Reaktionen "Werde bestimmt nicht zum Alkoholiker"


Frust und Freude lagen nicht nur am letzten Bundesligaspieltag eng bei einander, sondern auch bei der WM-Kader-Bekanntgabe von Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Jubel bei David Odonkor und Mike Hanke, Trauer bei Manuel Friedrich und Patrick Owomoyela.

Michael Ballack (DFB-Kapitän): "Die Nominierung von David Odonkor ist eine große Überraschung, weil ja niemand damit gerechnet hat. Er kann aber eine Geheimwaffe sein, weil er eine enorme Schnelligkeit hat. Was weh tut, ist, dass Kevin Kuranyi nicht dabei ist, der ja letztes Jahr ein fester Bestandteil der Mannschaft war.

David Odonkor

(Borussia Dortmund): "Ich freue mich riesig. Das ist eine große Ehre und ein riesiger Ansporn für mich. Ich denke, dass der Bundestrainer in der abgelaufenen Saison sehr aufmerksam das Auftreten der jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs beim BVB registriert hat und dass es mir deshalb noch gelungen ist, in letzter Minute auf den WM-Zug aufzuspringen."

Mike Hanke

(VfL Wolfsburg): "Das ist Freude pur. Ich habe mir vorher keinen großen Stress gemacht, ob ich mitfahre oder nicht. Das ist ein rundum gelungenes verlängertes Wochenende: Erst der Klassenerhalt mit dem VfL und nun die Nominierung. Eingangs dieser Saison hatte ich viel mit dem Verletzungspech zu kämpfen. In der Rückrunde habe ich aber einige wirklich gute Spiele abgeliefert."

Klaus Augenthaler

(Trainer VfL Wolfsburg): "Ich habe gehofft, dass Mike Hanke dabei ist. Ich freue mich für ihn. Er soll die WM genießen, weil es etwas Einmaliges ist. Ich bin überzeugt, dass er zum Einsatz kommen wird."

Manuel Friedrich

(FSV Mainz 05): "Auf Grund meiner konstant guten Leistungen habe ich mir Hoffnungen auf eine Nominierung gemacht. Ich akzeptiere aber die Entscheidung des Bundestrainers, wünsche unserer Nationalmannschaft viel Erfolg bei der WM und stehe bereit, falls ich gebraucht werde."

Christian Heidel

(Manager FSV Mainz 05): "Ich kann diese Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen. Jürgen Klismann ist eingeknickt und hat seinen immer offensiv propagierten Weg verlassen. Der Bundestrainer hat vorgegeben auf Spieler setzen zu wollen, die seiner Spielphilosophie entsprechen, die über Spielpraxis verfügen und die auch fit sind. Manuel Friedrich ist der zweikampfstärkste Spieler der Bundesliga und ein perfekter Systemspieler. Er hat in der abgelaufenen Saison alle 44 Pflichtspiele für Mainz 05 absolviert. Klinsmann hat nun aber Spieler bevorzugt, die kaum über Spielpraxis verfügen."

Patrick Owomoyela

(Werder Bremen): "Ich bin keineswegs sauer auf den Trainerstab, einfach nur riesig enttäuscht. Ich werde deshalb bestimmt nicht zum Alkoholiker. Ich drücke dem Team ganz fest die Daumen und hoffe, dass die Jungs ein Riesenturnier spielen."

Klaus Allofs

(Geschäftsführer Werder Bremen): "Patrick Owomoyela war der erste Wackelkandidat von unseren vier Kandidaten. Dennoch ist es eine große Überraschung, wenn man den Rest des Kaders sieht. Die Äußerungen in der Vergangenheit ließen den Schluss zu, dass die Chancen für Owomoyela groß sind. Deshalb ist es ein großer Schock für ihn. Mein Aufgebot hätte anders ausgesehen."

Thomas Schaaf

(Trainer Werder Bremen): "Wir sind enttäuscht, hätten es gern gesehen, wenn alle vier von uns dabei gewesen wären. Patrick Owomoyela musste offensichtlich dem fünften Stürmer weichen. Ich gehe davon aus, dass Jürgen Klinsmann sich die Möglichkeit offen halten will, zwischen mehreren Spielsystemen wählen zu können. Owomoyela hat Champions League gespielt und dabei fast alle Partien. Das ist anscheinend nicht so bewertet worden."

Rudi Völler

(Sportdirektor Bayer Leverkusen): "Ich freue mich für Jens Nowotny. Nach den starken Rückrunden-Leistungen hat er die Berufung absolut verdient."

Heribert Bruchhagen

(Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt): "Die Stammspieler sind dabei, der grobe Kader steht ja schon länger. Die Nominierung von David Odonkor ist natürlich eine Überraschung. Ihn hatte ich auch nicht auf der Liste. Ich persönlich hätte es Manuel Friedrich gegönnt. Ich habe aber Vertrauen in das Trainerteam, dass es die richtigen Spieler nominiert hat."

Thomas Hitzlsperger

(VfB Stuttgart): "Ich habe immer an meine Chance geglaubt und hart dafür gearbeitet, dass es klappt. Umso glücklicher bin ich nun, dass ich dazu gehöre. Jetzt freue ich mich einfach, dass ich dieses einmalige Erlebnis hautnah erleben kann und werde alles dafür tun, meinen Beitrag zu einem erfolgreichen Abschneiden der Nationalelf zu leisten. Ich hoffe, dass wir sehr weit kommen, will jetzt aber keine Prognose abgeben."

Horst Heldt

(Teammanager VfB Stuttgart): "Da waren einige Überraschungen dabei. Erst einmal freue ich mich, dass wir beim VfB Stuttgart mit Timo Hildebrand und Thomas Hitzlsperger zwei deutsche WM-Fahrer haben. Schade, dass Andreas Hinkel nicht dabei ist. Auch für Kevin Kuranyi, Fabian Ernst und Patrick Owomoyela ist es sehr bitter. Aber Kevin ist ein Stehaufmännchen, der wird sich über kurz oder lang wieder aufrappeln. Ich glaube, mit Odonkor hat gar keiner gerechnet. Der Bundestrainer hat es so entschieden und das ist so zu akzeptieren. Über alles andere sollen sich die Experten die Köpfe heiß reden."

Andreas Müller

(Teammanager Schalke 04): "Natürlich müssen wir diese Entscheidung akzeptieren, weil es allein die Sache des Bundestrainers ist. Aber wir können sie nicht nachvollziehen. Zudem haben sich sowohl Fabian Ernst als auch Kevin Kuranyi in der vergangenen Saison in der Champions League auf dem Niveau bewährt, das dem einer Weltmeisterschaft entspricht. Sie haben ihren Anteil daran, dass wir im UEFA-Cup als einziger deutscher Verein bis ins Halbfinale gekommen sind. Wenn man sich die Torausbeute in Länderspielen in der Amtszeit von Jürgen Klinsmann ansieht, spricht die ganz klar für Kevin. Im Trikot von Schalke 04 werden Fabian und Kevin beweisen, dass die heute verkündete Entscheidung die falsche war."

Theo Zwanziger

(DFB-Präsident): "Als ich den Kader vorab übermittelt bekam, habe ich mich riesig gefreut über die Nominierung von David Odonkor. Ich sehe in ihm einen jungen, talentierten Spieler, der mit seiner enormen Schnelligkeit und Spielfreude in ganz besonderen Situationen sehr weiterhelfen kann. Er hat eine andere Spielanlage als die anderen Stürmer. Da zeigt sich, dass Jürgen Klinsmann sich ganz bestimmte Spielsituationen bei der WM schon vorstellen kann."

DPA/Reuters DPA Reuters

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