HOME

Bundesliga-Check: VfL Wolfsburg: Alle Macht dem Magier - was macht Magath?

Die Euphorie war groß beim VfL Wolfsburg, als Magath aus Gelsenkirchen zurückkehrte. Was ist davon übrig geblieben, wohin geht die Reise in der Rückrunde? Im dritten Teil der Bundesliga-Vorschau verraten wir, wie die Geschichte ausgeht. 

Die Euphorie war groß beim VfL Wolfsburg, als Felix Magath zum Ende der Rückrunde aus Gelsenkirchen kam und für eine Aufbruchstimmung sorgte, die schon wieder an das Meisterjahr erinnerte. Magath vollbrachte zwar auf die Schnelle keine Wunderdinge, doch entgingen die Wölfe dem Abstieg und die neue Saison durfte ob voller VW-Kassen in Angriff genommen werden.

Wichtige Abgänge gab es - so sah es zunächst aus - kaum zu verkraften. Grafite, Sascha Riether, Simon Kjear sowie Diego sollten nur Randnotizen im Konzept von Magath bleiben. Wie gewohnt, langte der Mann, der die Titanic zwar nicht gerettet, die Besatzung aber sicherlich sehr fit gemacht hätte auf dem Markt zu und sorgte für viel personelle Fluktuation auf dem Trainingsgelände.

Mit viel Insiderwissen, einem guten Händchen und erfolgreicher Historie ausgestattet war man sich einig, der VfL würde erneut an der Tür zu den Geldtöpfen Europas klopfen und die Saison der Angst schnell vergessen machen. Auch wir ließen uns zu einfach blenden und sahen Wolfsburg ungefährdet in die Phalanx der Spitzenclubs einziehen.

Falschester Satz aus dem Sommer-Check

Und so schrieben wir großmütig über das zukünftige Wirken von Magath: "Der alte Meistermacher wird zwar keine Neuauflage (Stichwort Meisterschaft) zum Besten geben, sein Rudel dennoch mit Platz fünf zurück in den internationalen Wettbewerb führen.“ Weit gefehlt könnte man nun sagen, denn auf Platz zwölf liegend beträgt der Abstand zu Rang fünf neun Punkte.

Das ist sicherlich nicht die Welt, doch bleibt es abzuwarten, ob Magath es schafft, die eklatante Auswärtsschwäche seines Teams zu beheben und umzudrehen. Denn aus neun Duellen in der Fremde brachte das Rudel schlappe vier Punkte mit nach Hause. Nicht unbedingt ein Fakt, den man seiner Bewerbung für Europa beifügt.

Größte Enttäuschung

Felix Magath hatte es, das goldene Händchen. In seiner Meistersaison baute er aus dem Nichts eine Truppe zusammen, die danach mit schönem Fußball einige Herzen der deutschen Fußballfans eroberte. Doch dies scheint ihm ein wenig abhanden gekommen zu sein. Der Spiegel bezeichnete den Erfolgstrainer schon als erfolglosen Power-Shopper und so ganz falsch liegen die Kollegen damit nicht.

Alle Neuzugänge hier aufzulisten, würde den Rahmen sprengen. Gesagt sei bloß, dass sich keine Hierarchie entwickelte, einige Spieler überhaupt nicht zum Zug kamen und der Manager-Teil von Magath sich gehörig verspekuliert hat. "Die Mannschaft leidet eher darunter, dass sich kein Führungsspieler herausgebildet hat und dass die Gruppe insgesamt nicht stabil genug ist“, bestätigt Magath gegenüber der Welt.

Hoffnungsträger

Nun ist die Frage, wie man Hoffnung definiert. Die Punkteausbeute in der Fremde ist katastrophal, die Abwehr ein Hühnerhaufen, einen Führungsspieler gibt es nicht und selbst der Felix unter den Managern, wenn man aus dem Lateinischen ableiten möchte, schien sein Glück verloren zu haben.

So bleibt die Hoffnung, dass in der Rückrunde alles anders wird. Die Mannschaft bekommt einen chirurgischen Eingriff geschenkt und mit neuen straffen Zügen sollen die Fehler ausgemerzt werden. Patrick Helmes, Thomas Kahlenberg, Sotirios Kyrgiakos, Srdjan Lakic und wohl auch Josué sollen gehen, Slobodan Medojevic, Ferhan Hasani, Vieirinha, Petr Jiracek, Felipe Lopes und Ibrahim Sissoko sind nur die feststehende Vorhut einer Armada neuer Gesichter. Bleibt die Hoffnung auf das goldene Händchen.

Frage an den Fachmann

Erneut konnten wir Andreas Pahlmann von der WZ gewinnen. Von ihm wollten wir wissen, welchen Fehler Felix Magath konkret bei der Kaderzusammenstellung für diese Saison gemacht hat und ob er zur Rückrunde sein goldenes Händchen für Neuzugänge wiederfindet?

Andreas Pahlmann: "Felix Magath hat im Sommer Transfers getätigt, die jeder für sich in Ordnung waren. In der Summe aber waren zu viele Spieler dabei, die aufgrund ihres Alters (wie etwa Kyrgiakos, Salihamidzic) oder ihrer Verletzungssituation (wie etwa Hleb, Hitzlsperger) eine sportlich fragwürdige Perspektive hatten.

Schon allein wegen der Menge der Winterzugänge ist die Hoffnung nun groß, dass da der eine oder andere Spieler dabei ist, der dem Verein sofort weiterhilft. Und noch ist nicht auszuschließen, dass er auch im vergangenen Sommer ein goldes Händchen gehabt hat - denn Verpflichtungen wie Rasmus Jönsson (wenn er sich an die Liga gewöhnt), Chris (wenn er seine Form hält) oder Hitzlsperger (wenn er fit wird) könnten sich im Laufe der Rückrunde noch als Volltreffer erweisen."

Prognose

Es wäre gelogen, wenn wie der gesamten Mannschaft die Existenzberechtigung im Oberhaus entziehen würden mit dem Hinweis, sie sei einfach zu schlecht. In der Heimtabelle bekleidet man immerhin Platz sieben und es ist genügend Qualität vorhanden, um noch Plätze gut zu machen. Die Frage wird sein, wie der erneute Umbruch verkraftet wird und ob, wie und wann sich die Mannschaft findet.

Mit dem Abstieg sollte der VfL Wolfsburg aber nichts zu tun bekommen, denn dafür ist der Kader einfach zu gut bestückt. Im nächsten Teil der Bundesliga-Vorschau behandeln wir den 1. FC Kaiserslautern und die genaue Abschlusstabelle der Saison 2011/12 finden Sie dann in der großen Zusammenfassung am Ende der Serie.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

Wissenscommunity