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Bundesliga: Der Tag der Trainer

Zwei Trainer, zwei Spiele: Nach der Nürnberg-Niederlag gegen Hertha hält der Verein weiter zu seinem Trainer Augenthaler. Stuttgart hat Götz sein Trainer Debüt bei den Münchener Löwen verdorben.

Nach einer erneuten desolaten Vorstellung rückt für den 1. FC Nürnberg der sechste Bundesliga-Abstieg immer näher. Beim 0:3 (0:2) gegen Hertha BSC präsentierte sich der "Club" am Sonntagabend völlig chancenlos und bleibt als Tabellen-17. auf einem Abstiegsrang. Michael Preetz (15.), Thorben Marx (40.) und der überragende Marcelinho (85.) erzielten die Tore für die Berliner, die nun als Fünfter einen UEFA-Cup-Platz innehaben.

Ovationen für Augenthaler

Die "Club"-Fans unter den 25 500 Zuschauern im Frankenstadion verabschiedeten ihre Spieler mit gellenden Pfiffen, dagegen wurde Trainer Klaus Augenthaler nach Spielende minutenlang mit Ovationen gefeiert. Der Weltmeister von 1990 bedankte sich in der Fan-Kurve für die Sympathie-Bekundungen: "So etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nie erlebt. Ich weiß nicht, ob ich hier weiterarbeiten kann, aber für euch würde ich es gerne tun." Derweil wischte "Club"-Präsident Michael A. Roth alle Spekulationen über eine Trainer-Ablösung vom Tisch: "Es gibt keinen Trainerwechsel und dabei bleibt es."

Hertha dominierte im Mittelfeld

Gegen einen hilflosen "Club" reichte den Berlinern eine durchschnittliche Leistung zum ungefährdeten Sieg. Die mit der Elf vom 6:0 gegen 1860 München angetretene Hertha dominierte im Mittelfeld nach Belieben und versäumte es nur, ihre Tordifferenz aufzubessern. Allein Preetz hätte im Frankenstadion zum Schützenkönig werden können. Nach dem 1:0, das der 35-Jährige auf Kopfball-Zuspiel von Luizao im Nachschuss erzielte, vergab er weitere gute Möglichkeiten (26./31.), um in der internen Hertha-Torschützenliste am 83 Mal erfolgreichen Erich Beer vorbeizuziehen. Nach dem zweiten Tor durch Marx, der eine Flanke von Marcelinho verwandelte, war die Partie entschieden.

Fragwürdiges Spiel

Wie ein Absteiger präsentierte sich der 1. FC Nürnberg. Obwohl Augenthaler sein Team nach dem 0:5-Debakel in Kaiserslautern auf fünf Positionen verändert und unter anderem Martin Driller und Milorad Petkovic aussortiert hatte, ließ die Elf eine Stunde lang jegliches Aufbäumen gegen das drohende Schicksal vermissen. Mit dem Einsatz von Sasa Ciric als einziger Spitze in der Anfangself hatte der Coach zudem ein im Abstiegskampf fragwürdiges Signal gesetzt. Mit dem Einsatz von Cacau als zweiter Spitze strahlte der "Club" im zweiten Durchgang wenigstens ansatzweise Torgefährlichkeit aus. Der Brasilianer verpasste in der 61. Minute mit einem Flachschuss die bis dahin beste Gelegenheit für die Hausherren. Allerdings zogen sich die Berliner mit dem Vorsprung im Rücken auch weit zurück und lauerten nur noch auf Konter. Einen davon schloss Marcelinho in der Schlussphase mit dem dritten Treffer ab.

Stuttgart verdirbt Trainerdebüt

Indes hat der VfB Stuttgart Falko Götz die Trainer-Premiere beim TSV 1860 München verdorben und hält weiter Kurs auf die Champions League. Die Schwaben kamen am Sonntag vor 28 000 Zuschauern bei den "Löwen" zu einem 1:0 (1:0) und zogen als Tabellen-Dritter (46 Punkte) in der Fußball-Bundesliga wieder mit Meister Borussia Dortmund gleich. Den Treffer zum sechsten Auswärtssieg erzielte Marcelo Bordon (40.). Die Münchner wurden ihren UEFA-Pokal-Ambitionen wieder nicht gerecht. Sie sind seit nun mehr fünf Spielen in Serie ohne Sieg und warten seit 469 Minuten auf ein Heimtor im Olympiastadion.

Tore und Glück fehlten

"Wir haben sehr gut gespielt und verdient gewonnen. Wir hätten aber das eine oder andere Tor mehr machen müssen", sagte VfB-Trainer Felix Magath. "Wichtig war, dass wir gut gestanden haben und diszipliniert waren." Jung-Nationalspieler Benjamin Lauth, der völlig blass blieb, versuchte der Niederlage noch etwas Positives abzugewinnen: "Vor dem Tor fehlte uns das Glück. Aber wir haben gekämpft, darauf können wir aufbauen."

Umbau im Team

Pacult-Nachfolger Falko Götz krempelte das Team im Vergleich zur 0:6-Pleite bei Hertha BSC Berlin vor einer Woche gleich auf vier Positionen um. Not gedrungen stand Michael Hofmann für den verletzten Stamm-Torhüter Simon Jentzsch (Schulterverletzung) zwischen den Pfosten und Michael Wiesinger rückte für den gesperrten Martin Stranzl (Gelb-Rot) in die Startelf ebenso wie Paul Agostino für den verletzten Markus Schroth (Risswunde am rechten Fuß). Überraschend musste Kapitän Marco Kurz Remo Meyer weichen. Auch VfB-Coach Felix Magath hatte seine Mannschaft auf vier Positionen umgebaut.

"Mannschaft wird sich zerreißen"

"Wir wollen das Spiel bestimmen", hatte Falko Götz vor dem Anpfiff noch angriffslustig verlauten lassen und den Fans eine Mannschaft versprochen, "die sich zerreißen wird". Doch von bissigen "Löwen" war bis auf einen Schuss aus der Nahdistanz von Michael Wiesinger (5.) nicht viel zu sehen. Ohne die von Götz geforderte Leidenschaft wirkten die Münchner verunsichert, spielerische Ideen waren Fehlanzeige.

Gäste hatten nichts zu bieten

Doch auch die Gäste hatten außer einem Drehschuss von Viorel Ganea (10.), den der seit knapp zwei Jahren erstmals wieder im Tor stehenden Hofmann ohne Probleme parierte, kaum etwas zu bieten. Der nach 14-tätiger Verletzungspause wieder ins Team gekommene Krassimir Balakov konnte keine Akzente setzen. Etwas überraschend fiel dann die Stuttgarter Führung. Nach einem glänzenden Doppelpass mit Kevin Kuranyi ließ Abwehrspieler Bordon Hofmann bei seinem 2. Saisontor keine Chance. In der zweiten Halbzeit setzte Götz alles auf eine Karte und brachte mit Martin Max und Davor Suker zwei weitere Stürmer. Doch Max (79.) und Daniel Borimirov (86.) konnten ihre Chancen nicht nutzen.

DPA

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