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Bundesliga: Die Schiedsrichter helfen mit

Kaiserslautern freut sich über ein Remis in Berlin: Denn gleich zwei Tore hat das Schiedsrichter-Gespann Hertha aberkannt. In Nürnberg sorgt ein Elfmeter-Krimi für Spannung.

Hertha BSC hat auf dem Weg zurück in das internationale Fußball-Geschäft zwei wichtige Punkte verspielt - und Berlins Trainer Falko Götz fühlt sich betrogen. "Das kann man so sagen. Ich unterstelle zwar keine Absicht, aber zwei Tore nicht zu geben, ist schon heftig", beschwerte sich der Hertha-Coach. Zwar rettete Joker Alexander Madlung mit einem späten Tor (85.) wenigstens ein 1:1 (0:0) gegen den 1. FC Kaiserslautern. Doch zwei weiteren regulären Treffern von Giuseppe Reina (54.) und Nando Rafael (77.) verweigerte der schwache Schiedsrichter Peter Gagelmann wegen angeblicher Abseitsstellung die Anerkennung.

Schiedsrichter gibt Fehler zu

Der Franzose Lucien Mettomo hatte die Lauterer vor 35.814 Zuschauern im Berliner Olympiastadion in Führung geschossen (50.). Der eingewechselte Maldung glich wie schon im November im Heimspiel gegen Bremen in der Schlussphase aus. "Ich bin froh, dass wir das Tor noch gemacht haben, und das es gegeben wurde. Wir hätten auch noch einen Elfmeter bekommen können", kommentierte Götz. "Wenn man zwei reguläre Tore nicht gibt, kann man auch nicht gewinnen", schimpfte auch Niko Kovac. Gagelmann gab später seine Fehler zu: "Es war sehr knapp. Erst im Standbild hat man gesehen, dass es in beiden Situationen kein Abseits war."

"Durch die ganze Diskussion wird unsere absolut gute Leistung geschmälert", erklärte FCK-Trainer Kurz Jara und ergänzte: "Wir haben den Punkt nicht gestohlen oder geschenkt bekommen, sondern absolut verdient." Die Gäste standen in der Defensive gut, ließen jedoch lange den Druck auf das gegnerische Tor vermissen. Die Elf von Jara war allerdings auch stark ersatzgeschwächt. Jung-Nationalspieler Marco Engelhardt und Ingo Hertzsch waren Gelb-gesperrt, Ex-Nationalstürmer Carsten Jancker fehlte wegen eines Muskelfaserrisses.

Elfmeter-Krimi in Nürnberg

In einem beispiellosen Elfmeter-Krimi hat der 1. FC Nürnberg seine Talfahrt in der Fußball-Bundesliga vorerst stoppen können. Durch einen von Robert Vittek verwandelten Strafstoß (89.) erkämpfte der zuletzt vier Mal in Folge besiegte Aufsteiger am Sonntagabend beim 2:2 (0:0) gegen Borussia Dortmund zumindest einen Zähler, fiel aber in der Tabelle dennoch auf Rang 15 zurück. In einer turbulenten Schlussphase, in der Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) zeitweise völlig den Überblick verlor, hatte Tomas Rosicky (85.) den BVB mit einem ebenfalls zweifelhaften Elfmeter in Führung gebracht.

Vor 28.106 Zuschauern im Frankenstadion war Marek Mintal (76.) mit seinem 19. Saisontreffer der Ausgleich gelungen, nachdem Christian Wörns (62.) die Dortmunder in Führung gebracht hatte. Den ersten Heimsieg für die Nürnberger seit dem 6. November (4:0 gegen Wolfsburg) vergab ausgerechnet Mintal, der in der 66. Minute mit einem umstrittenen Foulelfmeter an BVB-Keeper Roman Weidenfeller scheiterte. In der Schlussphase eines hektischen Spiels sah der Nürnberger Mario Cantaluppi wegen Reklamierens die Gelb-Rote Karte.

"Der reine Wahnsinn"

"Das war der reine Wahnsinn. So ein Spiel habe ich noch nie erlebt. Wir haben heute eine Supermoral gezeigt", sagte Nürnbergs Kapitän Tommy Larsen nach der von Schiedsrichter-Entscheidungen maßgeblich beeinflussten Partie. Dortmunds Torschütze Wörns bekannte: "Alle drei Elfmeter waren nix. So etwas wie in den letzten 20 Minuten habe ich selten erlebt."

Nach vier Niederlagen in Folge und schon 17 Gegentoren in der Rückrunde präsentierten sich die Nürnberger gegen ihren Angstgegner völlig verunsichert. Nach druckvollem Beginn und vergebenen Chancen von Vittek (3.) und Pekka Lagerblom (5.) verlor der "Club" zusehends die Kontrolle über das Spiel und baute die keineswegs überzeugenden Gäste mit zahlreichen Abspielfehlern regelrecht auf. Zur Pause konnten sich die Hausherren vor allem bei ihrem dritten Torwart Dirk Langerbein bedanken, dass sie ohne Gegentor geblieben waren.

Der in der Winterpause vom MSV Duisburg geholte Schlussmann, der für den verletzten Ersatzkeeper Daniel Klewer sein Bundesliga-Debüt zwischen den Pfosten feierte, reagierte zwei Mal gegen Ewerthon (21./41.) per Fußabwehr prächtig und verhinderte einen Rückstand. Der Brasilianer wirkte bei seinem ersten Einsatz in der BVB-Startelf seit dem 11. Dezember spritzig und war im Angriff ein gleichwertiger Ersatz für den wegen einer Lungenentzündung fehlenden Jan Koller.

Mit neuem Schwung, aber nach wie vor wenig Übersicht starteten die Franken in den zweiten Durchgang, in dem Markus Daun (50.) die bis dahin größte Chance zur Führung vergab. Der Ex-Bremer scheiterte aus bester Schussposition an Torhüter Roman Weidenfeller. Wenig später köpfte Vittek (60.) den Ball aus drei Metern über das BVB-Tor. Wie Tore erzielt werden, wurde den Gastgebern von Wörns demonstriert, der aus 18 Metern traf. Der "Club" wusste zunächst nicht einmal ein Elfmeter-Geschenk von Gräfe zu nutzen, der nach einem Haltegriff von Wörns gegen Daun vor dem Strafraum auf den Punkt zeigte.

Gerd Münster und Jens Mende/DPA / DPA

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