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Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga Drei Mann im Keller: Magath, Daum und Favre


Magath, Favre oder Daum - der Letzte macht das Licht aus: Bei einem der drei "Retter" wird das Projekt Nichtabstieg am Samstag scheitern. 1. Kandidat ist Daum: Dass ihm mit der Eintracht bei Dortmunds Meisterparty die Rettung gelingt, kann sich niemand vorstellen.

Tag der geplatzten Hoffnungen: Einer der vermeintlichen Heilsbringer in Frankfurt, Mönchengladbach und Wolfsburg erlebt am 34. Spieltag am Samstag ein böses Erwachen. Momentan spricht alles für Christoph Daum als großen Trainer-Verlierer der Fußball-Bundesliga. Lucien Favre und Felix Magath könnten mit dem Schrecken davonkommen.

Dabei stand Frankfurt zu Beginn fast Kopf: Wie ein Prophet erschien Daum Ende März der zuletzt biederen Eintracht. Jemand, der die verunsicherten Spieler mitreißen, den Schalter im Kopf der Profis umlegen sollte. Zurück zu Höhenflügen.

Aber die Eintracht stürzte weiter ab, Daum brachte nicht die Wende. Das größte Problem der Eintracht konnte er nicht beheben. Die Offensive blieb harmlos. Den verhinderten Torjäger Theofanis Gekas lokalisierte Chefanalytiker Daum in einem "Denkgefängnis" und schlug als Therapie eine "neurolingusitische Programmierung" vor. Schon sollte der Grieche wieder treffen, nur er traf nicht. Die ganze Eintracht netzte in sechs Spielen nur dreimal ein. Gekas zuletzt bezeichnenderweise beim letzten Spiel unter Vorgänger Michael Skibbe zum 2:1 gegen St. Pauli und zum letzten Frankfurter Dreier. Womöglich programmierte Daum in der falschen Sprache.

Taktisch landete er oft im alten System - das 0:3 beim FSV Mainz 05 war trauriger Höhepunkt. Es versetzte die Eintracht auf den 16. Platz und die Fans in Raserei. Daums Aus scheint unabhängig vom Spiel bei Borussia Dortmund besiegelt. Er selber gibt zu: Seine Zeit in Frankfurt war auch für ihn ein sportliches "Negativerlebnis".

Favre macht Gladbachs größte Schwäche zur Stärke

Im Gegensatz dazu wird Lucien Favre gerne an die zurückliegenden Wochen in Mönchengladbach denken. Der 53 Jahre alte Schweizer hatte die Borussia nach dem 22. Spieltag übernommen und nutzte die Zeit, Gladbachs größte Schwäche zur Stärke umzuwandeln: die Defensive.

Unglaubliche 56 Tore hatten die "Fohlen" bis dahin kassiert – fast doppelt so viele wie die Eintracht (29) oder Wolfsburg (31) zur selben Zeit. Unter Favre bekam Gladbach nur acht Gegentreffer, die Wölfe 16, Frankfurt 17. Steht gegen den Hamburger SV zum vierten Mal in Serie die "Null", wäre der Rekord aus der Saison 1975/76 geknackt.

Favre gilt als Taktiker, hatte vor der ersten Trainingseinheit alle Borussia-Profis zumindest auf DVD studiert. Es macht den Eindruck, dass da jemand wusste, was in Mönchengladbach zu tun war - und es umgesetzt hat: Nach nur zwölf Spielen unter ihm könnten die Fohlen die Saison als fünftbeste Rückrundenmannschaft abschließen.

Geschlossenheit und Disziplin im Abstiegskampf

Der Klassenverbleib ist auch für Felix Magath und den VfL Wolfsburg eigentlich Normalität. Für Gegner 1899 Hoffenheim geht es um nichts - allein, die Wölfe mit ihrem gewaltigem Potenzial sind in ihren Schwankungen so unberechenbar wie 1899. So musste Magath das wenig strukturierte Wolfsrudel auf Linie bringen. Den Individualisten beibringen, dass Geschlossenheit und Disziplin im Abstiegskampf mehr zählen als Ego und Verträge.

Methode Magath in diesem Fall: Rauf auf den Hügel und die Spieler spüren lassen, wer am längeren Hebel sitzt. Per Brief ließ er sie wissen, dass ihre Verträge nun auch für die 2. Liga galten. Klare Botschaft: Es ist doch besser, in der ersten, als in der zweiten Liga zu spielen.

Das dürfte angekommen sein. Selbst Spielmacher Diego hat gelernt, dass Magath bei taktischen Auswechslungen keinen Wert auf persönliche Befindlichkeiten legt. Und nach zuletzt schwachen Leistungen droht sogar WM-Held Arne Friedrich beim Saisonfinale die Bank.

jas/DPA DPA

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