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Streit beim FC Bayern: Rummenigge rüffelt Hoeneß

Nach der heftigen Kritik von Präsident Uli Hoeneß an Trainer Louis van Gaal ist jetzt Karl-Heinz Rummenigge am Zug. Der Bayern-Boss zeigt wenig Verständnis für die Verbalattacke. Hoeneß selbst verteidigt seinen "geplanten" Alleingang: "Ich kann mir das erlauben", so der Präsident.

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat Präsident Uli Hoeneß für dessen Kritik an Trainer Louis van Gaal gerüffelt. "Wichtig ist, das wir miteinander und nicht übereinander sprechen", sagte Rummenigge vor dem Abflug des FC Bayern zum Champions-League-Spiel in Cluj (Mittwoch, 20.45 Uhr/stern.de, Sky und Sat1). Zu den Inhalten der Attacke des Präsidenten wollte sich Rummenigge nicht äußern, er bestätigte aber, dass er bereits einzeln mit Hoeneß und van Gaal gesprochen habe und kündigte ein baldiges Schlichtungsgespräch an. "Wir wollen das nicht aussitzen, sondern Dinge ansprechen und haben uns zeitnah verabredet", sagte Rummenigge.

Zuvor hatte Hoeneß seine scharfe Kritik an Trainer Louis van Gaal als geplant bezeichnet und eingeräumt, dass es sich um einen Alleingang gehandelt habe. "Im Bauch war ich schon lange vorbereitet, das ist in fünf Monaten in mir entstanden", sagte Hoeneß der Süddeutschen Zeitung. Weder Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge noch Sportdirektor Christian Nerlinger waren eingeweiht. "Das ist mir auch wurscht, ich habe eine Position im Verein, wo ich mir das erlauben kann", sagte Hoeneß.

Beckenbauer zeigt Verständnis für Hoeneß

Der Bayern-Präsident bezeichnete die Vorwürfe an van Gaal als "private Meinung", die er sich erlauben dürfe. "Ich habe im Leben gelernt, Streit, wenn er unvermeidlich ist, nicht aus dem Weg zu gehen", sagte Hoeneß, der auch den Zeitpunkt seiner Kritik rechtfertigte: "Das ist halt jetzt mein Eindruck, und wenn man nun gut damit umgeht, kann es nur positiv sein."

Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer zeigt derweil Verständnis für die Attacke von Hoeneß. "Er will aufrütteln und ein bisschen Feuer in den Laden bringen", sagte Beckenbauer der Bild-Zeitung: "So gut waren die Spiele in den letzten Wochen nicht. Bevor sich alle gegenseitig auf die Schultern klopfen vor Begeisterung, geht der Uli dazwischen." Einen Bruch zwischen van Gaal und dem FC Bayern befürchtet Beckenbauer allerdings nicht: "Uli Hoeneß ist als Präsident ohnehin nicht mehr der direkte Ansprechpartner für den Trainer, das ist jetzt Christian Nerlinger."

Hoeneß hatte van Gaal am Sonntagabend bei "Sky 90" heftig attackiert. Der Trainer habe Spieler wie Mario Gomez, Anatolij Timoschtschuk und Martin Demichelis "permanent falsch eingeschätzt". Zudem sei es schwer, mit van Gaal zu reden, "weil er die Meinung anderer Leute nicht akzeptiert". "Ein Fußball-Verein heutzutage darf keine One-Man-Show mehr sein", kritisierte Hoeneß.

Bayern mit Personalsorgen in Cluj

Bei den Bayern-Spieler ist die Auseinandersetzung zwischen Präsident und Trainer schon ein Kabinenthema, doch Philipp Lahm mahnte, dass die Mannschaft sich auf das Spiel am Mittwoch fokussieren soll. "Was zählt, ist auf dem Platz", sagte der Nationalspieler, "das große Plus des FC Bayern in der Vergangenheit war, dass Harmonie in allen Reihen geherrscht hat".

Abseits vom Machtkampf zwischen Hoeneß und van Gaal bereitet den Bayern die Personalnot Sorgen. Mit einem Mini-Kader von nur 15 Spieler traten die Münchner die Reise nach Rumänien an. Zuletzt waren Ivica Olic, der wegen einer Knie-Blessur sechs Monate ausfällt, und Holger Badstuber (Schambeinverletzung) auf die Verletztenliste gekommen.

DPA/SID/kbe

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