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FC Bayern München: Hermann Gerland - warum die Rückkehr der Bayern-Legende eine gute Nachricht ist

Eine der guten Nachrichten in diesen unruhigen Tagen bei den Bayern lautet: Hermann Gerland ist wieder Co-Trainer. Damit holt sich Interimscoach Hansi Flick eine Bayern-Institution ins Team. Das könnte ihm helfen.

Hansi Flick und Hermann Gerland (r.) während ihrer gemeinsamen, ersten Trainingseinheit

Hansi Flick und Hermann Gerland (r.) während ihrer gemeinsamen, ersten Trainingseinheit

Getty Images

Auf der Homepage des FC Bayern gab es am Dienstag einen Liveticker zum ersten Training unter Interimstrainer Hansi Flick. Nach dem Rauswurf von Niko Kovac herrscht viel Informationsbedarf. Der Eintrag von 11.25 Uhr erschien unter der Überschrift: "Gerland gleich wieder mittendrin." Der folgende Text lautete: "Mittlerweile kommen die Bälle ins Spiel und die Münchner passen sich im Kreisspiel ein. Hermann Gerland steht dabei und gibt lautstarke Anweisungen - als wäre er nie weg gewesen."

Aus diesen Worten spricht Bewunderung, aber auch Erleichterung in einer Phase, in der die Bayern sportlich taumeln. Gerland, mittlerweile 65 Jahre alt und ergraut, ist eine Institution beim FC Bayern. Für besorgte Anhänger ist es schon an sich eine beruhigende Nachricht, dass Gerland wieder zum Trainerteam gehört. Denn egal, wie oft die Übungsleiter an der Säbener Straße in den vergangenen Jahren wechselten, Gerland saß (fast) immer auf der Bank.

Hermann Gerland formte zahlreiche Spieler zu großen Fußballern

Seinen fast schon legendären Ruf erwarb sich Gerland als Trainer des Nachwuchsteams, das er zwei Mal trainierte (1990 bis 1995 und 2001 bis 2009). Er verpasste Nationalspielern wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller, Toni Kroos, Mats Hummels und David Alaba den Feinschliff: "Von allen Trainern bin ich der Weichste. Wenn es einer meiner Jungs geschafft hat, habe ich Tränen in den Augen. So freue ich mich", sagte der "westfälische Dickschädel" einst der Nachrichtenagentur DPA.

Rangnick, Mourinho und Co.: Wer folgt auf Kovac? Das sind die Trainer-Kandidaten beim FC Bayern
Erik ten Hag  Der Trainer von Ajax Amsterdam kennt die Bayern gut - und er gilt schon seit langem als Lieblingskandidat von Bayern-Boss Karl-Heinz-Rummenigge. Unter Pep Guardiola coachte ten Hag von 2013 bis 2015 Bayern II und arbeitete mit Pap Guardiola zusammen. In der vergangenen Saison spielte er mit Ajax in der Gruppenphase zweimal gegen die Münchner und holte jeweils ein Unentschieden. Ten Hag steht für den niederländischen Power- und Offensivstil. Taktisch betrachtet ist ten Hag der Gegenentwurf zu Kovac, wäre aber wohl erst ab Sommer 2020 zu haben. Ajax-Manager Marc Overmars machte deutlich, dass er ten Hag keine Steine in den Weg legen würde.   Wahrscheinlichkeit: hoch

Erik ten Hag

Der Trainer von Ajax Amsterdam kennt die Bayern gut - und er gilt schon seit langem als Lieblingskandidat von Bayern-Boss Karl-Heinz-Rummenigge. Unter Pep Guardiola coachte ten Hag von 2013 bis 2015 Bayern II und arbeitete mit Pap Guardiola zusammen. In der vergangenen Saison spielte er mit Ajax in der Gruppenphase zweimal gegen die Münchner und holte jeweils ein Unentschieden. Ten Hag steht für den niederländischen Power- und Offensivstil. Taktisch betrachtet ist ten Hag der Gegenentwurf zu Kovac, wäre aber wohl erst ab Sommer 2020 zu haben. Ajax-Manager Marc Overmars machte deutlich, dass er ten Hag keine Steine in den Weg legen würde. 

Wahrscheinlichkeit: hoch

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2009 startete seine zweite Karriere: Jupp Heynckes war es, der Gerland vom Nachwuchstrainer zu seinem Assistenten machte. Die Bayern hatten unter Jürgen Klinsmann gerade ihre experimentelle Phase mit Power-Motivation und Buddha-Statuen beendet. Heynckes übernahm als Nothelfer für die restlichen fünf Saisonspiele. Dass er Gerland, der viel Anerkennung im Verein genoss, ins Trainerteam berief, war auch damals eine beruhigende Nachricht für die aufgewühlten Anhänger. Gerland brachte als Bochumer Bergarbeitersohn den rauen Charme des Ruhrpotts ins FCB-Clubhaus und verkörperte beste Fußballtradition mit dem Gespür für Talente.

Er blieb acht Jahre in dem Job: Auf Heynckes folgten Louis van Gaal, wieder Heynckes, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und wieder Heynckes – mit solider Verlässlichkeit blieb nach jedem Trainerwechsel Hermann Gerland als Co-Trainer. Rückblickend betrachtet war es vielleicht einer der vielen Fehler von Niko Kovac, dass er Gerland nicht in sein Trainerteam berief. Er trägt die Bayern-DNA in sich, er kennt die Spieler, sie respektieren ihn. Möglicherweise hätte Kovac nicht so schnell den Draht zur Mannschaft verloren. Möglicherweise.

Collage: Niko Kovac und Kommentare von Twitter

Wohlfühlatmosphäre für die Bayern-Stars

Jetzt trägt Hansi Flick für die beiden Spiele gegen Olympiakos Piräus (Mittwoch ab 18.55 Uhr im stern-Liveticker) und gegen Borussia Dortmund (Samstag ab 18.30 Uhr) die Verantwortung. Und eines hat er schon richtig gemacht: Er fügt sich nahtlos in die Hermann-Gerland-Tradition ein. Am Sonntag, nachdem er als Interimstrainer bestellt zwar, folgte umgehend die Nachricht: Hermann Gerland ist wieder Co.-Trainer. "Ich bin froh, dass Hermann Gerland eingesprungen ist, weil er so erfahren ist", sagte Flick auf der Pressekonferenz zum Champions-League-Spiel gegen Olympiakos.

Eine gewisse Wohlfühlatmosphäre können die Bayern-Profis offenbar brauchen. Die Unsicherheit der Mannschaft war zuletzt groß. Bei der 1:5-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt ergab sich das Team wehrlos in sein Schicksal, auch wenn es einen Mann weniger auf dem Platz hatte. Die Defensive ist das große Sorgenkind. Sie zu stabilisieren, wird die größte Herausforderung für Flick sein. Gerland wird ihm mit kompetenten Rat zur Seite stehen.

Über die Aufstellung verriet Flick immerhin so viel: Thomas Müller und Javier Martinez werden spielen. Kovac hatte beide Spieler meist draußen gelassen. Flick betonte, dass er die Aufstellung  "mit seinem Team" abspricht. "Fußball ist keine One-Man-Show. Ich würde einen Fehler machen, wenn ich nicht alle einbeziehen würde“, sagte er. Man kann davon ausgehen, dass Gerland bei diesen Personalentscheidungen ein gewichtiges Wörtchen mitgeredet hat. 

Flicks und Gerlands Zukunft ist offen

Was die Zukunft für Personalentscheidungen oder takische Veränderungen bringen wird, darüber schwieg Flick. Und die Trainersuche? Auf seine eigenen Ambitionen angesprochen, antwortete Flick ausweichend. "Ich sage mal eines und damit ist alles gesagt. Ich bin keiner, der in der Vergangenheit lebt oder in der Zukunft. Die Gegenwart ist für mich entscheidend", sagte der Coach. Gerland wird ähnlich denken. Der Mann ist eh immer da, ob als Co-Trainer oder als Leiter des Nachwuchszentrums. Darauf ist Verlass.

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