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Bundesliga: Es gibt keine Heiligen Kühe mehr

Relegationsspiele, Abschaffung der Winterpause, Öffnung der Clubs für Investoren - vor dem Start der Bundesliga-Saison werden viele Fragen diskutiert. Die Deutsche Fußball Liga bastelt bereits an vielen neuen Ideen.

"Das betrifft alles", erklärte Ligapräsident Reinhard Rauball kurz nach seiner Wahl in Berlin. Schon in der Saison 2008/2009 wird es wieder die Abstiegs-Relegation zwischen der Ersten und Zweiten sowie der Zweiten und der dann neu eingeführten Dritten Bundesliga geben. Die Grundsatz-Entscheidung dazu hat die DFL bereits abgesegnet, die Zustimmung des DFB- Bundestages steht noch aus. "In Zeiten der Globalisierung und zunehmender Professionalisierung müssen wir Dinge auch von anderen Seiten beleuchten", deutete Rauball neue Wege an.

Diese neuen Wege werden vor allem die Spielplan-Gestaltung und die TV-Vermarktung betreffen. Selbst der bisher für die Amateure reservierte Sonntagnachmittag ist für die Bundesliga keine "heilige Kuh" mehr. "Wir müssen auch darüber nachdenken, ob der noch exklusiv für den Amateurfußball sein kann", bemerkte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Die Clubs wollen aus dem ab diesem Herbst zu verhandelnden und ab 2009 gültigen neuen TV-Vertrag mehr erlösen als die derzeitigen 440 Millionen Euro pro Saison. Vor allem das Pay-TV als größter Zahler wird den Spielplan dafür noch mehr bestimmen wollen.

Wird die Winterpause abgeschafft?

Verstärkt in die Diskussion kommen auch wieder die Winter- und Sommerpause, der Liga-Cup sowie der DFB-Pokal. Als erster Schritt müsste laut Rummenigge zum Beispiel der DFB-Pokal für sich allein vermarktet werden. Bisher werden die Rechte dafür zusammen mit denen für die Nationalmannschaft, die Regionalliga und den Frauen-Fußball vergeben. Auch ein einheitlicher Liga-Spielball soll wie schon in Spanien, England und Italien weitere Marketing-Erlöse bringen.

Zudem könnten sich die Vereine dem Kapital-Markt noch mehr öffnen, damit die Clubs im internationalen Wettbewerb wieder enger an die Spitze rücken. Rummenigge sieht die Investitionen der Bayern in Top- Spieler wie Toni und Ribery schon jetzt als Zeichen dafür, was dieser Kurs in Deutschland für einen Hype auslösen kann. "Und wir brauchen diesen Hype in der ganzen Liga."

Mehr Investoren durch bessere Spiele

Für Joachim Löw ist die sportliche Qualität das entscheidende Kriterium. "Dass die Liga auf ein insgesamt neues Niveau kommt, hängt ja nicht mit den Spielplänen oder einer Reform im Liga-Cup zusammen", erklärte der Bundestrainer. Reformpläne ja, aber sie seien nur der Eingriff in die organisatorischen Formen. "Aber die Qualität der Liga hängt vor allem davon ab, wie in den Vereinen gearbeitet wird, wie die Ausbildung abläuft", betonte Löw. Durch eine attraktive, mutige Spielweise könnten auch mögliche Investoren an Land gezogen werden.

Wie attraktiv ist die Liga? Was hat die Liga für Spieler? Wie läuft die Nachwuchs- und Trainerausbildung? Wie werden einzelne Vereine geführt? Das seien die entscheidenden Fragen. "Da können wir den Anschluss schaffen", bemerkte Löw. Dazu kommt die fortschreitende Spezialisierung. "Das ist ja alles bei uns belächelt worden. Doch der Trainerstab muss noch professioneller und spezialisierter sein. Es müssen Leute da sein, die die Spieler individuell und umfassend betreuen, ihnen alles abverlangen. Dann wird sich die Qualität auf jeden Fall verbessern."

Jens Mende/DPA / DPA

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