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Bayern gewinnen das Triple: Das Super-Geschenk für Heynckes

Die Bayern haben eine phänomenale Saison mit dem Gewinn des DFB-Pokals gekrönt. Gegner Stuttgart machte es der Über-Mannschaft im Finale aber nicht leicht. Jetzt bleibt noch eine Frage zu klären.

Von Tim Schulze

Jupp Heynckes musste nach dem Schlusspfiff im Berliner Olympiastadion einiges aushalten. Manuel Neuer war es, der dem 68-jährigen Coach, aus der Deckung von hinten kommend, eine Bierdusche verpasste. Danach gab es kein Halten mehr. Ein Bayern-Spieler nach dem anderen übergoss den Vater des historischen Erfolgs mit Weißbier. Heynckes, klitschnass, aber glücklich, ließ es über sich ergehen, und zwar mit der gleichen Souveränität und Grandezza, mit der er seine Mannschaft durch die Saison geführt hatte. Erst hinterher, als er sich einen trockenen Ersatzanzug angezogen hatte, gestand er: "Das Zeug stinkt ekelhaft."

Doch der unangenehme Geruch dürfte dem Mann, der als sechster Trainer in der europäischen Fußball-Geschichte das große Triple aus Meisterschaft, nationalem Pokal und Champions League gewann, herzlich egal gewesen sein. Es war vor allem sein Abend: "Das ist ein emotionaler Moment. Die Mannschaft hat sich und mir ein Super-Geschenk gemacht. Das Triple ist einzigartig. Das hat es in der Bundesliga noch nie gegeben. Entscheidend war der Teamgeist, dass die Spieler zusammenstehen und sich unterstützen“, gestand der sichtlich bewegte Coach.

Lange Zeit ein Duell auf Augenhöhe

Seine Mannschaft hatte in den 90 Minuten zuvor nicht ihr stärkstes Spiel gezeigt, doch es reichte, um die tapfer kämpfenden Stuttgarter zu besiegen. "Wir haben in ein paar Phasen nicht unser sportliches Niveau zeigen können. Eine Woche nach dem Champions-League-Finale ist das menschlich“, analysierte Sportdirektor Matthias Sammer. Lange hatte es tatsächlich nach einem Duell auf Augenhöhe ausgesehen. Stuttgart spielte aggressiv und mit hohem läuferischen Einsatz. Besonders Harnik und Traoré taten sich als rustikale Abräumer hervor.

Der Einsatz zeigte Wirkung. Die Stuttgarter erspielten sich gute Torchancen, die größte in der 22. Minute, als Neuer seine Mannschaft mit zwei starken Paraden nach einem Freistoß durch Stuttgarts jungen Spielmacher Maxim rettete. Erst verlängerte Schweinsteiger den Ball unglücklich, danach war Neuer knapp vor dem heranstürmenden Niedermeier zu Stelle – es wäre fast das 1:0 der Schwaben gewesen.

Im Gegenzug zogen die Bayern zwar ihr Spiel auf und kamen schnell zu Torchancen, ohne allerdings zwingend zu sein. Die erste Gelegenheit hatte Robben kurz nach Anpfiff, doch der Niederländer scheiterte am Stuttgarter Keeper Ulreich. Als Schiedsrichter Manuel Gräfe den Münchnern einen glasklaren Strafstoß nach einem Foul von Tasci an Robben verweigerte, hatten die Schwaben noch Glück. Doch Traoré brachte wenige Minuten später Lahm zu Fall – diesmal zeigte Gräfe auf den Punkt. Thomas Müller verwandelte den Strafstoß in der 37. Minute sicher. Es war der Zeitpunkt, an dem die Bayern endgültig die Regie übernahmen.

Überragender Lahm

Als Mario Gomez, den Heynckes gegen seinen Ex-Klub für Mario Mandzukic aufgeboten hatte, gleich nach Wiederanpfiff etwas ungelenk die Führung ausbaute, war die Vorentscheidung gefallen. Die Vorlage kam vom überragenden Lahm, an diesem Abend bester Bayernspieler. Der Mann wollte das Triple. Und so spielte er auch. Wieder war es Gomez, der in der 61. Minute mit seinem zweiten Tor, diesmal nach Vorlage von Müller, auf 3:0 erhöhte. Die Sache schien gelaufen. Die Sprechchöre der Bayern-Fans hallten durch das weite Rund des Olympiastadions. Die Anhänger feierten Heynckes – und Uli Hoeneß, der auf der Tribüne verfolgte, wie seine Bayern in der Folge mit dem sicheren Sieg vor Augen zum Schaulaufen ansetzten. Robben, Ribery und Müller versuchten zu zaubern – und wurden nachlässig.

"Man kann sehr stolz sein auf die Jungs. Das war erste Sahne, was sie heute abgeliefert haben. Es war sehr interessant, die Bayern mal zittern zu sehen", sagte VfB-Manager Fredi Bobic nach dem Spiel. Damit meinte er nicht nur das starke Auftreten seines Teams in der ersten Halbzeit, sondern auch die letzten 20 Minuten des Spiels. Denn die Stuttgarter nutzten die Nachlässigkeiten des Gegners. Harnik bestrafte die siegessicheren Bayern mit zwei Treffern in der 71. und 80. Minute. Auf einmal sah es so aus, als könnten die Stuttgarter wenigstens die Verlängerung erzwingen.

Heynckes reagierte nach alter Trainer-Sitte und brachte den robusten Timoschtschuk für Robben, um die Defensive zu stärken. Schweinsteiger revanchierte sich mit harten Fouls dafür, dass die Stuttgarter ihn vorher malträtiert hatten. Lahm drehte erneut auf. Neuer feuerte sein Team an, das ihm beim Anschlusstreffer sträflich allein gelassen hatte. Am Ende gingen die Bayern als verdienter Sieg vom Platz. Es folgten eine La Ola des Triple-Gewinners mit seinem Trainer und zahlreiche Bierduschen

Im Fußball-Olymp angekommen

"Das ist unglaublich, super. Wir haben ein bisschen Angst gehabt in den letzten zehn Minuten. Aber egal, wir haben gewonnen. Ich bin so glücklich hier", jubelte Ribery nach dem letzten Schlusspfiff einer langen Saison, während die Stuttgarter sich mit der Niederlage abfanden: „Der zweite Platz in so einem Wettbewerb ist immer Mist. Wir müssen anerkennen, dass Bayern das Spiel wegen seiner größeren individuellen Klasse für sich entschieden hat", sagte VfB-Coach Labbadia.

Heynckes hat die Bayern von 2012/13 endgültig in den Fußball-Olymp geführt. Das es gleichzeitig sein letztes Spiel als Bayern-Trainer war, verlieh dem Ganzen eine besondere Note – und befeuerte die Spekulationen, wie es mit dem begehrten Erfolgscoach weitergeht. Er gilt als heißer Kandidat für den Trainerposten bei Real Madrid. Das ist der Klub, mit dem er 1998 die Champions League gewann, und der ihn danach kalt vor die Tür setzte. Ob er sich den anstrengenden Job wirklich antut? Heynckes ließ sich nichts entlocken, stattessen kündigte er an: „Ich werde am Dienstag eine Abschlusskonferenz an der Säbener Straße geben. Dann werde ich etwas zu meiner Zukunft sagen. Dann werde ich sagen, wie es weitergeht oder auch nicht." Man darf gespannt sein.

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