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Bundesliga im Check: SC Freiburg: In der Ruhe liegt die Kraftlosigkeit

Typisch Freiburg: Trotz einer zum Teil heiklen Saison bleibt man im Breisgau gelassen. Obwohl der Abstieg nur knapp vermieden wurde, hat sich beim SC nicht viel getan. Das könnte zu einem großen Problem werden.

Von Daniel Barthold

Was ist neu?

Nicht viel. Nur Jan Rosenthal - kam für 550.000 Euro von Hannover 96 - und Maximillian Nicu - ablösefrei vom Absteiger Hertha BSC - sind namhafte Spieler. Allerdings spielten beiden in ihren Klubs eine schwache Saison. Mit ihrem besten Torschützen Mohammadou Idrissou, der nach Gladbach gewechselt ist, und Du-Ri Cha, der ab sofort in Schottland für Celtic Glasgow spielt, verloren die Breisgauer zudem zwei wichtige Spieler, die zuletzt zu den stärksten im Kader gehörten.

Was ist gut?

Das Umfeld ist das große Plus der Badener. Kein Verein in der Bundesliga ist so gelassen wie der SC Freiburg. Selbst als man in der vergangenen Saison in arge Abstiegsnöte geriet, bewahrten Trainer Robin Dutt und Sportdirektor Dirk Dufner Ruhe. Mit Erfolg: Freiburg hielt die Klasse. Zudem stehen die Fans voll hinter der Mannschaft, wenden sich auch in Krisenzeiten nicht von ihr ab und verzichten auf dumme Sitzblockaden. Eine derartige Harmonie ist mittlerweile äußerst selten im Profi-Fußball.

Sportlich gesehen kann Papiss Demba Cissé die Rolle von Idrissou im Angriff übernehmen. Spieler wie Ivica Banovic oder Heiko Butscher haben Erfahrung. Im Kollektiv kann Freiburg die nötigen Punkte im Abstiegskampf holen. Durch die gute Jugendarbeit rücken zudem immer wieder neue Spieler nach. Auch in diesem Jahr nominierte Robin Dutt zwei Akteure aus der zweiten Mannschaft.

Was ist schlecht?

Unter dem Strich wurde die Mannschaft kaum verstärkt. Das birgt Gefahren. Schon in der vergangenen Saison kamen die Freiburger nur schwer aus einer Krise. Zwischen Ende September und Ende März gelang kein einziger Heimsieg. Dies sind Momente, in denen man Führungsspieler und Einzelkönner braucht, die ein Team mitziehen können. Doch diesen Spielertyp sucht man beim SC Freiburg vergebens. Ausschließlich über die Mannschaftsleistung können die Breisgauer erfolgreich sein.

Außerdem ist die Mannschaft im Angriff zu dünn besetzt. 35 Tore in der Saison 2009/2010 waren eine abstiegsreife Quote - und da war Idrissou noch im Kader, der allein neun Treffer beisteuerte.

In der Ruhe liegt in Freiburg zudem nicht immer die Kraft, sondern häufig auch das Gegenteil. Bei früheren Abstiegen ergaben sich die Badener sang- und klanglos in ihr Schicksal und spielten ihren gepflegten Stiefel runter. Es fehlten Charaktere, die das Team wachrüttelten. Und es fehlt offenbar auch der Ehrgeiz, sich mit allen Mitteln in der 1. Liga zu etablieren. Freiburg war in der Vergangenheit oft unfähig, den Schalter von nettem Kombinationsfußball auf Kampf voll Schweiß und Tränen umzulegen. Das könnte auch diesmal passieren.

Was ist möglich?

In Freiburg gibt es nur ein Ziel: in der Liga bleiben. Das wird schwierig, denn der Kader ist nur bedingt bundesligatauglich. Kann Cissé Idrissou adäquat ersetzen und steht die Mannschaft kompakt, ist Platz 15 oder wenigstens der Relegationsplatz drin. Die Truppe ist eingespielt, Hektik und Nervosität wird im Schwarzwald kaum ausbrechen. Doch gerät der SC in den Abstiegsstrudel wird es vor lauter Gelassenheit sicherlich schwer, den Hebel umzulegen. Freiburg steht vor einer ganz schweren Saison.

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