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BAYER-KRISE: Gestern richtig, heute falsch?

Bayer Leverkusens schwergewichtiger Manager Rainer Calmund stärkt Trainer Klaus Toppmöller den Rücken. Aber die Luft für den Chefcoach wird dünner, seit die Leverkusener gegen den Abstieg spielen.

Bayer Leverkusens mächtiger Manager Reiner Calmund lässt trotz Bundesliga-Talfahrt und zunehmender Kritik keinen Zweifel an Chefcoach Klaus Toppmöller aufkommen. »Es kann doch nicht alles falsch sein, was vor ein paar Monaten noch richtig gewesen ist«, sagte er am Dienstag. Nach der 0:1-Pleite gegen den VfB Stuttgart, der am Mittwoch zum DFB-Pokalspiel (19.30 Uhr) erneut an den Rhein kommt, war dem »Trainer des Jahres« zu wenig Distanz, zu große Kumpelhaftigkeit und Nachsicht mit den Profis vorgeworfen worden. »Toppi fühlt sich als zwölfter Mann im Boot. Damit war er erfolgreich, und dies will er auch nicht ändern«, meinte Calmund.

»Grusel-Fußball«

Allerdings hat Toppmöller nach dem unerklärlichen »Grusel-Fußball« der Bayer-Kicker, die in der Spielzeit 2001/2002 zu Vize-Königen in allen Wettbewerben geworden waren, durchgegriffen. Montags und donnerstags verordnete er zwei weitere »Trainingseinheiten«, in denen die Profis Taktik-Theorie per Video büffeln und zur Körperpflege in die Physiotherapie müssen.

»Strafen sind arbeitsrechtlich nicht möglich«

»Ich bin nicht geschockt, dass die Profis täglich um 9.30 antreten sollen und erst um 16.30 Uhr gehen können«, hält Calmund die Krisen- Strategie für angemessen. Durch die vermehrte Präsenz würde den Spielern auch die Bedeutung der Situation des Vereins bewusster. Viele andere Möglichkeiten habe der Verein auch nicht. »Strafen sind arbeitsrechtlich nicht möglich, und die Mannschaft fünf Stunden durch Leverkusen laufen zu lassen, macht auch keinen Sinn«, so Calmund, der selbst direkt nicht eingreifen will: »Es ist nicht meine Aufgabe, Ansprachen an die Mannschaft zu halten.«

»Spiel gegen den Abstieg«

Klar müsse aber allen sein, dass »Alarm« beim Tabellen-14. der Bundesliga herrscht. »Wir dümpeln da unten rum und spielen gegen den Abstieg«, stellt der Macher des viermalige Vizemeisters unmissverständlich fest. Obwohl er hofft, dass sich Bayer bis zur Winterpause noch auf einen einstelligen Rang hochrappelt, ist ein UEFA-Cup-Platz weit entfernt und der DFB-Pokal »die einfachste Möglichkeit, international dabei zu sein«. Deshalb müssten nun alle Kräfte mobilisiert werden, um in die dritte Runde einzuziehen. »Mit kontrolliertem Käse, wie zuletzt gegen Stuttgart, geht das aber nicht«, weiß Calmund.

Psychologischer Aufwind

Vielleicht bringt die Rückkehr von Kapitän Jens Nowotny nach sechs monatiger Verletzungspause ins Mannschaftstraining etwas psychologischen Aufwind. »Auch wenn er in diesem Jahr wohl nicht mehr zum Einsatz kommt, ist mit ihm der Wortführer zurückgekehrt. Da kann er uns schon viel helfen«, hofft Toppmöller. Der 28-jährige Abwehrchef hatte sich am 30. April im Champions-League-Halbfinale gegen Manchester United einen Kreuzbandriss zugezogen.

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