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Felix Magath zu stern.de "Alle Transfers wurden korrekt abgewickelt"


Hat der entlassene Schalke-Boss Felix Magath heimlich vier Millionen Euro an Spielerberater bezahlt? Die Vorwürfe sind happig. Bei stern.de nimmt Magath erstmals Stellung.
Von Wigbert Löer

Natürlich kann es nur der FC Schalke 04 sein, dieser wunderbare Chaos-Krisen-Herzblut-Klub, der dieses Stück aufführt: Das erste Mal wird ein Bundesligatrainer rausgeworfen, der seine Mannschaft ins Viertelfinale der Champions League und ins Finale des DFB-Pokals geführt hat. Die Fans sind verwirrt, wem sollen sie folgen? Dem gerade noch allmächtigen Felix Magath, 57, Vorstandssprecher, Cheftrainer, möglicher Erlöser nach fünf Jahrzehnten ohne Meister-Titel? Oder dem Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies, 54, der Magath vor nicht mal zwei Jahren holte, ihn noch gewähren ließ, als nur noch wenige Magaths Auswahl an Neuzugängen verstanden?

Clemens Tönnies berichtete Mittwoch in der Schalker Arena von neuen Erkenntnissen, aufgrund derer er sich "nach einer Sekunde" um "180 Grad gedreht" habe. Damit meint er, dass er Felix Magath ab sofort in komplett anderem Licht sieht, sein Handeln anders beurteilt. In seiner Erklärung vor Journalisten wurde Tönnies nicht konkret. Man könne nicht mehr sagen, aus juristischen Gründen, hieß es.

Die große Frage, die noch niemand öffentlich zu stellen wagt: Hat Magath sich auf unzulässige Weise bereichert in seinem Job als Trainer, Manager und Vorstand von Schalke 04? Hat er, konkreter, heimlich bei Ver- und Einkäufen neuer Spieler mitkassiert?

Manager, Trainer und Vereinsbosse munkeln von "Kickbacks"

Die Branche nennt das Kickbacks, ein Begriff aus der Wirtschaft, er meint heimliche Extrazahlungen an einen Verantwortlichen im Rahmen eines Geschäfts.

Im Fußball munkeln Manager, Trainer und Vereinsbosse seit vielen Jahren von Kickback-Zahlungen. Immer wieder kommt das vor, es sind ja oft hohe Summen im Spiel, und von Transfers möchten unterschiedliche Parteien profitieren: der Verein, zu dem der Spieler wechselt, der Verein, der den Spieler verkauft, der Spieler selbst, sein Berater.

Und manchmal eben auch, weil er einer der handelnden, der entscheidenden Personen im Transfergeschäft ist, der Manager eines Vereins.

In der Praxis sieht das so aus, dass Manager A mit Spielerberater B verhandelt, sich über die Verpflichtung von dessen Klienten einigt und gleichzeitig auch darauf, dass der Berater mit einer bestimmten Summe an dem Geschäft beteiligt ist. Von dieser Summe bekommt der Manager dann - kick back - einen Teil zurück. Das Geld wandert in seine eigene Tasche. Geschädigter dieser Nebenabsprache ist der Verein, der für den Spieler mehr Geld ausgeben musste.

Felix Magath, darauf ist einen Tag nach der Trennung von Schalke ausdrücklich hinzuweisen, ist vom Schalker Aufsichtsrat nicht nachgewiesen worden, dass er versteckt an einem oder mehreren der mehr als 30 Spielereinkäufe mitverdient hat, die er in den vergangenen 21 Monaten für den FC Schalke tätigte. Auch beim VfL Wolfsburg, den Magath zuvor trainierte und managte und zu dem er in zwei Jahren ebenfalls mehr als 30 Spieler holte, wurde ein derartiger Vorwurf nicht laut.

Nebenabsprachen mit Spielerberatern über 4 Millionen Euro

Nach Berichten der "Bild"-Zeitung jedoch, zu der Schalke-Aufsichtsrat Clemens Tönnies seit Jahren ein enges Verhältnis pflegt, liegen Schalke 04 zwei Rechtsgutachten von Professoren der Universitäten Bochum und Köln vor, "die Magath", so das Blatt, "angeblich belasten. Darin würde es um eine Prämien-Ausschüttung für die Champions League von 3,1 Mio Euro für die Spieler und um 4 Mio Euro für ‚Nebenabsprachen mit Spielerberatern' gehen. Die insgesamt 7,1 Mio Euro sollen ohne Genehmigung des Aufsichtsrates geflossen sein."

Nebenabsprachen mit Spielerberatern über 4 Millionen Euro: In der ganzen Angelegenheit ist das der delikateste Begriff. Man kann ihn für ziemlich eindeutig halten. Sollten die Gutachten existieren und das Genannte zutreffen, dürfte darin der Grund für Tönnies' 180-Grad-Wendung liegen. Der Klub muss allerdings auch belegen, was nun durch die Wiedergabe der Gutachten in der Welt ist - dass Magath angeblich schwere finanzielle Verfehlungen begangen haben soll.

"Revision" auf Schalke

Gegenüber stern.de sagte Magath, dass er sich "nicht auf das Niveau der gegenwärtigen Diskussion einlassen möchte". Magath weiter: "Ich habe noch keinen konkreten Vorwurf vom FC Schalke 04 vorgelegt bekommen." Auf das Gutachten angesprochen, nach dem er vier Millionen Euro an Spielerberater bezahlt habe, sagte Magath: "Meines Wissens sind alle Transfers von mir und meinen Mitarbeitern korrekt abgewickelt worden. Ich habe immer alles mit Clemens Tönnies besprochen, der für Transfers mein Ansprechpartner war."

Tönnies ist Besitzer eines Schlachtereigiganten und als milliardenschwerer Geschäftsmann mit allen Wassern gewaschen. Auf Schalke berichtete er gestern, dass man eine "Revision" gemacht habe. Revisionen machen Unternehmen, wenn sie einer Sache auf den Grund gehen wollen. Wenn sie genau wissen wollen, wohin welche Gelder geflossen sind. Am Ende einer Revision herrscht meistens Klarheit, nicht selten sehen sich die beiden Seiten anschließend vor Gericht wieder. So wird es wohl auch bei dem Fußballverein Schalke 04 und dem Fußballlehrer und -manager Felix Magath sein.

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