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Fair Play sieht anders aus: BVB regt sich über (Un)Sporting Lissabon auf

"Das ist eine Unverschämtheit", tobt BVB-Sportdirektor Michael Zorc nach Abpfiff der Champions-League-Partie gegen Sporting Lissabon. Auch Torwart Bürki ist fassungslos, und sogar Sporting-Angreifer Dost reagiert irritiert. Was war passiert?

BVB-Keeper Roman Bürki spielte gleich zwei Mal den Ball absichtlich ins Aus. Sporting Lissabon hielt aber nichts von Fair Play

BVB-Keeper Roman Bürki spielte gleich zwei Mal den Ball absichtlich ins Aus. Sporting Lissabon hielt aber nichts von Fair Play

Was im ersten Durchgang nach einem entspannten Auswärtssieg aussah, wurde für Borussia Dortmund in der zweiten Hälfte zu einem echten Champions-League-Krimi. Nach 2:0 Pausenführung gegen Sporting Lissabon brachte ein unnötiger Rückpass von Marc Batra den Hausherren in der 67. Minute einen indirekten Freistoß im Strafraum und den Anschlusstreffer ein. Plötzlich war das Stadion wieder da und es sollten, samt satter Nachspielzeit, hitzige 40 Minuten folgen. Für große Aufregung und Unmut beim BVB sorgten zwei Szenen kurz vor Schluss. Was war passiert?

Keeper Roman Bürki spielte jeweils den Ball ins Aus, weil ein Dortmunder am Boden lag. Sporting bekam den fälligen Einwurf zugesprochen. Das normale Prozedere in so einem Fall: Die einwerfende Mannschaft spielt den Ball wieder dem Gegner zu und es geht mit deren Ballbesitz weiter. Allerdings gibt es dafür keine Regel. Es ist ein ungeschriebenes Fair-Play-Gesetz. 99 Prozent der Mannschaften machen es in der Regel so. Entsprechend überrascht war der BVB, dass Sporting einwarf und sofort angriff. Zunächst waren einige Dortmunder so perplex, dass sie überhaupt nicht verteidigten. Sporting kam zu einer nicht ungefährlichen Torchance - unter gellenden Pfiffen der rund 3000 mitgereisten BVB-Fans. Das heimische Publikum hingegen beklatschte die Unsportlichkeit. Kurz darauf wiederholte Lissabon das Ganze noch einmal in einer ähnlichen Szene. Dieses Mal war der BVB allerdings darauf vorbereitet.

BVB nach Unsportlichkeit außer sich

Daraufhin kochten die Emotionen erst so richtig hoch. Die Dortmunder beschwerten sich lautstark auf dem Platz. Allerdings muss man sagen, dass sie selbst anschließend auch das eine oder andere Mal in die Trickkiste der Unsportlichkeiten griffen. So blieb Felix Passlack kurz vor Schluss nach einem langen Lauf nach vorne mit Krämpfen auf dem Boden liegen. So weit so normal. Doch der Youngster ließ sich erst minutenlang behandeln, ehe er sich vom Platz tragen und auswechseln ließ. Auch wenn es sich, wie der Sky-Kommentator mit einem Augenzwinkern mutmaßte, um einen "Ganzkörperkrampf" gehandelt haben könnte, lag der Verdacht des Zeitspiels doch näher. Am Ende brachte Dortmund die knappe 2:1-Führung mit ein bisschen Dusel über die Zeit und verteidigte damit die Gruppenführung vor Real Madrid.

Nach dem Spiel tobten die BVB-Verantwortlichen ob der zwei unsportlichen Sporting-Szenen. "Das ist eine Unverschämtheit, so etwas habe ich in 30 Jahren Fußball noch nicht erlebt. Das war kein Fair Play, das war eine Sauerei", sagte Sportdirektor Michael Zorc. Auch Torwart Bürki war außer sich: "So etwas habe ich noch nie erlebt. Es ist schade, dass, wenn ich den Ball rausspiele und unser Spieler Sokratis noch am Boden liegt, Sporting einfach weiterspielt."

Und sogar Ex-Bundesliga-Star Bas Dost in Diensten der Portugiesen wunderte sich: "Normalerweise spielt man den Ball zurück, ich weiß auch nicht, warum das so gelaufen ist." BVB-Trainer Thomas Tuchel hingegen sah den Schiedsrichter in der Verantwortung: "Ich hätte vom Schiedsrichter erwartet, wenn ein Abwehrspieler da liegt und kurze Zeit braucht, dass er kurz checkt, ob da etwas ist und nicht die Einwürfe durchwinkt."


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