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Bundesliga-Teamcheck: Eintracht Braunschweig: Die Rückkehr der Löwen

Wer wird Meister, wer steigt ab? In knapp zwei Wochen startet die Fußball-Bundesliga in ihre 50. Saison. stern.de testet die Form aller 18 Mannschaften. Den Anfang macht Eintracht Braunschweig.

Von Volker Königkrämer

Fast drei Jahrzehnte war der Deutsche Meister von 1967 weg von der Bühne Bundesliga. Pünktlich zur Jubiläumssaison sind die Löwen aus Niedersachsen zurück - wenn auch wohl nur für ein Jahr.

Was ist neu?

Als erstes natürlich: die Liga. 28 Jahre lang dümpelte Eintracht Braunschweig, Gründungsmitglied und 1967 Meister der Fußball-Bundesliga, in den Niederungen des Profifußballs. Jetzt endlich gelang die Rückkehr ins Oberhaus - und eine ganze Stadt steht kopf.

Neu sind bislang auch fünf halbwegs namhafte Einkäufe. Von ihnen verfügen jedoch lediglich Thorsten Oehrl (Augsburg) und Marco Caliguri (Mainz) über Erfahrung in der höchsten deutschen Spielklasse. Dazu kommen der kanadische Offensivmann Simeon Jackson, Jan Hochscheidt aus Aue und Verteidiger Timo Perthel aus Duisburg.

Was ist gut?

Der Trainer. Thorsten Lieberknecht ist seit 2008 im Amt. Seitdem hat er - gemeinsam mit Manager Marc Arnold - sein Team aus lauter Nobodys geformt und Stück für Stück besser gemacht. Erst gelang die Konsolidierung in Liga drei, dann 2011 der Aufstieg in die 2. Liga und nun - als Dark horse, das niemand auf der Rechnung hatte - der überraschende Sprung nach ganz oben. Welche Wertschätzung Lieberknecht als Trainer genießt, wird auch daran deutlich, dass sich Werder Bremen intensiv um ihn als Nachfolger von Thomas Schaaf bemüht haben soll. Das Gerüst des Teams spielt bereits über Jahre zusammen. Abwehrchef Deniz Dogan ist seit 2007 dabei, Dennis Kupke kam 2008, Aufstiegsheld Damir Vrancic 2009. Die Mannschaft hält zusammen, keiner schert aus, niemand stellt sein Ego über das Team. Ganz sicher wird die Euphorie die Mannschaft über die ersten Spieltage hinweg tragen. Jeder in der Stadt spürt, was Trainer Lieberknecht in dem Satz zusammenfasst: "Die Bundesliga ist ein ganz großes Geschenk für uns."

Was ist schlecht?

Torjäger Domi Kumbela war in der zweiten Liga eine Bank. Seine 19 Treffer garantierten den Aufstieg. Nach einer schweren Verletzung (Sehnenabriss im Oberschenkel) kämpft er derzeit um den Anschluss. Die ersten Wochen der Bundesliga-Saison dürfte der kongolesische Nationalspieler verpassen. Eine klare Schwächung für den Aufsteiger.

Generell muss man fürchten: Der Mannschaft fehlt es an Qualität. Die Zugänge sind solide - mehr aber auch nicht. Thorsten Oehrl hat in Augsburg zuletzt keine Bäume ausgerissen, Marco Caliguri muss erst beweisen, dass er als Neuzugang gleich eine Führungsfigur werden kann.

Problematisch bleibt auch die Fankultur an der Hamburger Straße. Keine Missverständnisse: Die überwiegende Mehrheit der Braunschweiger Fans sind Fußballfreunde im besten Sinne - gleichwohl gehört die Eintracht zu den Vereinen, die immer wieder durch Aktivitäten von Nazi-Hools Schlagzeilen produzieren.

Was ist möglich?

Ganz sicher: stimmungsvolle Lokalderbys gegen die etablierten Nachbarn aus Hannover, Wolfsburg und Bremen. Ansonsten muss man ehrlicherweise sagen: nicht viel. Von der ersten Bundesligaminute an geht es für Braunschweig gegen den Abstieg. Vieles erinnert an das Schicksal von Greuther Fürth. Auch dort versuchte man sich mit einem ambitionierten Trainer und einer Truppe aus Zweitligaspielern am Wunder Klassenerhalt. Das Resultat ist bekannt: Abstieg ohne einen einzigen Heimsieg. Zumindest die einen oder anderen drei Punkte zu Hause trauen wir den Braunschweigern gern zu. Am Ende bleibt aber doch nur der bittere Gang zurück in Liga 2.

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