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WM 2010 - Deutschland gegen Serbien: Die "jungen Wilden" beleben die Nationalelf

Deutschland stellt bei der WM den jüngsten Kader. Der DFB erntet nun die Früchte seiner Jugendarbeit. Die "jungen Wilden" beleben die Nationalelf - hoffentlich auch heute gegen Serbien.

Von Daniel Barthold

Das begeisternde 4:0 gegen Australien hat die Fußballwelt aufhorchen lassen. Mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist bei der WM in Südafrika offenbar zu rechnen. Im Spiel gegen Serbien (13.30 Uhr/live im stern.de-Ticker müssen die "jungen Wilden" zeigen, dass sie auch gegen einen starken Gegner auftrumpfen können. Die Balkan-Kicker haben mit Spielmacher Dejan Stankovic vom Champions-League-Sieger Inter Mailand und Abwehr-Ass Nemanja Vidic von Manchester United echte Spitzen-Leute in ihren Reihen. Hinzu kommen mit dem Ex-Herthaner Marko Pantelic (derzeit Ajax Amsterdam) sowie Neven Subotic (Borussia Dortmund), Zdravko Kuzmanovic (VfB Stuttgart), Zoran Tosic (1.FC Köln) und Gojko Kacar (Hertha BSC) gestandene Bundesligaspieler, die den deutschen Fußball aus dem Effeff kennen.

Doch die junge deutsche Mannschaft, die jüngste, die der DFB je zu Weltmeisterschaften gemeldet hat, geht mit Selbstbewusstsein in das Spiel. Die Jugendarbeit im Fußball ist in den letzten zehn Jahren stark angetrieben worden. Das Ergebnis waren nicht nur zahlreiche Titel der Jugendnationalmannschaften, auch die A-Mannschaft profitiert langsam davon. Das war zumindest gegen Australien schon zu sehen: Eine frisch aufspielende Truppe mit multi-kulturellem Hintergrund, die trotzdem nichts von der deutschen Effektivität verloren hat. Mesut Özil als Kreativposten, Sami Khedira als Antreiber und Thomas Müller als Vollstrecker - der deutsche Fußball hat sich gewandelt. Dies sehen sogar die größten Rivalen so. Die englische Presse räumte nach dem Australien-Spiel ein, dass das Klischee des langweiligen, ergebnisorientierten Fußballs der deutschen Mannschaft endgültig der Vergangenheit angehört. Und auch die Niederländer staunten über die Leichtigkeit des Seins der DFB-Elf. Die müde Vorstellung der "Elftal" gegen Dänemark stand eindeutig im Schatten des Traumstarts der Löw-Truppe.

Aus der Vergangenheit gelernt

Trägt also die Jugendarbeit der Bundesliga-Klubs und des DFB nun Früchte? Hermann Gerland, Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, sieht diese Entwicklung, warnt aber vor voreiligen Schlüssen. "Die deutsche Mannschaft hat gegen Australien eine sehr gute Leistung geboten. Es wurden erstklassige Chancen herausgearbeitet, die Räume eng gehalten und in die Breite gespielt. Trotzdem ist Australien nicht England oder Argentinien. Gegen diese Kaliber muss man sich erst einmal beweisen", sagte der Coach, der als Co-Trainer unter Luis van Gaal in der abgelaufenen Bundesliga-Saison tätig war.

Die Misserfolge der Nationalmannschaft bei der WM 1998 in Frankreich und der Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden zwangen die Verantwortlichen zum Umdenken. "Der DFB und die Bundesliga-Klubs haben die Zeichen der Zeit erkannt und die Förderung von jungen deutschen Talenten forciert. Und es gibt Vereine, die ihre eigene Philosophie verfolgen. Heraus stechen dabei der FC Bayern München, der VfB Stuttgart und Werder Bremen", so Gerland weiter. Der VfB Stuttgart musste umdenken, nachdem die Zeit des "magischen Dreiecks" mit Giovane Elber, Fredi Bobic und Krassimir Balakov vorbei war und auch das Geld im Schwabenland knapp wurde. In Stuttgart setzte man daraufhin zunehmend auf die Jugend - mit Erfolg: Der VfB wurde A- und B-Jugendmeister. Heute haben sich die Schwaben wieder zu den Top-Teams der Bundesliga gesellt.

"Die tägliche Arbeit findet bei den Klubs statt"

Noch besser macht es der FC Bayern. Der Verein ist nicht nur wirtschaftlich ein Vorbild, die Nachwuchsarbeit ist exzellent. Thomas Müller, Holger Badstuber, Philip Lahm und Bastian Schweinsteiger sind ausgezeichnete Fußballer, die ihr Handwerk allesamt in der Jugend der Bayern erlernten. Ganz entscheidend für die positive Entwicklung der jungen Spieler ist für Hermann Gerland das Trainergespann. "Louis van Gaal ist es egal, ob du 18 Jahre alt bist und noch kein Länderspiel absolviert hast, oder 30 Jahre alt bist und einen guten Ruf genießt. Wenn du gut bist, dann spielst du auch. Van Gaal hat immer an Thomas Müller und Holger Badstuber festgehalten - auch wenn es mal nicht lief."

Durch die Förderung junger Spieler ist der deutsche Fußball gereift. Die Bundesliga ist so rentabel und beliebt wie noch nie zuvor, und die Klubs führen eine gesunde Transferpolitik. Der FC Bayern kann Spieler wie Arjen Robben oder Franck Ribéry verpflichten, weil er eine gute Nachwuchsarbeit leistet. Was einst das Vorbild in den Niederlanden bei Ajax Amsterdam oder dem PSV Eindhoven war, ist in Deutschland längst gang und gäbe. Das sieht bei anderen internationalen Klubs anders aus. "Die tägliche Arbeit findet bei den Vereinen statt. Dazu gehört auch die Philosophie des Trainerstabes. Bei Inter Mailand, beispielsweise, spielt doch kein Italiener mehr", sagt Hermann Gerland.

Der DFB ist auf einem guten Weg

In der Tat ist die Entwicklung in England und Italien eine andere als in Deutschland. Dies spiegelt auch die bisherige Leistung bei der WM in Südafrika wider. Der DFB verstärkt die Nachwuchsarbeit in den Leistungszentren und hat mit Matthias Sammer eine starke Persönlichkeit in der Talentförderung. Stellvertretend dafür steht der U-21 Europameistertitel der deutschen Mannschaft 2009 in Schweden.

Nun gilt es, die positiven Eindrücke gegen Serbien zu bestätigen. Die Serben stehen nach dem 0:1 im ersten Spiel gegen Ghana mit dem Rücken zu Wand, Deutschland kann mit einem Sieg den Einzug ins Achtelfinale perfekt machen. Kreativer Fußball soll dabei nicht zu kurz kommen - so ist die Philosophie des Bundestrainers Joachim Löw. Es ist erkennbar, dass die Jugendarbeit im deutschen Fußball eine neue Generation geschaffen hat, die weltweit großen Respekt erfährt - eine Generation der jungen Sympathieträger.

P.S.: Ist der Erfolg der DFB-Elf das Ergebnis erstklassiger Talentförderung in Deutschland? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

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