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Bayern München: Schluss mit dem Lagerkoller

Die Klinsmann-Revolution geht weiter: Nach Handy-Verbot und Achtstundentag hat der neue Bayern-Trainer jetzt eine gute Nachricht für die Profis parat und schafft die ungeliebten Trainingslager vor den Heimspielen ab. In Sachen Neuverpflichtungen hält man sich an der Säbener Straße dagegen weiter bedeckt.

Jürgen Klinsmann schafft beim FC Bayern die Trainingslager vor Heimspielen ab. "Die Spieler sollen nach Abschlusstraining, -besprechung und gemeinsamem Essen die Nacht vor dem Spiel bei ihren Familien verbringen", kündigte der Trainer des deutschen Fußballmeisters in der "Sport-Bild" an: "Denn jeder schläft bekanntlich zu Hause am besten."

Erst wenige Stunden vor dem Anpfiff trifft man sich wieder auf dem Vereinsgelände und fährt dann gemeinsam in die Allianz Arena. Zu Auswärtsspielen wird der Bayern-Kader allerdings wie bisher auch einen Tag vor der Partie in den jeweiligen Spielort reisen.

Klinsmann setzt damit etwas um, was zum Beispiel in der englischen Premier League gang und gäbe ist und was er sich schon zu seiner Zeit als Bayern-Profi gewünscht hätte. Mitte der 90er Jahre konnte er allerdings beim Rekordmeister nur erreichen, dass man vor Heimspielen nicht mehr am rund 60 Kilometer entfernten Tegernsee übernachtete, sondern in ein Hotel im Münchner Vorort Taufkirchen umzog. Das neue, moderne Trainingszentrum auf dem Vereinsgelände biete nun aber "die besten Möglichkeiten zur Vorbereitung", begründete Klinsmann seine Maßnahme, die Bayern-Profis zu Heimschläfern zu machen.

Nationalspieler steigen ins Training ein

Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge glaubt, dass der FC Bayern mit seinem mehrere Millionen Euro teuren Leistungszentrum an der Säbener Straße "einen neuen Standard in Deutschland" gesetzt hat. "Ich denke, der Nacheifereffekt wird groß sein, wenn wir Erfolg haben."

Dafür arbeitet Klinsmann rund um die Uhr, und langsam füllt sich auch sein Spielerkader. Vier Tage vor der Testspiel-Premiere des neuen Trainers mit dem FC Bayern beim sechstklassigen SV Lippstadt nahmen die Südamerikaner Lucio und Martin Demichelis sowie der französische EM-Teilnehmer Willy Sagnol die Vorbereitung auf die neue Saison auf. Damit sind 14 von 23 Profis im Training. In der kommenden Woche werden dann auch Luca Toni, Hamit Altintop und die deutschen Nationalspieler in München zurückerwartet.

Dass noch ein "Kracher" für den geplanten Angriff in der Champions League verpflichtet wird, zeichnet sich weiterhin nicht ab. "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir mit dem Kader in die Saison gehen", bekräftigte Rummenigge in München: "Die Mannschaft kennt sich ein Jahr, die Mechanismen greifen jetzt. Sie wird nicht schlechter, sie wird eingespielter."

Rückenwind für Podolski

Ungeachtet des weiterhin bestehenden Interesses an Nationalstürmer Mario Gomez vom VfB Stuttgart setzt der Meister in der Offensive derzeit auf das vorhandene Trio Toni, Miroslav Klose und Lukas Podolski. "Es kann sein, dass wir bei drei Stürmern bleiben. Jeder soll auch seine Spielzeiten haben", erklärte Rummenigge. Trotz der Unzufriedenheit, die Podolski während der EM äußerte, erwartet der Bayern-Chef einen engagierten Urlaubs-Rückkehrer: "Lukas Podolski wird sehr motiviert zu Werke gehen. Davon bin ich überzeugt."

Klinsmann macht derweil erste Andeutungen, wie die dominante Spielweise des FC Bayern aussehen soll. Gemeinsam mit den Spielern will er eine "Spielphilosophie" definieren: "Ist es Innovation, ist es Mut zum Risiko, ist es Dominanz, ist es der Slogan: Mia san mia?".

Trotz des internationalen Trends zu einem zentralen Stürmer will Klinsmann "minimal mit zwei Spitzen" agieren lassen. Allgemein sagt er: "Unser Job ist es, die Stärken jedes Einzelnen in den Vordergrund zu stellen und diese Stärken als Puzzle zusammenzubauen."

Klaus Bergmann/DPA / DPA

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