. Doch einer fehlte: Babak Rafati. Der Schiedsrichter hatte sich kurz zuvor in seinem Kölner Hotel die Pulsadern aufgeschnitten.

Rafati überlebte seinen Suizidversuch. Die Assistenten fanden ihn und konnten ihm schnell Erste Hilfe leisten. Das Spiel wurde 40 Minuten vor Anpfiff abgesagt. Rafati, der seit 2005 zahlreiche Partien in der Bundesliga geleitet hatte, pfiff nie wieder ein Bundesligaspiel. Wenige Monate später erklärte er seinen Rücktritt.

Nun hat der ehemalige Schiedsrichter mit der Schweizer Zeitung "Blick" über die Zeit damals gesprochen. Er beschreibt den Druck, unter dem er stand, und die Depressionen, unter denen er litt. Er spricht aber auch über die Hilfe und das Verständnis, das er erfahren hat - von seiner Frau und Familie vor allem, von vielen anderen Schiris auch. Und von Bastian Schweinsteiger.

"Eine wahnsinnig große menschliche Geste"

Wie Rafati in dem Interview erzählt, erhielt er nach seinem Suizidversuch einen Brief vom damaligen Bayern-Star, der ihn sehr berührt habe. "Da war null Berechnung dabei", sagt Rafati. "Er wusste ja, dass ich nach diesem Vorfall nie mehr pfeifen kann." Schweinsteiger habe geschrieben: "Herr Rafati, im Leben fällt man oft. Man muss einmal öfter aufstehen. Ich wünsche Ihnen alles Gute."

Bis heute ist dem Schiedsrichter dieser Brief offenbar sehr in Erinnerung geblieben. "Eine wahnsinnig große menschliche Geste", sagt er. "Aber Depressionen sind immer noch ein großes Tabu im Fussball." Rafati ist inzwischen Autor, hält Vorträge über Druck- und Stressmanagement und berät als Mental Trainer auch Bundesliga-Profis. Wie er in dem Interview erzählt, habe er nach seinem ersten Suizidversuch noch mehrmals den Drang gehabt, sich das Leben zu nehmen. Inzwischen könne er das aber ausschließen, sagt er. "Ich weiss heute, dass ich bescheuert war. Das Leben ist zu schön, um sich selbst zu zerstören."


Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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