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Bundesliga: Schalke vor unruhigen Wochen

In der Bundesliga sind zwar erst fünf Spieltage vorüber, aber auf Schalke brennt jetzt schon der Baum.

Von Klaus Bellstedt

Sportliche Stagnation, öffentliche Kritik am Trainer, Alkoholismus-Vorwürfe gegen den Manager: Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass sich über dem Westen der Fußball-Republik, genauer gesagt über dem Gelsenkirchener Stadtteil Buer, ein gewaltiges Unwetter zusammenbraut. Gerade einmal fünf Spieltage ist die neue Saison alt und schon liegen die Nerven bei Schalke 04 blank. Aber der Reihe nach.

Die Königsblauen haben in der Liga zwar noch nicht verloren, aber nach dem zweiten Heimremis in Folge beim 0:0 gegen Hertha BSC Berlin am Sonntagabend hinkt der selbsternannte Titelanwärter den enteilten Bayern und Bremern bereits hinterher. Sollte das Auswärtsspiel in Nürnberg unter der Woche nicht erfolgreich gestaltet werden, dann droht gar der Absturz ins Nirwana. Während die Münchner humorlos und effektiv von Sieg zu Sieg eilen und die nur so vor Spielwitz sprühenden Werderaner scheinbar mühelos dem Spitzenreiter folgen, sucht der FC Schalke 04 im Spätsommer 2005 immer noch nach seiner Form.

Lincoln noch kein Heilsbringer

Gegen eine über zwei Drittel der Spielzeit dezimierte Hertha-Elf wurde - wie schon bei der 0:1-Niederlage in der Chamions-League beim PSV Eindhoven - deutlich, woran es den Spielern von Coach Ralf Rangnick derzeit fehlt: am mangelnden Selbstvertrauen. 65 Minuten in Überzahl reichten nicht, um das Abwehrbollwerk der keineswegs brillant verteidigenden Berliner zu knacken. Der Vizemeister rannte meist kopflos an, und wenn sich dann doch Torchancen ergaben, wurden die überhastet vergeben. Führungsspieler wie Bordon, Kapitän Sand oder Ernst wären in so einer Situation gefordert gewesen, aber sie scheuten die Verantwortung.

Jene wurde wie so oft dankbar auf den schmalen Schultern des Brasilianers Lincoln abgeladen. Und der war damit hoffnungslos überfordert. "Wir zahlen noch immer den Preis für die Sperre von Lincoln, Spielverständnis und Harmonie sind auf der Strecke geblieben", meinte hinterher ein nach Ausreden ringender Ralf Rangnick. Wohl wissend, dass die eigentlichen Gründe für die sportliche Krise woanders liegen: Manager Assauers via TV geäußerte Mannschaftsschelte ("Katastrophe") in der Halbzeit der Champions-League-Partie gegen den holländischen Meister PSV Eindhoven (0:1) hat dem sensiblen Coach nämlich überhaupt nicht geschmeckt.

Eiszeit zwischen Manager und Trainer

Die überzogene Kritik des egozentrischen Managers hat nicht nur ein mediales Dauerfeuer auf die Mannschaft ausgelöst, sondern auch für reichlich Aufregung im engeren Vereinsumfeld gesorgt. "Er ist lange genug dabei, um zu wissen, welche Auswirkungen seine Worte auf die Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Trainer haben", klagte Rangnick in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Richtung Assauer. "Wenn der Manager von einer Katastrophe spricht, wird das nur gegen den Coach verwendet, nach dem Motto: "Da stimmt doch was nicht." So etwa nennt man wohl 'unnötig losgetretene Trainerdiskussion'.

Seitdem herrscht zwischen Assauer und Rangnick Funkstille, und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis es zwischen den beiden Machtmenschen zum großen Knall kommt. Wer die Mechanismen bei den Königsblauen kennt, der weiß, wer von beiden am längeren Hebel sitzt. Und als hätten die Schalker damit nicht schon genug Probleme, wurde der zuletzt gesundheitlich angeschlagene Manager am Sonntag in der DSF-Talkrunde "Doppelpass" von Moderator Wontorra verdächtigt, ein Alkohol-Problem zu haben. Das DSF hat sich inzwischen bei Rudi Assauer entschuldigt und spricht von einem "Alleingang Wontorras". Nichts wünscht man sich bei den Knappen lieber, als möglichst schnell zur Tagesordnung zurückzukehren. Aber das wird dauern, jede Wette.

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