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Bundesliga: HSV ist erster Bayern-Jäger

Nach einem 1:1 im 83. Nordderby des HSV gegen Werder Bremen gehen die Hamburger als erster Bayern-Verfolger in die Winterpause der Fußball-Bundesliga. Herbstmeister sind die Bayern mit unschlagbaren 44 Punkten.

Dank der glücklichen Hand von HSV-Trainer Thomas Doll holten die Hanseaten von der Elbe am Sonntag in einem packenden 83. Nordderby ein 1:1 (0:1) und überwintern mit sechs Punkten Rückstand hinter Rekordmeister München auf Platz zwei der Tabelle. Nachdem "Kunstschütze" Johan Micoud (45.+1) sieben Minuten nach seinem verschossenen Elfmeter die Führung erzielt hatte, glich der gerade erst eingewechselte Mustafa Kucukovic (67.) aus und sicherte dem HSV vor 42 100 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion wie im Vorjahr das verdiente Unentschieden. Werder liegt nach der Punkteteilung im Duell der Gegensätze zwischen bester Abwehr der Liga und bestem Sturm nun bereits acht Zähler hinter dem Spitzenreiter und hat sich als Dritter vorerst aus dem Titelrennen verabschiedet.

83. Nordderby freut die Bayern

"Es war alles drin, was ein Derby zu bieten hat", sagte Doll. "In der ersten Halbzeit waren wir überhaupt nicht präsent. Danach sind wir gut zurück gekommen. Schlechter konnte es aber ja auch nicht gehen." Dolls freundschaftlich verbundener Kollege Thomas Schaaf war natürlich ärgerlich: "Wir haben ein Klassespiel gemacht und hätten 4:0 führen müssen. Und dann haben wir es in der zweiten Halbzeit zugelassen, dass der HSV wieder ins Spiel kommt."

Der mit 45 Toren beste Sturm der Liga machte es sich gegen die sicherste Abwehr selbst schwer. Chance um Chance arbeiteten die Bremer zwar heraus, aber die Führung wollte gegen die erstaunlich offensivschwachen Hamburger nicht gelingen. Ob Klose, Valdez, Frings oder Micoud - HSV-Keeper Sascha Kirschstein machte alles zunichte, was auf sein Tor kam. Nur ein Mal war der Wächter-Ersatz überhaupt nicht im Bilde: Statt den Ball im Zweikampf mit Miroslav Klose aufzunehmen, ließ er den Nationalspieler an der Grundlinie ziehen und riss den einschussbereiten Stürmer auch noch von den Beinen.

Kirschstein korrigierte Fehler

Aber beim Elfmeter machte Kirschstein seinen Fehler prompt wett. "Le Chef" Micoud musste schießen, weil der an der Leiste operierte Tim Borowski weiterhin fehlte. Verteidiger Christian Schulz war ebenso nicht dabei wie der grippekranke Frank Fahrenhorst. Trainer Thomas Schaaf ersetzte sie durch Leon Andreasen bzw. Petri Pasanen.

HSV-Trainer Thomas Doll, der weiterhin auf Rafael van der Vaart und auch Emile Mpenza verzichten musste, konnte sich trotz des kurzfristigen Ausfalls von Khalid Boulahrouz auf seine mit nur acht Gegentoren in dieser Saison beispielhafte Verteidigung verlassen. In der Offensive stand dagegen nur ein Freistoß von Piotr Trochowski zu Buche. Werder bescherte erst eine so genannte Standardsituation die Führung: Micoud zirkelte einen Freistoß in der ersten Minute der Nachspielzeit über Kirschstein und Daniel van Buyten hinweg ins Tor.

Auch Hertha spielte 1:1

In ihrem 33. Pflichtspiel der Saison traten die Hamburger nach der Pause weit engagierter auf. Es entwickelte sich ein munterer und intensiv geführter Schlagabtausch, in dem die Bremer durch Frings nach einem groben Schnitzer von David Jarolim die Chance zum 2:0 (57.) vergaben. Eine Klasseparade zeigte Andreas Reinke zehn Minuten später, als er einen Kopfball von Sergej Barbarez, der später seine fünfte Gelbe Karte kassierte, abwehrte. Doll hatte Takahara und Kucukovic eingewechselt - und lag damit goldrichtig, wie der gerechte Ausgleich bewies.

Ebenfalls 1:1 endete das zweite Sonntag-Spiel in Berlin. Ivan Saenko (55.) ließ den 1. FC Nürnberg lange auf den ersten Sieg bei Hertha BSC seit 1991 hoffen, doch Alexander Madlung (86.) verhinderte den Erfolg von "Club"-Coach Hans Meyer an alter Wirkungsstätte. Dennoch hat Meyer bei seiner Rückkehr nach Berlin einen wichtigen Punkt entführt. Der neue Trainer des 1. FC Nürnberg blieb mit seinem Team am Sonntag im Olympiastadion beim 1:1 (0:0) gegen seinen Ex-Verein auch im dritten Auswärtsspiel mit den Franken ungeschlagen. Während der "Club" mit zwei Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge überwintert, bleibt Hertha nach Abschluss der Hinrunde auf Platz fünf, verlor aber den Anschluss nach oben.

Kovac-Treffer nicht anerkannt

Nach der Führung durch Iwan Saenko (55.) sah es vor 30.149 Zuschauern lange nach einem Nürnberger Sieg aus, doch Alexander Madlung rettete mit seinem Kopfball-Tor in der 86. Minute einen Punkt für die Berliner. Trainer-"Fuchs" Meyer - 2004 rettete er die Berliner vor dem Abstieg aus der Bundesliga - hatte seine Mannschaft taktisch hervorragend eingestellt und in Torhüter Raphael Schäfer einen starken Rückhalt. Die Berliner hätten schon früher den Ausgleich erzielen können, doch Schiedsrichter Babak Rafati erkannte einen regulären Treffer von Niko Kovac (58.) nicht an.

Bei Hertha konnten Yildiray Bastürk und Marko Pantelic trotz Leistenproblemen auflaufen. Damit entspannte sich die Personalsituation, denn die Berliner mussten auch den gelb-rot- gesperrten Spielmacher Marcelinho und die verletzten Abwehrspieler Josip Simunic und Dick van Burik ersetzen. Für die erfahrenen Manndecker rückten die jungen Madlung und Christopher Samba in die Innenverteidigung, doch sie machten gegen die in der Offensive ersatzgeschwächten Nürnberger nicht den sichersten Eindruck.

Michael Rossmann/DPA / DPA

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