HSV-Aufschwung Auf wackligen Beinen


Der stets ambitionierte HSV hat sich aus der Abstiegszone befreit. Von der Europa League redet der neue Trainer Bert van Marwijk aber nicht – zu Recht.
Von Simon Beckmann

Drei Tore, drei Punkte – so einfach sei manchmal der Fußball, fasste HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga den Sieg gegen den SC Freiburg zusammen. Besonders einfach ist der Fußball allerdings, wenn der Torwart des Gegners einem drei Tore schenkt. Im Falle des Freiburger Schlussmanns Oliver Baumann war das so – der Nationalspieler der U21 sorgte dafür, dass der HSV mit einer lange noch nicht guten Leistung drei wertvolle Auswärtspunkte holte.

Der HSV warf seinen Trainer Thorsten Fink bereits nach fünf Spieltagen raus und verlässt sich nun auf Bert van Marwijk, einen Elder Statesman des Profifußballs. Als Vize-Weltmeister-Coach verschafft van Marwijk dem stets sehr ambitionierten Klub aus dem Norden sogar ein wenig Glamour. Unter ihm läuft es wie zuletzt so oft beim HSV: Ein neuer Trainer hat erst einmal Erfolg.

Welche Richtung schlägt der HSV ein?

Tatsächlich ist der HSV durch zwei Siege und zwei Unentschieden auf Platz zwölf geklettert. Es ist nicht mehr weit nach oben, nach unten aber hat man auch nicht so viel Abstand.

Man weiß noch nicht genau, was der Holländer seinem Vorgänger Fink voraus hat. Auch van Marwijk floskelt sich bisher durch seine öffentlichen Auftritte, die Interviews haben wenig Substanzielles. Aber immerhin schätzt er, anders als manchmal Fink, die Sache beim HSV realistisch ein. Nach dem Spiel gegen Freiburg zeigte er sich zu Recht eher unzufrieden.

Der 61-Jährige ist lange genug dabei, um zu wissen, dass diese HSV-Mannschaft die ganz großen Taten kaum vollbringen wird. Dafür sind die Leistungen, wie beispielsweise die von Abwehrroutinier Heiko Westermann, oftmals viel zu schwankend. Auch wenn jetzt ein gewisser Aufwärtstrend zu beobachten ist.

Europa League kein Thema

Bert van Marwijk wird selbst am besten wissen, wie viel er von seinem Mittelfeldlenker und Klatschpresse-Versorger Rafael van der Vaart zu erwarten hat. In der niederländischen Nationalmannschaft vertraute er zuletzt nicht mehr auf den inzwischen 30-Jährigen. Gegen Mannschaften wie Freiburg oder Stuttgart immerhin traf van der Vaart. In der nächsten Woche trifft der HSV zu Hause auf Borussia Mönchengladbach, danach geht es nach Leverkusen, gegen Hannover und nach Wolfsburg. Holt van Marwijk aus diesen vier Partien weitere acht Punkte, kann der HSV tatsächlich nach oben schauen.

Unter normalen Umständen müsse der HSV zwischen Platz eins und sechs stehen. Das immerhin hat sich Bert van Marwijk vor ein paar Wochen entlocken lassen. Es war am Anfang seiner Tätigkeit in Hamburg. Seitdem hat er von der Europa League übrigens nicht mehr gesprochen.


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