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Kommentar

Ex-Trainer als Sündenbock: Das andauernde Nachtreten der Bayern gegen Ancelotti ist schlechter Stil

Beim FC Bayern München kriegen sie sich kaum ein vor Freude über die Rückkehr von Trainer Jupp Heynckes. Aber die ständigen Spitzen gegen den entlassenen Carlo Ancelotti können sich die Verantwortlichen immer noch nicht verkneifen. Eines Weltklubs ist das unwürdig.

Es war ein Champions-League-Abend ganz nach Münchner Geschmack. Mit 3:0 fertigte der FC Bayern ein hoffnungslos überfordertes Celtic Glasgow in der Allianz Arena ab. Die Schotten konnten sich bei ihrem Torwart Craig Gordon und der Nachlässigkeit der Roten (26 Torschüsse) bedanken, dass es am Ende nicht zweistellig wurde. Souverän geriet die Rückkehr des alten, neuen Trainers Jupp Heynckes auf die internationale Bühne aber allemal.

Weniger souverän verhält sich das Personal der Bayern schon seit Wochen abseits des Platzes. Spieler und Verantwortliche lassen praktisch keine Gelegenheit aus, den für Münchner Verhältnisse mäßigen Saisonstart dem entlassenen Carlo Ancelotti in die Schuhe zu schieben - natürlich immer schön dezent, die Breitseiten schwingen im Subtext mit. Das provinzielle Verhalten wird dabei mit einem falschen Lächeln kaschiert.

FC Bayern: Carlo Ancelotti und Mats Hummels

Mats Hummels und seine Kollegen vom FC Bayern schicken Ex-Trainer Carlo Ancelotti ein paar schöne Grüße zuviel hinterher


FC Bayern: "Andere Teams sind uns weit voraus"

Selbst die schnellen Erfolge unter dem neuen Trainer scheinen den Unmut über die Vergangenheit noch nicht vergessen zu machen. Nach dem Feierabendkick gegen Glasgow war es Heynckes persönlich, der sich im ZDF zu der Feststellung herabließ, dass es bis zum Champions-League-Titel noch einiges zu verbessern gebe: "Da sind uns andere Teams weit voraus." Weil in der Vorbereitung unter Ancelotti so viel verpasst wurde?

Bereits in seiner ersten Pressekonferenz hatte Heynckes darauf hingewiesen, dass im Verhältnis zwischen Trainer und Spielern "gegenseitiger Respekt" da sein müsse. "Wir werden wieder gutes Training haben", war die erste Feststellung von Thomas Müller nach Ancelottis Entlassung. "Du darfst nicht fünf Spieler gegen dich aufbringen", schickte Uli Hoeneß dem Italiener hinterher. Mats Hummels freute sich gerade erst in einem Interview, dass unter Heynckes endlich wieder "elementare Dinge" wie "Pünktlichkeit" und Höflichkeit" eingefordert würden. Na dann.

"... dann sag lieber gar nichts"

Schon der Hase in "Bambi" wusste: "Wenn du nichts Nettes über jemanden zu sagen hast, dann sag lieber gar nichts." Beim FC Bayern München halten sie ganz offensichtlich nichts von dieser Weisheit. Es entbehrt nicht einer gewissen Lächerlichkeit, wenn gestandene Weltmeister oder Bosse mit jahrzehntelanger Erfahrung nicht müde werden, auf die Unzulänglichkeiten des Ex-Trainers hinzuweisen. Vor allem ist es eines Weltklubs, den der FC Bayern so dringend darstellen möchte, nicht würdig.

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