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Borussia Dortmund: Ohne Glück und ohne Trainer

Galgenhumor, Verzweiflung, Hohn: Die Talfahrt des BVB hat Konsequenzen. Bernd van Marwijk musste nach der Heimschlappe gegen Leverkusen seinen Stuhl räumen. Doch die Nachfolger-Suche gestaltet sich schwierig - Favorit Ottmar Hitzfeld sagte ab.

Kurz vor dem Weihnachtsfest brennt bei Borussia Dortmund der Baum. Nach der gelungenen finanziellen Konsolidierung plagen den Club am Ende der Hinrunde sportliche Turbulenzen. Als Reaktion auf die von Zuschauerprotesten begleitete 1:2 (0:1)- Heimschlappe gegen Bayer Leverkusen gab der Club am Montag die sofortige Trennung von Cheftrainer Bert van Marwijk bekannt. Die Absage von Wunschkandidat Ottmar Hitzfeld durchkreuzte die Pläne von einer idealen und schnellen Ersatzlösung.

"Angebot hat mich geehrt, aber es hat nicht gepasst"

Das Scheitern des spektakulären Coups sorgte beim Revierclub für lange Gesichter. Nach reiflicher Überlegung gab der umworbene Hitzfeld dem BVB einen Korb. "Das Angebot hat mich geehrt. Ich habe auch ernsthaft darüber nachgedacht, aber letztendlich hat es nicht gepasst", sagte der Erfolgscoach der "Bild". Auch die finanziell äußerst lukrative Offerte seines ehemaligen Arbeitgebers konnte den derzeitigen TV-Experten zweieinhalb Jahre nach seiner Trennung vom FC Bayern München nicht zu einer Rückkehr auf die Trainerbank bewegen.

Die Hoffnungen der BVB-Führung auf eine Zusage erwiesen sich damit als Wunschdenken. In den vergangenen Tagen hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke heimlich, still und leise versucht, Hitzfeld als Nachfolger des glücklosen van Marwijk zu gewinnen.

600.000 Euro Abfindung für van Marwijk

Nach dem publik gewordenen Flirt der Borussia mit Hitzfeld war eine weitere Zusammenarbeit mit dem Niederländer van Marwijk ohnehin undenkbar. "Das Spiel gegen Leverkusen hat gezeigt, dass es schwierig würde, so weiter zu machen", begründete Watzke die Entscheidung des Vereins, die 2004 begonnene Zusammenarbeit mit dem Fußball-Lehrer schnell zu beenden. Weil der Vertrag mit van Marwijk noch im Sommer bis 30. Juni 2008 verlängert worden war, muss der BVB eine Abfindung von 600.000 Euro bezahlen.

Wer die Mannschaft auf die Rückrunde vorbereiten soll, ist nach der Absage von Hitzfeld völlig offen. Auch der von Dortmund ebenfalls umworbene Thomas von Heesen verschwendet nach eigenem Bekunden derzeit keinen Gedanken an einen vorzeiten Abschied aus Bielefeld schon in der Winterpause.

Gerüchteküche um Hitzfeld brodelt

Bereits am Sonntag hatte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß im DSF-"Doppelpass" laut über eine Rückkehr von Hitzfeld in die Bundesliga nachgedacht - und damit die Spekulationen geschürt: "Ottmar ist wieder voller Tatendrang. Ich glaube, wenn das richtige Angebot kommen würde, würde er es machen. Aber auf der Trainerbank und nicht als Sportdirektor." Der Erfolgscoach war zuvor in Hamburger Medien als Nachfolger von Chefcoach Thomas Doll gehandelt worden, hatte entsprechende Berichte aber dementiert: "Ich wurde nicht angefragt und habe auch kein Interesse, nach Hamburg zu gehen."

In Dortmund genießt Hitzfeld Kultstatus und galt deshalb als Ideallösung. Er hatte den Club 1998 als Sportdirektor verlassen und zuvor als Trainer zu zwei Meisterschaften (1995, 1996) und zum Champions-League-Sieg (1997) geführt. Nach seiner Trennung vom FC Bayern war Hitzfeld nur noch als TV-Experte in Erscheinung getreten. Dem Werben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), als Bundestrainer tätig zu werden, hatte der damals überarbeitete Hitzfeld nicht nachgegeben.

Galgenhumor bei den Fans

Der noch nicht bekannte neue Dortmunder Trainer steht vor einer schwierigen Aufgabe. Mit Hohn und Spott reagierten viele Zuschauer auf die abermals dürftige Vorstellung gegen Leverkusen. Begleitet von ironischen Gesängen der Fans ("Oh, wie ist das schön", "Deutscher Meister wird nur der BVB") drängte das Team vergeblich auf den Ausgleich. "Normalerweise mag ich Galgenhumor. Aber es gibt nichts Schlimmeres für einen Sportler, als auf diese Art und Weise angefeuert zu werden", klagte der eingewechselte Christoph Metzelder.

Beinahe wäre es gar zu einem Eklat gekommen, als rund 100 aufgebrachte Fans noch während der Partie die Osttribüne stürmten, um direkt hinter der Trainerbank lautstark die Entlassung van Marwijks zu fordern. "Zum ersten Mal in meiner Karriere gab es Gesänge gegen mich. Das waren 40, 50 Leute - die ergeben kein realistisches Bild", sagte der Coach. Keine 24 Stunden später musste er beim BVB seine Sachen packen.

Heinz Büse/DPA / DPA

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