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Trotz Sieges in Bremen: Eklat bei den Bayern - Robben schlägt Müller

Was ist bloß bei den Bayern los? Da siegen sie ziemlich souverän in Bremen - und trotzdem kracht's. Nach dem Schlusspfiff sorgte ausgerechnet Arjen Robben für einen Eklat - als er Thomas Müller an die Gurgel ging.

Die Bayern pflegen weiter ihre eigenartige Streitkultur. Nach dem Führungspersonal gerieten nun auch die Spieler aneinander - und das trotz einer erfolgreichen Aufholjagd zum 3:1 bei Werder Bremen und dem Vorrücken auf einen Champions-League-Platz.

Arjen Robben debattierte zunächst in der Halbzeitpause heftig mit Fußball-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, später geriet er dann mit Thomas Müller aneinander, nach dem Abpfiff sogar handgreiflich. "Ich hasse das, wenn Leute so die Hände hochreißen", sagte Robben zu Müllers Gesten auf dem Platz: "Das ist nicht respektvoll zum Kollegen. Und das müssen wir nicht mehr machen."

Aber war er selber respektvoll? Die meisten Zuschauer und die TV-Kameras hatten es kaum mitbekommen: Die anderen Bayern feierten verhalten den dritten Auswärtserfolg der Saison, als Robben und Müller ihren Disput nach dem Abpfiff fortsetzten. Der Niederländer ging auf Müller los und diesem an den Kragen. Müller hielt sich mit aufgerissenem Mund den Hals - und Anatoli Timoschtschuk musste schlichten. Harmonie sieht anders aus.

Lahm versucht zu beschwichtigen

Auslöser waren offensichtlich Robbens eigensinnige Spielweise und ein schlecht geschossener Freistoß, den der deutsche Nationalspieler mit einer abwertenden Handbewegung kommentiert hatte. "Das Reden auf dem Platz ist immer gut, aber man sollte nicht mit den Händen reden", kritisierte Robben den gestikulierenden Müller. Er selbst hatte allerdings auch einen Teil seiner Hand benutzt, den Zeigefinger auf den Mund gelegt und Müller so unzweideutig zum Schweigen aufgefordert, ehe der Disput nach Spielschluss weiter eskalierte.

Philipp Lahm versuchte später zu beschwichtigen. "Wir werden das ansprechen, aber intern drüber reden", sagte der Kapitän: "Das Wichtigste war, dass über 90 Minuten eine Mannschaft auf dem Platz stand, die unbedingt gewinnen wollte." In der Tat zeigten die spielerisch zunächst enttäuschenden Bayern mit einem indisponierten Schweinsteiger auf der von ihm ungeliebten Zehner-Position eine willensstarke Leistung. Nach der Führung der bis dahin starken Bremer durch Per Mertesacker (47.) schafften die Bayern durch Robben (65.), Mertesackers Eigentor (76.) und Miroslav Klose (86.) die Wende.

Immer wieder Originelles von van Gaal

Angesichts des dritten Auswärtssieges versuchte Trainer Louis van Gaal, die unangenehmen Begleiterscheinungen herunterzuspielen. "In Holland ist es üblich, dass wir miteinander streiten und sagen, was wir zu sagen haben. Das ist eine andere Kultur in Deutschland", erklärte der niederländische Übungsleiter: "Ich denke, dass alles mit Respekt geschehen muss." Die Handgreiflichkeit Robbens meinte er damit wohl kaum, denn ihm ging es wie vielen im Stadion: "Ich habe das nicht gesehen." Grundsätzlich schätze er es aber, wenn die Spieler diskutierten.

Das meinungsfreudige Klima der Bayern bereichert die Bundesliga also weiter, nachdem zuletzt die verbalen Auseinandersetzungen van Gaals im Mittelpunkt gestanden haben - mit Aufsichtsrats-Chef Uli Hoeneß, mit Sportdirektor Christian Nerlinger und am Tag vor dem Spiel mit den langjährigen Bayern-Profis Mehmet Scholl und Oliver Kahn. Deren Kritik bezeichnete der Coach als "Papageien-Geplapper".

"Er liefert immer wieder etwas Originelles, unser Trainer", reagierte Nerlinger angesichts des Sieges eher amüsiert. Und auch die Dispute von Robben mit Schweinsteiger und Müller redete der Sportchef klein: "Es ist gut, dass wir Emotionen auf dem Platz haben."

Schaaf bleibt

Im Vergleich zu den Bayern fast schon harmonisch ging es nach dem Nord-Süd-Gipfel im Lager der bedrohlich abgestürzten Bremer zu. Obwohl Werder auf Platz 15 abstürzte und Torhüter Tim Wiese die Rote Karte sah, gab es kaum Pfiffe gegen Thomas Schaaf, Klaus Allofs und die Profis. So kurios es klingt: Werder schöpft im ungewohnten Abstiegskampf trotz der erneuten Pleite wieder Mut. "Wir haben gut gespielt, gut gekämpft, nur das Ergebnis ist das falsche", haderte Kapitän Torsten Frings. "Die Mannschaft hat sich gewehrt. Leider wurden wir für diese Leistung nicht belohnt", fand auch Trainer Schaaf, der eine Woche zuvor beim Debakel in Köln noch ein ganz anderes Team gesehen hatte.

Allofs rüttelte trotz der "bedrohlichen Situation" auch nach der zehnten Saison-Niederlage nicht am Stuhl von Schaaf. "Die Mannschaft folgt dem Trainer, das Verhältnis ist absolut intakt", betonte der Clubchef.

kbe/DPA

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