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Blamage in Barcelona: Die Bayern erleben den Albtraum

Peinlich, blamabel, hilflos - Bayern München erlebte im Champions-League-Viertelfinale beim bärenstarken FC Barcelona ein Debakel und war chancenlos. Messi, Henry, Eto'o & Co. zauberten nach Belieben, und die Bayern standen nur daneben. Nun stellt sich bei den Münchnern mehr denn je die Trainerfrage.

Demontiert, vorgeführt, gedemütigt: Ein chancenloser FC Bayern München hat bei einer der höchsten Pleiten seiner glorreichen Europapokal-Geschichte eine Lehrstunde erteilt bekommen und kann das Champions-League-Halbfinale abhaken. Von den phasenweise brillierenden Fußball-Künstlern des FC Barcelona wurde der deutsche Rekordmeister am Mittwochabend im ausverkauften Camp Nou beim 0:4 (0:4) regelrecht auseinandergenommen.

Ist Klinsmann noch tragbar?

Auf Trainer Jürgen Klinsmann, dessen Überraschungs-Coup im Bayern- Kasten, Hans Jörg Butt anstelle des etatmäßigen Torwarts Michael Rensing zu bringen, wirkungslos blieb, dürften nur schwere Zeiten zukommen. Lionel Messi mit einem Doppelpack (9. Minute und 38.), Samuel Eto'o (13.) und Thierry Henry (43.) besiegelten vor 96.000 berauschten Barcelona- Anhängern den Untergang der Bayern beim Aufeinandertreffen zweier Fußball-Welten.

"Die erste Halbzeit war eine Demontage. Es wurden uns die Grenzen aufgezeigt", räumte Klinsmann ein. Er sei aber "natürlich" der Aufgabe gewachsen. "Ich bin überzeugt von der Arbeit, die wir leisten, ich weiß, es ist ein Prozess, der mit vielen Problemen verbunden ist", meinte er. "Natürlich weiß ich, die Zeit wird knapp, wenn ein paar Niederlagen kommen", erklärte er: "Helm auf und durch."

Auch Lahm musste passen

"Was wir hier erlebt haben, hat reichlich Leute schockiert. Die Frage ist, ist man mehr wütend oder traurig", meinte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Man muss in Ruhe die Dinge bewerten und rational eine Entscheidung treffen", so Rummenigge weiter. "Was ich in der ersten Halbzeit gesehen habe, war das Fürchterlichste, was ich von dem FC Bayern je gesehen habe", meinte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer am Premiere-Mikrofon. Vom Halbfinale gegen Chelsea oder Liverpool können die Münchner nur träumen. Rummenigge: "Mit dem 0:4 sind wir ausgeschieden."

Die Lehrstunde begann vier Tage nach dem 1:5-Desaster in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg mit der ersten Minute. Klinsmann musste neben Daniel van Buyten (familiäre Gründe) und Lucio (verletzt) wegen Wadenproblemen auch auf Nationalverteidiger Philipp Lahm in der Startformation verzichten. Für ihn rückte Christian Lell auf die linke Abwehrseite.

Lell war aber wie alle Bayern-Akteure vor der Pause lediglich Staffage, degradiert von einer "Barca"-Mannschaft, deren namhafte Einzelspieler einmal mehr große Taten vollbrachten. Während weder von Franck Ribéry noch Luca Toni oder Marc van Bommel - abgesehen von einem rotwürdigen Ellbogencheck gegen Messi - etwas zu sehen war, zeigten die katalanischen Kurzpass-Koryphäen ihr Können, allerdings noch nicht einmal zur Vollendung.

Wehrlos dem Schicksal ergeben

Gegen die sich einigelnden Bayern legte erst Eto'o Messi zu dessen siebtem Champions-League-Tor auf, mit dem er mit dem verletzten Münchner Miroslav Klose gleichzog. Dann bedankte sich der Argentinier mit einer Vorlage auf den Kameruner. Beide ließen Butt keine Chance. Glück hatten die Gäste schon zuvor gehabt, als Martin Demichelis kurz vor der Linie gegen Henry gerettet hatte. Zudem verweigerte Schiedsrichter Howard Webb aus England einen Elfmeter nach einem Lell-Foul an Messi (17.), dem er stattdessen Gelb zeigte wegen einer Schwalbe, die keine war. Trainer Josep Guardiola regte sich derart an der Außenlinie auf, dass er auf die Tribüne geschickt wurde.

Derlei Sorgen hätte Klinsmann gern gehabt. Wehrlos ergaben sich seine Spieler weiter ihrem Schicksal. Dabei traf Butt die geringste Schuld. An den Gegentoren war er machtlos, bei einer Abwehraktion gegen den hereinrutschenden Henry bekam er dessen Stollen ins Gesicht. Noch auf dem Rasen musste Butt genäht werden, während Rensing sich warmlaufen durfte. Chancenlos war Butt auch bei Messis zweitem Treffer sowie dem 50. Champions-League- Tor von Henry.

Das nächste Trauma in Camp Nou perfekt

Die Armada in Rot-Blau drosselte nach dem Seitenwechsel etwas das Tempo, gegen die eher im Leerlauf agierenden Gäste reichte es gleichwohl noch zu Torchancen. Und wieder war es Messi, Butt konnte aber glänzend parieren (59.). In der 71. Minute dann die erste Bayern-Chance: Carlos Puyol klärte aber gegen Ze Roberto. Das nächste Trauma in Camp Nou war nach 90 Minuten perfekt, vor zehn Jahren hatten die Bayern dort in der letzter Minute das Champions-League-Finale verloren. Das zu Erreichen ist wohl unmöglich, bislang gelang in 17 Jahren Champions League lediglich Deportivo La Coruna 2004 einmal nach einem 1:4 im Hin- ein 4:0 im Rückspiel gegen den AC Mailand.

DPA / DPA

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