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Bayern in der Champions League: Prüfung bestanden - mit Bravour

Der FC Bayern hat in der Champions League einen Traumeinstand gefeiert. Beim FC Villarreal gewannen die Münchner souverän mit 2:0. Es war eine echte Machtdemonstration.

Von Klaus Bellstedt

Bayerns Sportdirekter sprach in der Halbzeit in das Mikrofon des Sky-Reporters. Christian Nerlinger wirkt normalerweise immer ziemlich angespannt, dieses Mal war das anders. Seine Gesichtsfarbe erinnerte zwar verdächtig an die von Uli Hoeneß, als der bei den Bayern noch die Abteilung Attacke anführte, im Falle Nerlingers hatte die Röte aber mehr mit den hohen Temperaturen im Stadion El Madrigal von Villareal zu tun. Der Hoeneß-Nachfolger strahlte für seine Verhältnisse fast schon. Und doch mahnte er: "Wir müssen in der zweiten Hälfe kompakter stehen." Irgendetwas musste Nerlinger ja sagen. Dann schon lieber ein bisschen nicht ganz ernstgemeinte Kritik loswerden. Dabei hätte er eigentlich ein Loblied auf sein Team anstimmen müssen.

Das Spiel zwischen den Bayern und Villarreal war einsseitig. Über weite Strecken war sogar ein Klassenunterschied zwischen beiden Mannschaften zu erkennen. Natürlich spielte den Münchnern bei ihrem ersten Champions-League-Spiel in der neuen Saison das frühe Führungstor von Toni Kroos nach sieben Minuten in die Karten. Danach lief das Spiel der Heynckes-Truppe wie am Schnürchen, was in erster Linie an Franck Ribéry lag. Der launige Franzose war an diesem Mittwoch ganz offensichtlich mit dem richtigen Bein aufgestanden. Wie schon zuletzt in der Bundesliga zog er auf der linken Angriffsseite ganz groß auf.

Das ging immer nach dem gleichen Muster: Ribéry narrte zwei, drei Spanier, dampfte mit viel Tempo zur Grundlinie durch und passte in den Rücken der gegnerischen Abwehr. Blöd nur, dass Gomez und Co. nicht immer so schnell antizipierten wie der Franzose passte. Abgesehen von Ribéry tat sich bei den Bayern vor allem Toni Kroos hervor. Nicht so sehr wegen seines Tores, sondern weil er die Bälle im Mittelfeld immer wieder klug verteilte und auch mal das Tempo verschleppte - wenn es denn nötig war.

Van Buyten einziger Schwachpunkt

Das gelbe U-Boot, so wird der FC Villarreal in Spanien wegen der grellen Trikots genannt. Zu keiner Phase der Partie bestand die Gefahr, als könnten die auch technisch klar unterlegenen Hausherren Schweinsteiger und Co. versenken. Villarreals Spiel war viel zu ausrechenbar. Wenn die Bayern sie ließen, und das war lediglich 15 Minuten in der ersten Hälfte und in den ersten zehn Minuten nach dem Wechsel der Fall, probierten die Spanier es immer nur mit langen Bällen auf die beide schnellen Stürmer Nilmar und Giuseppe Rossi. Das sorgte wirklich manchmal für einen Hauch von Gefahr, aber nur weil der hüftsteife Daniel van Buyten die Sprintduelle gegen das Duo regelmäßig verlor.

Der Belgier, von Jupp Heynckes etwas überraschend in die Startelf berufen, musste noch in der ersten Hälfte verletzt raus. Für ihn kam Rafinha. Und siehe da: Nun war auch die letzte kleine Schwachstelle der Bayern behoben. Weil auch Nilmar und Rossi, Villarreals mit Abstand beste Spieler, zunehmend die Lust verloren, stand der Münchner Herrlichkeit nun gar nichts mehr im Wege. Sie konnten es sich nach Wiederanpfiff sogar erlauben, eine Vielzahl formidabler Torchancen zu vergeben. Der eingewechselte Nils Petersen, er kam für den wegen Leistenproblemen angeschlagenen Mario Gomez, scheiterte alleine dreimal hintereinander innerhalb kürzester Zeit. Der überragende Toni Kroos traf nur den Pfosten.

Rafinha setzt Schlusspunkt

Aber auch das zeichnete die Bayern bei ihrem Champions-League-Auftakt aus: Die Mannschaft spielte, angeführt von Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger, ruhig und dominant weiter. Niemand wurde hektisch. Das Team teilte den Raum fast immer klug auf und spielte permanent Pressing. Genauso hatte es Trainer Jupp Heynckes vor dem Spiel gefordert. So war es nur logisch, dass irgendwann doch noch der zweite Treffer fiel. Rafinha hatte sich in der 75. Minute auf rechts schön durchgedribbelt und schloss selbst zum 2:0-Endstand ab.

Das war ein feiner Abschluss einer fröhlichen Auswärtsfahrt der Bayern, die gegen Villarreal jetzt auch international ein erstes Ausrufezeichen gesetzt haben. Wenn es überhaupt etwas zu kritisieren gab, dann lediglich die mangelnde Chancenverwertung. Aber über die wollte hinterher nicht mal Christian Nerlinger lästern. Warum auch?

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