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Bundesliga

Verdienter Stürmer Lewandowskis Abrechnung: Der FC Bayern agiert stillos

Robert Lewandowski bei der Feier seines 8. Meistertitels mit dem FC Bayern München
Robert Lewandowski bei der Feier seines 8. Meistertitels mit dem FC Bayern München
© Christof Stache / AFP
Robert Lewandowski will nicht mehr für den FC Bayern München spielen. Der Verein will ihn trotzdem behalten. Das ist zwar das Recht des FCB, der Vorgang wird dem Stellenwert des Weltfußballers aber nicht gerecht.

"Er hat einen Vertrag bis 2023. Diesen Vertrag wird er erfüllen. Basta!" Mit diesen deutlichen Worten Mitte Mai wollte Bayern-Boss Oliver Kahn das Hin und Her um einen möglichen Wechsel von Robert Lewandowski eigentlich beenden. Doch der Fifa-Weltfußballer will nicht mehr für den FC Bayern spielen – und macht daraus auch kein Geheimnis. "Meine Geschichte bei Bayern ist vorbei! Ich sehe keine Möglichkeit mehr, weiter für diesen Klub zu spielen", sagte der Pole am Montag in unmissverständlicher Offenheit.

Doch auch Lewandowski weiß, dass er das nicht allein zu entscheiden hat. "Ich möchte dort nicht mehr spielen! Bayern ist ein seriöser Verein und ich glaube, sie werden mich nicht bloß behalten, weil sie es können", sagte er weiter. Ein Transfer sei die beste Lösung. "Ich hoffe, sie stoppen mich dabei nicht."

Denn wie Kahn ähnlich direkt formuliert hatte: Lewandowski muss noch ein Jahr für den deutschen Rekordmeister spielen, wenn dieser darauf besteht. Ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag. Das musste Lewandowski 2013 schon mal erleben, als er bereits zu den Bayern wechseln wollte und der BVB ihn nicht ziehen ließ. So musste er noch ein Jahr in Dortmund spielen.

Robert Lewandowski schoss Bayern von Titel zu Titel

Aber die Situation war trotzdem eine andere. Der FC Bayern hat im Gegensatz zum BVB damals, die Größe und die Mittel einen adäquaten Ersatz nach München zu locken. Bislang haben die Verantwortlichen das allerdings verschlafen. Lewandowski ist ja nicht aus dem Nichts auf einmal 33 Jahre alt. Dennoch weiß man an der Säbener Straße offenbar keinen besseren Rat, als den Mann, der die Bayern seit nunmehr acht Jahren verlässlich von Titel zu Titel schießt, gegen seinen ausdrücklichen Willen noch ein Jahr zu halten. Wohl auch, weil man es versäumt hat sich mit Erling Haaland einig zu werden. Das Buhlen um den Norweger soll aber wiederum Lewandowski gekränkt haben. Eine Lose-Lose-Situation.

Dass es nun zu einem solchen Transfergeschacher gekommen ist, hat Lewandowski schlicht nicht verdient. Er hat fast 350 Tore für den FC Bayern geschossen. Achtmal in Folge ist Lewandowski mit den Bayern Meister geworden, dreimal Pokalsieger, einmal hat er die Champions League gewonnen. In sechs von acht Jahren ist er dabei Torschützenkönig der Bundesliga gewesen, zweimal hintereinander wurde er Weltfußballer. Auch wenn es eine Phrase ist: Lewandowski hat sich um den Klub verdient gemacht.

Natürlich kann man sich nun hinstellen und sagen: Er hat einen Vertrag unterschrieben, also muss er den auch erfüllen. Das ist theoretisch richtig. Praktisch aber steht dort ein 33-jähriger Profi im Herbst seiner Karriere, der alles erreicht hat , und sich noch einmal ein großes Abenteuer wünscht: die spanische Liga, höchstwahrscheinlich den FC Barcelona. Einem so verdienten Spieler diesen Weg zu versperren, wäre unwürdig. Bayern wäre im Recht, aber stillos. Die Verantwortlichen sollten Lewandowski nun ziehen lassen.


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