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Bayern in der Krise: Van Gaal trägt die Hauptschuld

Zehn Punkte hinter dem Tabellenführer: Nach dem 1:2 gegen Mainz steckt der FC Bayern München in der Krise. Die Verantwortlichen schießen gegen die eigenen Spieler - dabei müsste eigentlich Trainer Louis van Gaal in der Schusslinie stehen.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Nein, der Trainer steht bei den Bayern nach dem missratenen Saisonstart, der am 6. Spieltag mit der enttäuschenden 1:2-Heimniederlage gegen den FSV Mainz 05 seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, nicht in der Schusslinie. "Der Trainer macht eine super Arbeit. Nicht er ist gefragt, sondern die Spieler sind jetzt gefragt." Bayerns Vorstandvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge stellte sich Samstagabend nicht hinter, sondern demonstrativ vor seinen Coach.

Es waren die Spieler, die sich der Bayern-Boss vorknöpfte. Energisch forderte auch Manager Christian Nerlinger Leidenschaft, Laufbereitschaft und Aggressivität. Genau das also, was die Sensationsmannschaft aus Mainz bei ihrem Sieg in München im Übermaß gezeigt hatte. Die Kritik war berechtigt. Abgesehen von den Null-Tore-Stürmern Klose, Olic, Gomez sind es vor allem die drei Führungsspieler Van Bommel, Lahm und Schweinsteiger - alles drei WM-Fahrer - die neben der Spur laufen und immer noch meilenweit von ihrer Normalform entfernt sind.

Es spricht für die Bayern, dass sie über die Belastung ihrer WM-Stars genauso wenig jammern wie über die verletzungsbedingten Ausfälle der beiden Kreativkräfte Arjen Robben und Franck Ribery. Was gegen die Bayern spricht: Ein Club, der in dieser Saison als Ziel den Gewinn der Champions League ausgegeben hat, muss auf so eine Situation vorbereitet sein. Und genau an dieser Stelle kommt eben doch der Trainer ins Spiel.

Grob fahrlässig

Louis van Gaal vermittelt derzeit nicht den Eindruck, als habe er einen Plan, wie er sein Team aus der fast schon traditionellen Herbstkrise herausführen könnte. Die Hilflosigkeit des Niederländers hat sich der Coach aber selbst zuzuschreiben. Van Gaal war es, der sich in der Sommerpause beinahe schon vehement gegen die Verpflichtung von neuen Spielern gewehrt hat. Jetzt, nach sechs Spielen, nur fünf Toren und nur zwei Siegen, fehlen ihm die Alternativen. Altintop, Gomez, Tymoshchuk, Braafheid, Ottl und Demichelis bildeten gegen Mainz die Gruppe der Ersatzspieler - individuelle Klasse hört sich anders an.

Kein Cent wurde von den Bayern in der Transferperiode bewegt - weil Louis van Gaal es so wollte. Der Trainer setzt stattdessen auf Altbewährtes - und auf die Jugend. Alaba, Contento, Kroos und Co. würden es schon richten. Wie sich jetzt heraus stellt, ein hochriskantes Spiel und eine Rechnung, die zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht aufgeht. Es sind nicht die Spieler, es ist Louis van Gaal, der die Hauptschuld an der Bayern-Misere trägt. Juristen würden seine Saisonplanung als grob fahrlässig bezeichnen. Sie hätten Recht damit.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Warum die Stürmer des FC Bayern bislang nicht treffen"

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