Bundesliga-Kommentar "Kokser" schlägt "Mister"


Kennen Sie Marco Caligiuri? Den Mittelfeldspieler des MSV Duisburg kann man guten Gewissens zum Gewinner des 18. Spieltages hochjubeln - "Kugelblitz" Ailton definitiv nicht.
Von Klaus Bellstedt

Noch vor einer Woche schnürte Caligiuri für den VfB Stuttgart die Schuhe. Allerdings nur in der Regionalliga-Mannschaft, bei Giovanni Trapattoni hatte er keine Chance. Dann der Wechsel auf Leihbasis nach Duisburg, Bundesliga-Debüt ausgerechnet gegen die alten Kameraden - und Schütze des "Goldenen Tores". Von Genugtuung wollte der 21-jährige mit italienischen Wurzeln und deutschem Pass hinterher zwar nicht sprechen, "aber ich freue mich, dass ich in der Liga mithalten kann". "Alles richtig gemacht", mag man dem Sympathikus zurufen.

Und wo wir gerade beim MSV Duisburg sind - und bei den Gewinnern: Trainer-Novize Jürgen Kohler (Spitzname "Kokser") gehört sicher auch dazu. Wer hätte schon gedacht, dass dem Weltmeister von 1990 gleich in seinen ersten 90 Minuten als Bundesliga-Coach der Überraschungscoup des Wochenendes gelingt? Seien wir ehrlich: niemand. Pikant auch, dass Kohler ausgerechnet seinen einstigen Lehrmeister Giovanni Trapattoni (Spitzname "Mister") mit einem neuen taktischen Konzept überrumpelte. "Trap" war von 1991 bis 95 sein Trainer bei Juventus Turin.

"Wehret den Anfängen"

Weiter mit den Siegertypen: Schon am späten Freitagabend durfte sich Roy Makaay als ein solcher fühlen. Nach seinem zwölften Doppelpack beim unspektakulären, aber fast perfekten 3:1-Sieg seiner Bayern bei Borussia Mönchengladbach dürfte das Krisengerede um den bescheidenen Holländer ein Ende haben. In München feiern sie bereits - nein, noch nicht den vorzeitigen Gewinn der Deutschen Meisterschaft - die "Wiederauferstehung des Toptorjägers". Erwähnung finden, müssen an dieser Stelle noch kurz die "Werder-Weicheier" ("Bild"-Schlagzeile nach dem Pokal-Aus im Schnee-Skandalspiel gegen Pauli). Auch die Grün-Weißen dürfen sich als Gewinner fühlen: Mies gespielt, 1:0 auswärts in Bielefeld gewonnen, Platz zwei zurückerobert, HSV hinter sich gelassen und von Uli Hoeneß mächtig gebauchpinselt. "Ich habe immer gesagt, dass Werder Bremen der schwierigste Konkurrent sein wird", ließ der Bayern-Manager am Sonntag via TV verlauten.

Kommen wir zu den Verlieren, von denen es jedes Wochenende im Tollhaus Bundesliga mehr als eine Handvoll gibt. Wir meinen, dass drei reichen - als da wären: der HSV, Klaus Augenthaler sowie der gemeine Hertha-Fan. Die Hamburger, bei denen traditionell nach drei Siegen in Folge von Meisterschaft und Champions League gesprochen wird, haben sich irgendwie selbst in die Bredouille gebracht. "Blinder Aktionismus" nennt man so was wohl. In kürzester Zeit zwei (charakterlich nicht ganz einfache) Spieler verpflichtet, diese sofort in die Startelf verfrachtet und prompt nach einer teilweise desolaten Leistung beim abstiegsbedrohten 1. FC Nürnberg verloren. Damit wir uns richtig verstehen: Die Niederlage ist nicht an den beiden Neuzugängen Ailton und de Jong festzumachen. Das wäre zu einfach. Die Kritik trifft vielmehr Trainer Thomas Doll, der ohne Not die gesunde Struktur einer scheinbar zusammenwachsenden Einheit durcheinander gewirbelt hat - ein fataler Fehler. "Wehret den Anfängen" titelte am Montag bereits der Hamburger Boulevard.

Frierende, frustrierte Hertha-Fans

Apropos Trainer: Auch unter der Regie von Klaus Augenthaler ist beim VfL Wolfsburg die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit nicht kleiner geworden. Die 2:3-Niederlage in Dortmund und der Ärger über die sich anbahnende Trennung von "Diva" Andres D'Alessandro machte alle Hoffnungen auf eine schnelle Trendwende zunichte. In der Bundesliga gibt es derzeit fröhlichere Trainerjobs, als der bei den blutarmen "Wölfen".

Kommen wir zum Schluss noch schnell zu den leidgeprüften Anhängern des Hauptstadtklubs Hertha BSC Berlin. Gegen die "Übermannschaft" von Hannover 96 lagen die Berliner bis zur Nachspielzeit mit 0:1 hinten, ehe Dick van Burik doch noch der Augleich gelang. Den bekam aber nur noch ein Bruchteil der Zuschauer im minus zehn Grad kalten und zugigen Olympiastadion mit. Die Hälfte hatte sich bereits frustriert - ob der drohenden Niederlage - auf den Heimweg gemacht. Im Zweifel hätte sie das späte 1:1 der Hertha aber auch nicht mehr erwärmen können.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker