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Fußball-Bundesliga: Mainz macht einfach weiter

Nach der Niederlage gegen den HSV prophezeiten viele Mainz 05 schon den Absturz. Das Gegenteil ist der Fall. Clever wie ein Spitzenteam gewann das Team von Trainer Tuchel in Leverkusen und eroberte Platz eins zurück. Träume vom Titel sind erlaubt.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Okay, wir geben es zu. Wir haben uns geirrt. Die unheimliche Siegesserie der Mainzer war uns suspekt. Wir prophezeiten den Einbruch. Und gegen den HSV am 8. Spieltag setzte es für das Team von Thomas Tuchel prompt die erste Niederlage. Verbunden mit dem Verlust der Tabellenführung. Nach dem 0:1 gegen die "Rothosen" waren sich auch die "Experten" der Fußballrepublik, Effenberg, Sammer, Netzer, einig: Diese Mainzer sind noch nicht soweit. Zu jung, zu unerfahren, zu viel kräftezehrender Power-Fußball. Nein, nicht die 05er, Borussia Dortmund sei die Mannschaft, die bis zum Schluss um den Titel mitspielen werde. Ein Viertel der Saison ist jetzt vorüber - und wir korrigieren uns gerne: Nach dem eindrucksvollen 1:0-Erfolg an diesem Spieltag bei Bayer Leverkusen sind es auch die Mainzer, die bei der Entscheidung im Meisterschaftsrennen ein gehöriges Wörtchen mitsprechen werden. Dafür gibt es gute Gründe.

1. In Leverkusen, wo Mainz 05 zum vierten Mal in Folge auswärts siegreich war, spielte Tuchels Team so, als hätte es die Niederlage gegen den HSV nie gegeben. Gegen Bayer zeigte die Mannschaft keine glanzvolle, aber eine extrem clevere Leistung. Kühl und hervorragend organisiert spielte es die Boy-Group nach dem Führungstreffer durch Ivanschitz zu Ende. Der Auftritt bewies vor allem auch eines: Die Psyche der Mainzer ist weiterhin intakt.

2. Trainer Thomas Tuchel bleibt sich treu und weicht nicht von seinem Rotationsprinzip ab. Zum neunten Mal in neun Spielen schickte der 37-Jährige eine andere Startformation ins Rennen - und hält so den leistungsfördernden Konkurrenzkampf im Kader voll am Laufen. Bei den Einwechslungen hat Tuchel zudem weiterhin ein goldenes Händchen. Mit nun sieben Jokertoren ist Mainz 05 Ligaspitze. 129 Sekunden nachdem der Coach Schürrle und Ivanschitz aufs Feld geschickt hatte, erzielten beide dank einer exzellenten Koproduktion den Siegtreffer.

3. Das Mainzer Kollektiv ist nicht von Einzelspielern abhängig. Auch das wurde beim Sieg in Leverkusen deutlich. Den Erfolg des Überraschungsteams FSV Mainz 05 verbindet man vor allem auch mit dem Namen Lewis Holtby. Er war (und ist) der Anführer der jungen Wilden. Seit Saisonstart lieferte die Schalker Leihgabe auf der Spielmacherposition reihenweise Top-Leistungen ab. In der Kicker-Rangliste der notenbesten Spieler hat Holtby nur den Dortmunder Nuri Sahin vor sich. Und das auch nur, weil Liga-Topscorer Holtby (2 Tore/7 Assists) gegen Leverkusen erstmals einen schwarzen Tag erwischte. Das war aber nicht weiter schlimm. Das kompakte Mittelfeld um Soto, Polanski und Caliguri schleppte Holtby bis zu seiner Auswechselung einfach mit durch. Am Ende gewann Mainz auch ohne Holtbys Geniestreiche. Das spricht für die Homogenität der Truppe.

Ein letzter Punkt: In dieser Spielzeit entführte Mainz 05 bei den Titelkandidaten aus Wolfsburg, Bremen, München und Leverkusen satte 12 Punkte. Muss man mehr sagen? Lassen wir Lewis Holtby sprechen: "Sind wir mal ehrlich: Die Bayern sind immer noch der Titelfavorit. Wobei: In der Türkei ist auch eine Mannschaft namens Bursaspor Meister geworden." Die Mainzer glauben an sich. Auch das muss man, um Meister zu werden.

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