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Hinrunde im stern-Check Traurig, aber wahr: Ohne Schalke wäre in der Bundesliga gar nichts mehr los!

Ozan Kabak nach der Schalker Niederlage gegen Köln
Mal wieder am Boden: Ozan Kabak nach der Schalker Last-Minute-Pleite gegen Köln
© Friedemann Vogel - Pool/Getty Images
Die Bundesliga-Hinrunde ist vorbei. Und was waren Ihre Highlights der ersten 17 Spieltage, lieber Leser? Ach, Ihnen fallen keine ein? Dann geht es Ihnen wie uns. Kneift die Augen zusammen und blickt trotzdem zurück: der stern-Check.

So lief der Spieltag

Alle Ergebnisse des 17. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger der Hinrunde

An dieser Kategorie stimmt schon die Bezeichnung nicht: "Aufreger der Hinrunde" impliziert schließlich, dass es in dieser Hinrunde wie auch immer geartete Aufreger gegeben haben muss. Wir können uns aber beim besten Willen an keine erinnern. Dem blutleeren Spektakel formerly known as Bundesliga fehlte es an allem, weshalb wir uns einst in sie verliebt hatten: Spannung, Drama, wilder Wettbewerb. Aber mehr dazu in der Kategorie "Verlierer der Hinrunde" ...

Dieses Tor der Hinrunde sollten Sie (nochmal) sehen

Wenigstens ein paar schöne Tore sind gefallen. Zum Beispiel der Strahl des Mainzers Öztunali am vergangenen Wochenende gegen den BVB. Oder Patrik Schicks Zidane-Gedächtnistreffer für Bayer 04 kurz vor Jahresfrist gegen die Bayern.

Aber noch ein bisschen spektakulärer als all seine Liga-Kollegen machte es bereits im November der Gladbacher Valentino Lazaro mit seinem No-Look-Scorpion-Kick beim 3:4 seiner Borussia gegen Leverkusen, der folgerichtig zum Tor des Monats gewählt wurde. Für den stern-Check war es auch das Tor der Hinrunde. Und eine der wenigen Szenen, an die wir uns auch in der Rückrunde noch erinnern werden.

Gewinner der Hinrunde

Ist jemand, der immer gewinnt, eigentlich überhaupt noch ein Gewinner? Oder neutralisiert sich sein Gewinnen in diesem Fall quasi aufgrund der Unmöglichkeit, irgendwann jemals NICHT zu gewinnen? Das wäre dann der einzig triftige Grund, dem FC Bayern München den Sieg in dieser Kategorie vorzuenthalten.

Denn abgesehen davon, dass der Serienmeister auch international eine ordentliche Welle gemacht hat, als Neuer und Lewandowski bei der Kür der Weltfußballer zum besten Torwart und besten Spieler gewählt wurden (nur Coach Flick zog in der Trainerkategorie gegen Liverpools Champion Klopp den Kürzeren), bietet sich in der Bundesliga dasselbe Bild wie nun bereits seit bald neun Jahren: Die Bayern stehen an der Tabellenspitze. Als Herbstmeister. Mit vier Punkten Vorsprung auf den ärgsten "Verfolger" RB Leipzig. Am Ende einer Halbserie, in der die Münchner nicht selten überspielt, oft nicht souverän, jedoch vor allem definitiv schlagbar wirkten. Aber die Konkurrenz ... äh, welche Konkurrenz?!?

Verlierer der Hinrunde

Eine knifflige Kategorie. Denn einerseits muss die Bundesliga aufgrund der oben beschriebenen Bayern-Dominanz und den dafür verantwortlichen Gründen selbst als ein großer Verlierer der Hinrunde gelten, denn ein Wettbewerb, der Jahr um Jahr zumindest an der Spitze so eintönig verläuft, hat in seiner Funktion als Wettbewerb nunmal versagt. Andererseits gibt es da noch den FC Schalke 04 und seinen beispiellosen Absturz, der den Traditionsverein aus Gelsenkirchen gar bis in die legendären Losersphären von Tasmania Berlin geführt hat. Den ewigen Rekord konnten die Knappen, nun ja, knapp vermeiden, als Tabellenletzer nach dem 17. Spieltag mit ganzen sieben Punkten und einem Torverhältnis von -30 ist Königsblau aber natürlich trotzdem ein krachender Verlierer der Hinrunde.

Andererseits: Wenn es in den menschenleeren Stadien der Bundesliga in diesem Herbst und Winter überhaupt mal zu irgendeiner Form von Drama kam, zu einem Hauch von Spektakel, dann war dabei ziemlich verlässlich stets der FC Schalke im Spiel. Traurig, aber wahr: Ohne Schalke wäre gar nichts mehr los! Letztes Beispiel gestern, als man sich gegen den direkten Konkurrenten aus Köln in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer zur bislang zwölften Saisonniederlage einfing. Das andauernde Trauerspiel auf Schalke mag fußballerisch kaum anzuschauen sein, an Unterhaltungswert für den neutralen Beobachter ist es in diesen tristen Tagen aber einigermaßen unangefochten – schließlich sorgt es für Höhen und Tiefen, die wir auf den anderen Plätzen der höchsten Spielklasse so kaum noch erleben. Das macht die Schalker fast schon wieder zu Gewinnern der Hinrunde. Und die Bundesliga dann doch zum großen Verlierer. Erst recht, wenn S04 am Ende der Saison absteigt.

Bild der Hinrunde

Maradona-Trikot auf der Tribüne des Signal-Iduna-Parks in Dortmund
© Leon Kuegeler/Pool/AFP

Als der ewige Mythos Diego Maradona Ende November im Alter von 60 Jahren einem Herzinfarkt erlag, wurde ihm rund um den Fußballglobus mit Gedenkminuten und Trauerflor gedacht – auch in der Bundesliga, hier auf der leeren Tribüne des Signal-Iduna-Parks in Dortmund sogar mit Trikots und argentinischer Flagge. Damit vereinen sich gleich zwei ikonische Symbole der Hinrunde in einem: der Tod einer Legende aus einer vermeintlich besseren Ära (finden zumindest die Nostalgiker, von denen es unter den Fußballfans in letzter Zeit immer mehr gibt) mit der trostlosen Leere der Ränge in den Geisterspielstadien. Das macht irgendwie betroffen, und zwar so sehr, dass wir lieber nochmal "La Vida Tombola" von Manu Chao auflegen, oder "Maradona Shirt" von Marteria, um uns noch einmal ganz bewusst an den größten Fußballer aller Zeiten (?!) zu erinnern, bevor wir zum Fußballgott beten, dass die Pandemie bald vorbei und die Tribünen wieder voll sind.

tim

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