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Bundesliga im stern-Check: Fünf Thesen zum Wahnsinnsspiel von Dortmund

Was ein Spiel! Fußball-Deutschland fragt sich: Wozu braucht irgendwer die Superliga? Der BVB ringt die Bayern in einem atemberaubenden Match nieder. Was das für die Liga bedeutet.

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So liefen die Spiele der Bundesliga

Hier finden Sie alle Ergebnisse, Tabellen und Highlights im Überblick.

Normalerweise berichten wir an dieser Stelle in fünf Kategorien über die wichtigsten Geschehnisse des Fußballwochenendes. Aus gegebenem Anlass widmet sich der stern-Check in dieser Woche allerdings ausschließlich dem Topspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München. Weil es einfach ein solches Fußballfest war, dass wir nur darüber sprechen wollen.

Aufreger der Spieltags

Zum Aufregen ist das, was der BVB Woche um Woche seinen Fans zumutet - und zwar die gute Art von Aufregung. Sie kämpfen bis zum Umfallen, sie kommen zurück, wenn sie hinten liegen, sie gewinnen in letzter Sekunde. Das Spiel gegen die Bayern war ein weiteres in dieser spektakulären Reihe und mit Abstand das beste bisher. Zweimal schoss Lewandowski die Bayern in Führung, zweimal glich ein bärenstarker Reus aus, ehe Alcácer die Entscheidung besorgte. Dortmund spielte in Durchgang zwei, als würden sie immer fitter werden, während der Gegner abbaute. Bei Ballgewinn setzte sich die gelbe Kontermaschine in einem atemberaubenden Tempo in Bewegung, hätte sogar noch das ein oder andere Tor mehr machen können. Der Vergleich ist zwar immer müßig, aber der BVB unter Lucien Favre erinnert wieder an den BVB unter Jürgen Klopp. Der Sieg über den Rekordmeister wird dieser jungen Truppe den nächsten Boost geben. Sie ist titelreif. Das (vorläufige) Ende der Bayern-Dominanz ist nach sechs Jahren gekommen.

Gewinner des Spieltags

Mal abgesehen davon, dass diesen Titel am 11. Spieltag ganz offensichtlich die Dortmunder holen mit ihren sieben Punkten Vorsprung auf die Bayern, gab es am Samstag einen zweiten Gewinner, der schon qua Amt nicht im Rampenlicht stehen sollte. Manuel Gräfe legte im Topspiel auch als Schiedsrichter eine Topleistung hin. Der 1,96 Meter Hüne leitete das Spiel unaufgeregt mit einer Ausstrahlung, die ohne autoritäres Gehabe auskam. Er ließ den Spielern die für ein solches Spiel unabdingbare lange Leine, ließ sich die Zügel jedoch zu keinem Zeitpunkt aus der Hand nehmen. Die Zweikämpfe wurden hart aber fair geführt. Ob den reklamierenden Lewandowski, den Elfer für den BVB oder das Abseitstor kurz vor Schluss: Gräfe und sein Team hatten alles im Griff. Die Bundesliga braucht mehr Schiedsrichter von seinem Format. Leider wird ihr Gräfe nach der Saison aus Altersgründen abhanden kommen.

Verlierer des Spieltags

In dieser Kategorie sticht bei den Bayern einer besonders heraus. Mats Hummels leistete sich nicht nur zwei kapitale Schnitzer, die um ein Haar zu Gegentoren geführt hätten. Der sonst so sichere Pol in der Bayern-Defensive wirkte auch insgesamt fahrig und nicht auf der Höhe. Die Erklärung lieferte er nach Abpfiff kurioserweise selbst: So habe er sich in der zweiten Halbzeit auswechseln lassen, weil er mit einer Erkältung zu kämpfen gehabt und sich "etwas nebelig" im Kopf gefühlt habe. Warum weder er noch sein Trainer dann auf die Idee kamen, den nicht minderbegabten und dafür fitten Niklas Süle aufs Feld zu schicken, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Zumal Süle ob seines deutlich höheren Tempos vielleicht ohnehin die bessere Wahl gewesen wäre. Auch diese Geschichte könnte irgendwann auf der Contra-Seite landen, wenn es darum geht, ob Niko Kovac noch der richtige Mann für die Bayern ist.

Dieses Tor sollten Sie (noch einmal) sehen

Robert Lewandowski trifft zum zwischenzeitlichen 2:1 für den FC Bayern gegen Borussia Dortmund

Robert Lewandowski trifft zum zwischenzeitlichen 2:1 für den FC Bayern gegen Borussia Dortmund

Getty Images

Dieses Tor war Balsam auf die in dieser Saison leicht geschundene Seele der Bayern-Fans. Unmittelbar nach dem Ausgleich zeigte der Rekordmeister gleich mal wieder, wer hier (zwischenzeitlich) die Hosen an hat, und wie: Müller, Gnabry und Kimmich spielten sich mit sehenswertem one-touch-football durch die rechte Abwehrseite der Dortmunder. Zuletzt lupfte Kimmich den Ball über den herausstürmenden Marvin Hitz an den zweite Pfosten, wo Lewandowski nur noch einnicken musste. Es war ein Moment, in dem die ganz große Klasse der Münchner mal wieder aufblitzte. Die Bayern können es noch. Sie müssen nur wollen.

Bild des Tages

Thomas Müller vom FC Bayern ist ob des Verlaufs der Partie in Dortmund sichtlich erstaunt
Getty Images

Müller kann es nicht fassen. Zweimal geführt, am Ende trotzdem nichts. Das Gesicht des Nationalstürmers spricht Bände, denn die für Bayern-Anhänger bittere Erkenntnis dieses Spieltag ist: Der Rekordmeister hat sein bisher bestes Saisonspiel abgeliefert und am Ende trotzdem verdient verloren.

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